"Lobt Gott, ihr, seine Engel, ihr starken Helden"

Die Erzengel sind Boten Gottes und treue Begleiter der Menschen
Die geflügelten Himmelsboten sind heutzutage oft zum kitschigen Klischee verkommen. Ob aus Schokolade, Plastik, Pappe oder Holz, mit Schneegestöber oder zum Aufschrauben: Nippesfiguren von Engelwesen findet man an jeder Ecke. Und doch: Wenn wir jemanden einen Engel nennen oder ihm eine Engelsfigur schenken, verbinden wir damit die Botschaft von wirkmächtigen Helfern im Dienste der guten Sache.Die drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael gelten als Wesen, die diesem Lichtglanz Gottes am nächsten stehen - und das schon seit biblischen Zeiten. Die Bibel beschreibt Erzengel als Männer, die sich als Boten Gottes und als treue Begleiter der Menschen erweisen. In ihren Namen Michael, Gabriel und Raphael klingt ihr Wesen mit, das sich durch die enge Gemeinschaft mit Gott und seinem Dienst auszeichnet. Die Endsilbe "-el" zeigt diese feste Verbindung auf: Gabriel heißt, "Gott ist Kraft!", Michael bedeutet "Wer ist wie Gott?" und Rafael "Gott heilt!".
Die mittelalterliche Kunst zeigt die Erzengel - allen voran Michael - oft als Kämpfer und Ritter. Albrecht Dürer etwa hat den heiligen Michael 1498 in einem Holzschnitt dargestellt: Er schlägt mit dem Schwert auf Könige und Mächtige ein, die ihrer Aufgabe aus Eigensucht nicht gerecht geworden sind.
Kampf gegen den "gefallenen Engel"
Tatsächlich ist Michael der höchste Erzengel, der sich in einem letzten Kampf dem "Gefallenen Engel" Luzifer stellt. Indem er ihm, dem Teufel, sieben Köpfe abschlägt, rettet er die Menschheit vor dem Untergang.
Die beiden anderen Erzengel stehen für friedlichere Aufgaben: Gabriel bringt Maria die Frohe Botschaft, dass sie Jesus, den Sohn Gottes zur Welt bringen soll. Raphael ist eng mit der biblischen Geschichte des Tobias verbunden, dem er half seine Frau Sarah zu finden und seinen blinden Vater zu heilen.
Die Namen zweier Erzengels zählen bis heute zu den beliebtesten Vornamen in Deutschland: Raphael und Michael. Und nicht nur deshalb steht letzterer in einem ganz besonderen Verhältnis zu den Deutschen: Ludwig der Fromme (813-840), Sohn Karls des Großen, legte seinerzeit den Gedächtnistag für Michael (29. September) auf den Tag der alten germanischen Schutzgottheit Wotan. Der Erzengel wurde somit zum Patron, zum Schutzherrn des Deutschen Volkes.
"Michaelsempfang" in Berlin
Nicht ohne Grund lädt deshalb auch die Deutsche Bischofskonferenz alljährlich in Berlin um diesen Festtag Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft zu einem "Michaelsempfang".
Auch im Brauchtum spielte der Michaelistag Jahrhunderte lang eine große Rolle. Etwa als Vorbereitung auf die lichtärmeren Jahreszeiten. Die alte Redewendung "Der Michel zündt's Licht an" weist darauf hin, dass früher ab dem Michaelistag bei Kunstlicht gearbeitet wurde und zwar bis zu "Mariä Lichtmess" am 2. Februar.
Mit dem Gedenktag sind auch Wetterregeln verbunden, etwa "Regnet's sanft am Micheltag, folgt ein milder Winter nach". Und Gärtner pflegten den Merkspruch: "Ein Baum gepflanzt Sankt Michael, der wächst von Stund' an auf Befehl. Ein Baum, gepflanzt an Lichtmess erst, sieh' zu, wie du den wachsen lehrst".
