Rahel und Lea

Wir entdecken die Bibel: Das Buch Genesis
Jakob konnte es kaum erwarten, seine geliebte Rahel zu heiraten. Sieben Jahre lang hatte er Tag für Tag hart für seinen Onkel Laban gearbeitet. Nun musste dieser sein Versprechen einlösen, seinem Neffen die jüngste Tochter zur Frau zu geben. Das Hochzeitsfest wurde ausgerichtet, und nach Einbruch der Nacht brachte Laban seine Tochter zu Jakob. Doch im Morgengrauen entdeckte Jakob, dass sein Onkel ihn betrogen hatte. Denn neben ihm lag nicht Rahel, sondern deren ältere Schwester Lea.Auf den Onkel hereingefallen
Entsetzt lief Jakob zu seinem Onkel Laban und beklagte sich über dessen gemeinen Betrug. Doch Laban entgegnete: „Es ist bei uns Brauch, die älteste Tochter zuerst zu verheiraten. Und es wäre Lea gegenüber ungerecht gewesen, dir Rahel zur Frau zu geben.“ Er machte Jakob ein Angebot: „Wenn du bereit bist, Lea als deine Frau zu akzeptieren, darfst du nach der Hochzeitsfeier auch noch Rahel heiraten – aber nur, wenn du noch sieben weitere Jahre für mich arbeitest.“ Damals war es üblich, dass ein Mann mehrere Frauen hatte.
Eifersüchtige Schwestern
Jakob erklärte sich dazu bereit. So sehr liebte er Rahel. Bald war Jakob mit beiden Schwestern verheiratet. Und auch deren Dienerinnen wurden seine Frauen. So entsprach es damals den Sitten. Jakob wurde bald Vater vieler Söhne. Nur Rahel, die Frau, die er am meisten liebte, bekam keine Kinder. Die Eifersucht unter den beiden Schwestern wurde immer größer. Rahel beneidete Lea, weil sie viele Söhne hatte. Und Lea war unglücklich, weil Jakob nur Rahel liebte.
Jakobs Herde wurde immer größer
Doch endlich bekam auch Rahel einen Sohn. Die Eltern nannten ihn Josef. Jakob beschloss, seinen Onkel Laban zu verlassen. Doch die Herden waren so groß, dass Laban sie unmöglich allein hüten konnte. Er bot Jakob einen guten Lohn an und überredete ihn zu bleiben. Jakob willigte unter einer Bedingung ein: Laban sollte ihm alle schwarzen Lämmer und alle gesprenkelten Ziegen überlassen. Damit war Laban sofort einverstanden. Denn es gab in seiner Herde nur wenige dieser Tiere. Doch dann wurden immer mehr schwarze Lämmer und gesprenkelte Ziegen geboren. Das ärgerte Laban, und er versuchte Jakob zu betrügen. Aber das gelang ihm nicht. Denn Gott war auf Jakobs Seite.
Aufbruch nach Kanaan
Jakob hatte nicht nur Laban zu großem Reichtum verholfen. Er war nun selbst ein wohlhabender Mann und Besitzer vieler Herden. Eines Tages befahl Gott dem Jakob, mit seinen Frauen, Kindern und Tieren in seine Heimat Kanaan zurückzukehren. Am nächsten Tag war Laban nicht da. Da machte Jakob sich mit seiner Familie und seinen Herden auf die weite Reise in seine Heimat.
Kurz erklärt
Liebe Kinder,
so passiert es oft im Leben: Jemand, der einen anderen betrügt, geht irgendwann einmal einem gemeinen Betrüger auf den Leim und ist nun selber ein Betrogener. Genau so ist es Jakob ergangen. Er, der seinen älteren Zwillingsbruder Esau um dessen Erstgeburtsrecht betrogen hatte, fällt auf einen Trick seines Onkels Laban herein. Der gibt ihm nämlich heimlich seine älteste Tochter Lea zur Frau – und nicht, wie versprochen, Rahel. Und dann erpresst er seinen Neffen auch noch. Laban ist bereit, auch seine jüngere Tochter Rahel mit Jakob zu verheiraten, wenn dieser sieben weitere Jahre für ihn arbeitet. Ganz schön raffiniert! Aber Jakob liebt Rahel so sehr, dass er sich auf den Handel einlässt.
Lea fühlt sich wie ein Mauerblümchen
Doch wie bei fast allen Geschwistern kommt es auch zwischen Rahel und Lea zu Eifersucht und Neid. Rahel beneidet Lea, weil sie viele Kinder bekommt. Lea ist eifersüchtig, weil Jakob nur Augen für ihre jüngere Schwester hat. Sie fühlt sich zurückgesetzt. Und unschöne Erinnerungen an die Kindheit kommen in ihr hoch: Rahel, die niedliche kleine Schwester, wurde von allen bewundert und stand immer im Mittelpunkt. Wenn Lea daran denkt und Jakob ihrer Schwester dann auch noch schöne Augen macht, könnte sie vor Wut platzen. Denn Lea, die nicht so hübsch und lebhaft ist wie Rahel, spielt in der Familie immer die zweite Geige. Und jetzt ist es kaum noch auszuhalten. Jakob hat nur Augen für Rahel. Und Lea fühlt sich wie ein Mauerblümchen, das niemand beachtet. Manchmal hasst sie Rahel dafür.
Wenn die Schwester bevorzugt wird...
Bestimmt könnt ihr euch gut in Lea hinein versetzen. Wer Geschwister hat, erlebt solche Situationen – wenn auch nicht so tragisch wie in der Geschichte von Rahel und Lea. Immer mal fühlt sich ein Kind zurückgesetzt und glaubt, seine Schwester oder sein Bruder würden bevorzugt. Hier nur zwei Beispiele: „Es ist doch nicht schlimm, wenn dein Brüderchen dein Lego-Haus abgebaut hat. Der Kleine weiß ja noch nicht, dass er das nicht darf. Stell dich nicht so an, und bau das Haus einfach neu auf!“ Oder: „Nimm dir ein Beispiel an deiner Schwester. Sie ist viel jünger und kann ihren Text für den Kindergottesdienst schon lange auswendig.“ Bestimmt fallen euch noch weitere Beispiele ein.
Neue gemeinsame Wege gehen
Aber dann wendet sich das Blatt. Rahel und Lea kommen sich wieder näher. Ihnen geht ein Licht auf. Sie erkennen, dass der Vater ihnen übel mitgespielt hat. Denn er hatte einfach über ihre Köpfe hinweg entschieden. Und er hat Jakob und sie beide für seinen eigenen Vorteil ausgenutzt und missbraucht. Der gemeinsame Ärger über den Vater lässt die Schwestern zusammenhalten. Das hilft ihnen, ihre Rivalität zu überwinden. Und sie erfahren zum guten Schluss auf der langen und beschwerlichen Reise ins Land Kanaan: Solidarität macht stark und hilft, Vergangenes hinter sich zu lassen und neue gemeinsame Wege zu gehen.
Von Margret Nußbaum
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