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Caritas Münster 04.08.08 Seite drucken

Mehr Leben geben für die letzten Tage

© Caritasverband für die Diözese Münster
In Spendendöschen in Form des neuen Kinderpalliativzentrum sammelt Dr. Martina Klein Geld für den Bau der Station "Lichtblicke".

Caritas-Klinik baut weltweit erste Kinderpalliativstation

Datteln/Münster - Die Krankheit ist unheilbar, der Tod wird kommen. Mehr Tage können Dr. Boris Zernikow und sein Team den Kindern nicht geben. Aber mehr Leben für ihre letzten Tage. Sie setzen alles daran, dass sie sie schmerzfrei  und möglichst beschwerdefrei in der Familie erleben und zuhause sterben können. Dafür beginnt die zu den Vestischen Caritas-Kliniken gehörende Kinder- und Jugendklinik in Datteln im Herbst mit dem Bau der weltweit ersten Kinderpalliativstation. "Lichtblicke" wird allerdings nicht nur über acht Betten verfügen, sondern auch Fortbildungszentrum sein, um das in Datteln über Jahre gesammelte Spezialwissen an Kinderärzte, Psychologen, Kreativtherapeuten, Pflegemitarbeiter und Ehrenamtliche weiter zu geben. Die Unterstützung für das Projekt ist groß. Angesichts der vielen Bürger und Firmen, die sich mit großen und vielen kleinen Spenden engagieren, ist Dr. Martina Klein, zuständig für Entwicklung und Finanzen, zuversichtlich, die benötigten vier Millionen Euro zu bekommen.

Palliativmedizin für Kinder ist sehr komplex und das Wissen darum bislang eher gering, erklärt Klein. Der Großteil der Erwachsenen, bei denen es in der Endphase des Lebens um die Linderung von Schmerzen und Beschwerden geht, leidet an Krebs. Das ist bei Kindern nur eine von vielen Krankheiten, deren Symptome Chefarzt Boris Zernikow und seine Mitarbeiter schon jetzt auf verschiedenen Stationen, umliegenden Krankenhäusern und Hospizen behandeln. Vor allem ist es ein weites Spektrum an seltenen Erkrankungen, genetisch bedingte Stoffwechselstörungen beispielsweise.

Spezielle Kenntnisse erfordert nicht zuletzt auch die richtige Zusammenstellung und Dosierung der  Medikamente, die in der Regel für Erwachsene entwickelt werden. Kreativ muss Zernikows Team deshalb sein und immer wieder neue Wege gehen. "Psychologen, Sozialarbeiter, Kunst- und Musiktherapeuten, gehören deshalb neben dem Kinderarzt und der speziell ausgebildeten Palliativschwester dazu und auf Wunsch auch ein Seelsorger", erläutert Martina Klein. 

Ebenso kreativ wie Zernikows Team in der Behandlung der Kinder sind die Spender. Das Holz auf dem Ärzteparkplatz, das der Nachbar aus einer Fällaktion auf seinem Grundstück spendete, ist inzwischen verkauft. Nach und nach münzt Martina Klein die zwölf gestrickten Schals einer älteren Dame in Euros um. 15 Spendenhäuschen in der zweistöckigen Halbkreisform der Lichtblicke-Station hat sie gemeinsam mit dem technischen Leiter der Klinik aus Sperrholz gebastelt und bemalt. Firmen beteiligen sich mit Großspenden und die Aktion Lichtblicke der NRW-Lokalradios finanziert mit 50.000 Euro zwei Patientenzimmer.

Gemeinsam machen sie es möglich, dass ab dem kommenden Jahr auf der Station Lichtblicke bis zu acht Kinder und ihre Eltern aufgenommen werden können. Möglichst kurz sollen sie bleiben, nur um die Kinder zu stabiliseren, die Medikamente richtig einzustellen und um Krisensituationen zu beherrschen. Ansonsten will Dr. Zernikow, der als Zivildienstleistender in der Dattelner Caritas-Klinik zum Medizin-Studium fand, sie weiter mit seinem Team ambulant betreuen. Hier ist auch eines von zwei Ambulanten Pädiatrischen Palliativversorgungszentren (APPZ) in Nordrhein-Westfalen angesiedelt. Eine Höchstgrenze von 50 Patienten war dafür angedacht. "Aber nach einem Jahr sind es schon 80", verdeutlicht Klein den Bedarf.

Die Ausbildung möglichst vieler  Mediziner vor Ort ist deswegen auch Ziel des Kinderpalliativzentrums. Attraktiv ist diese Aufgabe für die niedergelassenen Mediziner allerdings nicht. "Es gibt einen gesetzlichen Anspruch auf Palliativversorgung", sagt Klein, aber honoriert werde der zeitlich hohe Aufwand nicht: "Da gibt es auch nur 15 Euro für den Hausbesuch". Zernikow ist es deshalb ebenso ein Anliegen, für bessere Grundbedingungen für die Palliativmedizin zu werben. Er tut dies auch auf dem weltweit ersten "Lehrstuhl für Kinderschmerztherapie und Palliativmedizin", den die Universität Witten/Herdecke vor kurzem eingerichtet hat.

Das Interesse an der Station Lichtblicke ist groß. Anfragen aus ganz Europa erreichen die Dattelner. Die Station Lichtblicke soll auch nicht einzigartig bleiben. In Deutschland werden vier oder fünf Kinderpalliativzentren benötigt werden, schätzt Zernikow.
(C) Caritasverband für die Diözese Münster
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