"Blume des Feldes und Lilie der Täler"

Mariä Himmelfahrt am 15. August ist das älteste bekannte Marienfest
Einzelheiten über die Mutter Jesu sind außer in den Weihnachtsgeschichten des Lukas und Matthäus in der Bibel kaum zu finden. In den Paulusbriefen sucht man Maria vergeblich, in der Apostelgeschichte wird sie anlässlich der Himmelfahrt Jesu erwähnt. Dennoch pflegt die römisch-katholische Kirche eine tiefe Marienverehrung. Sie beginnt am 1. Januar mit dem Hochfest der Gottesmutter Maria, wird an allen folgenden Samstagen fortgesetzt und erreicht im Marienmonat Mai eines jeden Jahres ihren Höhepunkt. Auch der 15. August ist als der Tag "Mariä Himmelfahrt" für die römisch-katholischen Christen von besonderer Bedeutung.Das Fest Mariä Himmelfahrt, auch "Heimgang" genannt, stammt aus dem 5. Jahrhundert und ist das älteste bekannte Marienfest. Es gedenkt der unmittelbaren Aufnahme der Muttergottes nach ihrem Tod in den Himmel. Diese Himmelfahrt dient vielen als Erklärung, warum es weder ein Grab noch Reliquien Marias geben kann. Die Bezeichnung "Mutter Gottes" wird im Übrigen auf das Konzil von Ephesus im Jahr 431 zurückgeführt, das Maria erstmals die "Gottesgebärerin" nannte.
"Geheimnisvolle Heiligkeit"
Gerade die geringe Zahl biblischer Belege trug zur Ausweitung der Marienverehrung bei, weil die Gottesmutter von "geheimnisvoller Heiligkeit" umgeben schien. Die innige Vertrautheit mit Maria, die in allen Notlagen um Hilfe angerufen werden kann, wird mit recht unterschiedlichem volkskundlichem und religiösem Brauchtum verknüpft. "Büschelfrauentag" oder "Unser Frauen Würzweih" heißt der 15. August vor allem in ländlichen Gemeinden, denen Maria als "die Blume des Feldes und die Lilie der Täler" galt.
Gottesdienste mit Kräuterweihen lösten wohl im 9. Jahrhundert germanische Erntebräuche ab. Die Weihe sollte die von Maria ausgehenden heilsamen Einflüsse und Kräfte auf die Kräuter- und Würzbüschel übertragen. Besonders vor Klosterkirchen der Franziskaner und Kapuziner - deren Mönchen man im Mittelalter hohe Weihekraft zuschrieb - wurden zu Mariä Himmelfahrt körbeweise Heilkräuter geweiht. Bei der Weihe spielt die magische Zahl "drei", auch in gesteigerter Form der "neun", als Inbegriff des Mächtigen und Segensreichen eine besondere Rolle.
Schutz für Haus und Hof
Dreierlei, neunerlei Kräuter oder ein Vielfaches davon bindet man in Bayern und Österreich heute noch am Gedenktag Marias zu Sträußen; mancherorts dominiert auch die symbolische Siebenzahl. In der Festmesse werden Johanniskraut, Arnika, Baldrian, Tausendgüldenkraut, Frauenmantel oder Augentrost geweiht, nach Hause getragen und über der Tür oder im Herrgottswinkel aufgehängt, damit Haus und Hof geschützt sowie Mensch und Tier vor Krankheit bewahrt bleiben.
Für katholische Christen ist der Festtag Mariä Himmelfahrt der Auftakt für die anschließenden "30 Marientage", die als besonders segensreich gelten und mit "Mariä Namenstag" im September ihren Abschluss finden.
