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Bernhard von Clairvaux  Seite drucken

Mönch, Mystiker und mächtiger Mann

Bernhard von Clairvaux
© Zisterzienserabtei Zirc
Bernhard von Clairvaux

Nach dem heiligen Bernhard von Clairvaux wurde ein ganzes Zeitalter benannt

Rastlos ist er unterwegs im Namen des Herrn, oftmals reist er kreuz und quer über den ganzen europäischen Kontinent: ein unermüdlicher Arbeiter im Weinberg seines Herrn, der sich einsetzt und seine Stimme bei Kaisern, Königen und Kirchenmännern erhebt. Und er wird gehört: Bernhard von Clairvaux ist Mönch, Mystiker und einer der mächtigsten Männer seiner Zeit. Einer ganzen Epoche hat er seinen Namen verliehen: das 12. Jahrhundert ist das bernhardinische Zeitalter.

Als der adlige Bernhard von Clairvaux 1090 geboren wird, stehen ihm zunächst alle Wege des Lebens offen. Bernhard ist intelligent und macht mit seinen rot-blonden Locken auch äußerlich etwas her. Seine Eltern sorgen dafür, dass er eine sehr gute klassische Schulbildung erhält. Er hätte nun wie sein Vater Tescelin Ritter in Diensten des Herzogs von Burgund werden können.

Keine weltliche Karriere

Aber der Sinn steht ihm nicht nach einer weltlichen Karriere. Schon als Junge träumt er davon sich ins Kloster zurückzuziehen und sein Leben bei stillem Gebet und Feldarbeit zu verbringen. Doch aus dem stillen Leben wird es trotz des Klostereintritts nichts, wie Bernhard selbst am Lebensende eingesteht.

Initiale D,
© Stift Heiligenkreuz
Mönche beim Fischfang.

Bereits mit Anfang zwanzig muss Bernhard eine so überzeugende Ausstrahlung gehabt haben, dass er 30 Gefährten, darunter seine fünf Brüder überreden konnte, gemeinsam in ein Kloster einzutreten. Ein abenteuerlicher Plan: Das 1098 gegründete Reformkloster Citeaux in Burgund, das erste  Zisterzienserkloster, drohte zu dieser Zeit bereits an seinen strengen Regeln zugrunde zu gehen.

Doch mit Bernhard kommt neuer Schwung in die Ordensgemeinschaft. 1115,  zwei Jahre nach seinem Eintritt, sendet ihn Abt Stephan mit zwölf weiteren Mönchen aus, um ein neues Kloster aufzubauen: in der Champagne etwa 100 Kilometer nördlich von Dijon finden die Mönche in einem unwirtliche Tal ihren Siedlungsplatz, an dem fortan eine der bedeutendsten Zisterzienserabteien erblüht: Clairvaux, lateinisch "clara vallis", das lichte Tal. Diese Abtei bleibt unwiderruflich mit Bernhards Namen verbunden.

"Zweiter Gründer" des Zisterzienserordens

Unter der Führung Bernhards entwickelt sich die Abtei zu einem der bedeutendsten Klöster des noch jungen Zisterzienserordens. Und zieht Novizen in Scharen an, so dass fast jedes Jahr zwei neue Tochterklöster vom Mutterkloster Clairvaux aus errichtet werden. Zu Recht gilt Bernhard als "zweiter Gründer" des Ordens.

Bernhard von Clairvaux und Maria
© St. Thomas an der Kyll
Bernhard von Clairvaux als Marienverehrer (Altar in St. Thomas an der Kyll).

Im Lauf seines Lebens gründete Bernhard 68 Klöster, davon auch zwei in Deutschland: Eberbach im Rheingau und 1134 das Kloster Himmerod in der Eifel, das bis heute als einzige  Bernhardsgründung im Zisterzienserorden noch existiert. Bis zu Bernhards Tod entstehen vom Baltikum bis Portugal, vom Polarkreis bis Syrien 343 neue Zisterzienserklöster. Durch sein kirchenpolitisches Wirken hatte Bernhard seinem Orden den Boden für ganz Europa bereitet. Er setzte sich nicht nur für die Ausbreitung seiner Klöster ein, sondern betätigte sich auch kirchen- und weltpolitisch.

So schlichtet er in einer acht Jahre andauernden Auseinandersetzung zwischen zwei rivalisierenden Päpsten und sorgt dafür, dass der rechtmäßige Papst Innozenz II. wieder als einziger anerkannt wird. Doch Bernhards diplomatisches Geschick und seine Redekunst haben auch negative Seiten: Er schmiedet Weihnachten 1146 in Speyer eine Allianz des deutschen Königs Konrad III. und seines Gegenspielers Welf VI., damit beide ihre Teilnahme am zweiten Kreuzzuges (1147-1149) erklären.

Begeisterung für Kreuzzüge

Mit seinen Predigten entfacht Bernhard in ganz Europa einen Sturm der Begeisterung für die Kreuzzüge. Als nach der Niederlage der Kreuzfahrer Bernhard in die Kritik gerät, versucht er sich vom Fiasko des zweiten Kreuzzuges zu distanzieren. Seine Lebenskräfte sind nun nahezu aufgezehrt. Das Ideal seiner Jugend hat er praktisch aufgegeben; er, der beschauliche Mönch, lebt fast ständig außerhalb des Klosters.

Den Zwiespalt empfindet er deutlich und bezeichnet sich selbst als "Chimäre des Jahrhunderts" – ein Mischwesen aus Löwe, Ziege und Schlange. Und so, sagt er weiter,  "verhalte ich mich weder wie ein Kleriker noch wie ein Laie. Das Leben eines Mönchs habe ich schon lange abgelegt, (nur) nicht die mönchische Kleidung". Am 20. August 1153 stirbt Bernhard 63-jährig im Kreis von etwa 200 Mönchen in Clairvaux.

Von Markus Schüppen
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