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Edith Stein  Seite drucken

Leitfigur für Christen und Juden

Edith Stein.
© gemeinfrei
Edith Steins Leben und Tod sind gleichermaßen Zeugnis eines unbeirrt gelebten Glaubens.

Edith Stein wurde als erste Katholikin jüdischer Abstammung heiliggesprochen

Ihr Leben und Tod sind gleichermaßen Zeugnis eines unbeirrt gelebten Glaubens. Als geborene Jüdin und entschiedene Christin überwindet Edith Stein Grenzen und schafft Verbindungen zwischen jüdischer und christlicher Existenz. Als bleibende aktuelle Gestalt von hoher Kultur, tiefer Solidarität und schlichter Menschlichkeit wurde sie Leitfigur für die Gläubigen beider Religionen, der Juden und der Christen. Am 11. Oktober 1998 wurde sie als erste Katholikin jüdischer Abstammung vom damaligen Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen.

Am 12. Oktober 1891 wird sie in einer jüdischen Familie im schlesischen Breslau geboren. Ihre hohe intellektuelle Begabung wird während der Schulzeit ebenso offenbar wie ihre kompromisslose Suche nach der Wahrheit. Innere Zweifel sind es, die sie dem jüdischen Glauben der Väter entfremden und die sie sich selbst zunächst als Atheistin verstehen lassen. Ihr Studium - Philosophie, Geschichte, Germanistik und Psychologie - schließt sie 1916 in Freiburg mit der Promotion zum Doktor der Philosophie ab. Die angestrebte Hochschullaufbahn bleibt ihr allerdings trotz ihrer glanzvollen wissenschaftlichen Leistungen verwehrt - zunächst, weil sie eine Frau, später, weil sie eine Jüdin ist.

Begegnung mit Christen

Die Begegnung mit überzeugten Christen in ihrem Freundeskreis und die in einem Zug "verschlungene" Biografie der heiligen Theresa von Avila lassen sie sich der katholischen Kirche zuwenden. Ihre Suche hat damit ein Ziel gefunden: Am Neujahrstag 1922 empfängt sie in Bergzabern das Sakrament der Taufe, einen Monat später in Speyer die Firmung. Dort, im Schatten des Kaiserdoms, nimmt sie eine Tätigkeit als Lehrerin an den Schulen der Dominikanerinnen von St. Magdalena auf.

1932 folgt sie einem Ruf des Deutschen Instituts für wissenschaftliche Pädagogik in Münster, wo sie allerdings schon im Februar 1933 ihre letzte Vorlesung hält. Inzwischen hat in Deutschland Hitler die Macht übernommen, und Juden dürfen nicht mehr lehren und unterrichten. Edith Stein nutzt diese für sie eigentlich bittere Entwicklung zu dem nunmehr endgültigen Schritt in die Totalhingabe an Gott durch Eintritt ins Kloster: Im Oktober 1933 tritt sie in Köln als Postulantin bei den Unbeschuhten Karmelitinnen ein, wo sie den Ordensnamen Teresa Benedicta a cruce wählt, die "vom Kreuz Gesegnete", was ihre Spiritualität, ihre besondere Nähe zum Kreuz andeutet.

Eingang zum Konzentrationslager Auschwitz mit dem Schild "Arbeit macht frei".
© scabam/Fotolia.com
Edith Stein starb am 9. August 1942 im Konzentrationslager Auschwitz.

Wache Beobachterin

Auch im Kloster setzt Edith Stein ihre wissenschaftliche Tätigkeit fort. Da sie aber auch mit wacher Aufmerksamkeit das politische Geschehen verfolgt, das sich draußen vor den schützenden Mauern des Karmels abspielt, bleibt sie sich der fortdauernden Gefährdung durch die immer schlimmer werdende Judenverfolgung bewusst. Nach dem landesweiten Judenpogrom vom 9. November 1938, der sogenannten Reichskristallnacht, beschließt sie, in dem Karmel von Echt, einem kleinen niederländischen Städtchen unweit der deutschen Grenze, Zuflucht zu suchen - nicht zuletzt, um ihre Kölner Mitschwestern nicht durch ihre Anwesenheit zu gefährden.

Als getaufte Jüdin hätte sie dort wahrscheinlich überleben können. Doch die Gestapo hatte den öffentlichen Protest der niederländischen Bischöfe gegen die Judenverfolgung durch die deutschen Besatzer zu einer Racheaktion genutzt und nun auch alle jüdischen Katholiken verhaftet und der Vernichtungsmaschinerie überantwortet: Am 2. August 1942 wird Edith Stein zusammen mit ihrer Schwester Rosa, die ebenfalls im Kloster Echt Zuflucht gefunden hatte, von zwei SS-Leuten abgeholt und über Westerbork nach Auschwitz gebracht. "Komm, wir gehen für unser Volk", waren die letzten Worte bei ihrer Festnahme in Echt.

Im Todeszug nach Auschwitz

Die für Viehtransporte gebauten fensterlosen, unbeheizten und zugigen Waggons des Todeszuges sind mit Gefangenen so vollgepfercht, dass bei der mehrtägigen Fahrt nicht einmal Platz zum Sitzen bleibt. Am 9. August trifft der Zug in Auschwitz-Birkenau, dem größten aller Nazi-Vernichtungslager, ein. Die Deportierten werden gleich nach Ankunft des Zuges an der Rampe durch ein Wäldchen zum sogenannten Weißen Haus geführt, einem ehemaligen kleinen Bauernhaus, das von der SS zur Gaskammer umgebaut wurde, wo sie mit dem Blausäureapparat Zyklon B qualvoll erstickt wurden - darunter Edith Stein. Aus ihrem Testament geht klar hervor, dass sie ihren Tod als Hingabe für das jüdische und das deutsche Volk, für Synagoge und Kirche, verstand.

Viele Jahrzehnte später, am 1. Oktober 1999, ruft der Papst sie zusammen mit Katharina von Siena und Birgitta von Schweden zur Patronin Europas aus. 2005 ist die Patronin des XX. Weltjugendtages in Köln. Ihr reiches wissenschaftliches und spirituelles Erbe verwaltet und pflegt die Edith-Stein-Gesellschaft Deutschland. Menschen aller Konfessionen schätzen ihre geistige Haltung, die sie selbst einmal auf die knappe Formel brachte: "Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht."

Von Helmut S. Ruppert (KNA)
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