Wohlfühloase Zwergenburg

Ein Tag in einer Katholischen Kindertagesstätte in Stolberg
Annabell und Nils fühlen sich in der Kindertagesstätte des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SKF) in Stolberg sichtlich wohl. Hier ist die Kinderkrippenwelt in Ordnung. Denn Leiterin Claudia Breuer und ihr Team kümmern sich mit viel Sachkenntnis und Liebe um ihre kleinen Schützlinge.Hier werden Kinder gefördert
„Zwergenburg“ steht in bunten Buchstaben an der Eingangstür. Schon morgens um sieben wird Claudia von Annabell, Jil, Maurice und Nils umringt. Ein letzter Kuss von den Mamas, und dann laufen und krabbeln die vier ein- bis zweijährigen Kleinen in ihren Gruppenraum. Allmählich trudeln auch die anderen Kinder ein. Die Atmosphäre in der Zwergenburg ist hell und freundlich. Wer Ausstattung und Spielzeug näher betrachtet, spürt, dass es die Bezeichnung „pädagogisch wertvoll“ nicht nur auf dem Papier gibt. „Das Spielen der Kinder ist für alle Entwicklungsbereiche – Motorik, Sprache oder später das logische Denken – wichtig“, erklärt Claudia Breuer. „Ausgesuchte Spielmaterialien und eine Umgebung, die neugierig macht, fördern deshalb schon die Kleinsten.“
Alles ist gut durchdacht
Auch in anderen Bereichen wurde an alles gedacht. Es gibt Ausweichräume, in die Kinder sich auch mal zum ruhigen Spiel oder einfach nur für ein kleines Nickerchen zurückziehen können. Die beiden Schlafräume mit den Kinderbettchen strahlen Gemütlichkeit aus. „Jedes Kind bringt von zu Hause sein Kuscheltier und bei Bedarf auch den Schnuller mit“, erzählt Claudia Breuer. Aber kommen die Kleinsten in einem Raum mit sechs Bettchen überhaupt zu ihrem Mittagsschlaf? „Natürlich schlafen nicht immer alle gleichzeitig ein“, erklärt die Leiterin. „Aber eine Erzieherin bleibt so lange im Schlafraum, bis alle eingeschlummert sind. Übers Babyfon hören wir jedes kleinste Geräusch und sind zur Stelle, wenn das erste Kind wach geworden ist.“ Das Essen für die „Zwerge“ wird von der Küche eines nahe gelegenen Seniorenheims geliefert. „Wir achten auf gesunde, abwechslungsreiche Kost“, sagt die Leiterin. „Mütter von Babys bringen Flaschennahrung und Gläschenkost von zu Hause mit.“
Alle Mütter sind allein erziehend
Die Kindertagesstätte Zwergenburg hat von montags bis freitags zehn Stunden durchgehend geöffnet – von 7 bis 17 Uhr. „Damit kommen wir den Müttern unserer Kinder entgegen“, sagt Claudia Breuer. „Denn die sind alle allein erziehend, ganztägig beschäftigt, stecken im Studium oder gehen noch zur Schule.“ In der Zwergenburg lassen insgesamt 30 allein erziehende Mütter ihre Kinder zwischen vier Monaten und sechs Jahren ganztägig betreuen.
Die Zwergenburg unterhält zwei Gruppen à 15 Kinder. Jede Gruppe besteht etwa zur Hälfte aus Babys und Kleinkindern und zur Hälfte aus Drei- bis Sechsjährigen. Zwei Erzieherinnen und eine Kinderpflegerin kümmern sich dabei um jeweils 15 Kinder. „Damit haben wir einen Betreuungsschlüssel von 5:1. Und das ist in Deutschland fast schon eine Ausnahme“, erzählt die Leiterin. Dass sie mit ihrem Konzept bereits seit 1992 gute Erfahrungen gesammelt hat, scheint die am wenigsten zu interessieren, die bei diesem Thema eigentlich hellhörig werden müssten. „Wir haben unserem Minister für Generationen, Familien, Frauen und Integration vor langer Zeit geschrieben und warten immer noch auf eine Antwort“, macht Claudia Breuer ihrem Unmut Luft. Dieser ist durchaus verständlich. Denn mit der Einführung des neuen Kinderbildungsgesetzes (KIBIz) am 1. August 2008 hat sich die personelle Situation in der Zwergenburg verschlechtert. Die Leiterin ist nicht mehr wie bisher freigestellt, sondern muss 50 Prozent Gruppenarbeit leisten. Von den drei Mitarbeiterinnen pro Gruppe, die bisher eine 100-Prozent-Stelle hatten, musste eine auf 25 Prozent Arbeitszeit und damit Gehalt verzichten. „Dieses Los trifft nicht nur uns, sondern viele kleine Einrichtungen, die aufgrund der neuen Pro-Kopf-Pauschale weniger Zuschüsse bekommen“, erklärt Claudia Breuer.
Bald eine Tagesmutter in der Kita
Die Auswirkungen von KIBIz bekommen nicht nur das Kita-Team, sondern auch die berufstätigen Mütter zu spüren. Denn die müssen ihre Kinder nun immer bis spätestens 16 Uhr abholen. „Wir mussten aufgrund unserer schlechteren finanziellen Situation auf eine Arbeitsstunde pro Tag verzichten“, erklärt Claudia Breuer. „Manche Mütter haben nun aufgrund ihrer Arbeitszeit Probleme“, sagt Claudia Breuer. Doch die rührige Leiterin sucht nach einer praktikablen Lösung. Und die soll demnächst durch die Integration einer Tagesmutter in der Zwergenburg umgesetzt werden. „Wir profitieren vom SKF, der hier in Stolberg in der Katholischen Familienbildungsstätte „Helene-Weber-Haus“ Tagesmütter ausbilden und qualifizieren lässt und der sie dann auch vermittelt“, erklärt sie.
Doch ein weiterer Wermutstropfen sorgt schon jetzt für Unsicherheit unter den beiden Kinderpflegerinnen der Zwergenburg. „Das KIBIz sieht vor, dass bis zum Jahr 2012 alle Kinderpflegerinnen eine Ausbildung zur Erzieherin absolviert oder begonnen haben müssen“, sagt Claudia Breuer. Über diese Neuregelung schüttelt sie verständnislos den Kopf. „Kinderpflegerinnen wurden bisher schwerpunktmäßig für den Umgang mit unter Dreijährigen ausgebildet. Dies war ein guter Ansatz, von dem wir in der Zwergenburg und auch andere Einrichtungen mehr als profitiert haben. Und nun soll ein Beruf, der sich bisher in der Praxis bewährt hat, aussterben?!“
Rundum-Service für Mütter und Kinder
Die Zwergenburg strebt die Anerkennung als Familienzentrum an, obwohl die Einrichtung längst zum beliebten Treffpunkt auch für die Mütter geworden ist. „Wir bieten regelmäßig Elterncafé mit Gesprächen an. Elternabende zu verschienen Themen und Kurse können die Frauen mit oder ohne Kinder im nahe gelegenen Helene-Weber-Haus besuchen. Und der SKF leistet Unterstützung und Hilfe bei Erziehungsfragen, finanziellen Problemen, Arbeitslosigkeit, Partnerschaftskonflikten und vielem mehr.“ Hier bekommen nicht nur die Kinder, sondern auch deren Mütter einen Rundum-Service, der nur möglich ist, weil es zwischen Kita, Träger und Bildungsstätte so gut läuft und man so wichtige Synergien nutzen kann.











