"Tendenz zur Kirchturmpolitik"

ZdK-Präsident Meyer hielt Festvortrag zu 40 Jahre Pfarrgemeinderäte
Eichstätt - Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, hat bei einem Festvortrag in Eichstätt vor einer "Tendenz zur Kirchturmpolitik" gewarnt. Anlass des Vortrags war das 40-jährige Bestehen der Pfarrgemeinderäte, das in Eichstätt mit einem Diözesantag gefeiert wurde. 1968 wurden erstmals im Bistum Eichstätt wie im gesamten Bundesgebiet die Pfarrgemeinderäte gewählt. Derzeit arbeiten weit über 3000 Frauen und Männer aktiv in Pfarrgemeinderäten, Dekanatsräten und im Diözesanrat der Katholiken des Bistums Eichstätt mit."Die Pfarrgemeinderäte im Bistum Eichstätt und überall in Deutschland haben die Veränderungen mitgetragen und mitgestaltet, die notwendig wurden, damit die Kirche in unserem Land weiterhin ihren Dienst tun kann", hob Meyer in seiner Rede hervor. Die Verbindung der katholischen Christen mit ihrer Kirche und ihre Teilnahme am kirchlichen Leben sei zugleich die Quelle für das eigentliche Feld des Laienapostolats, nämlich dem Zeugnis in der Welt.
Zugleich warnte Meyer vor einem Kreisen nur um den eigenen Kirchturm. Er beobachte eine "im Andrang der täglichen Arbeit ja auch durchaus nachvollziehbare Neigung, die Kirche einzuteilen in die eigene Gemeinde einerseits und den Rest von Kirche und Welt andererseits". Natürlich müsse das Leben in der eigenen Gemeinde der Schwerpunkt der Arbeit sein. Längerfristig könne jedoch keine Gemeinde für sich allein die Frohe Botschaft weiter tragen. "Wir vergeben Chancen und Möglichkeiten, wenn wir meinen, wir können uns auf unsere eigene Gemeinde beschränken und uns dort selbst genug sein".
Kritik übte der Redner in diesem Zusammenhang an der mangelnden Präsenz des Bistums Eichstätt beim Katholikentag in Osnabrück. Es sei zu fragen, was die Pfarrgemeinderäte des Bistums zum Gelingen des 97. Deutschen Katholikentages beigetragen haben, sagte Meyer und verwies auf die vergleichsweise geringe Teilnehmerzahl aus dem Bistum Eichstätt.
Generell sei die Teilnahme der bayerischen Katholiken an Katholikentagen seit vielen Jahrzehnten "notorisch schlecht". Er hoffe zumindest, dass "unsere evangelischen Geschwister für den Ökumenischen Kirchentag 2010 in München nicht allein die Verantwortung tragen müssen", fügte der ZdK-Präsident hinzu.
Wer am Wert der kirchlichen Laienräte festhält und sich für deren Arbeit engagiert, lebe gegen den vorherrschenden Zeitgeist, stellte Meyer in seinem Vortrag fest. Die Gesellschaft werde weithin bestimmt vom Geist des Individualismus. Gravierend komme hinzu, dass es auch reichlich viele kirchliche Äußerungen und Handlungen gebe, die von wenig Respekt vor der Arbeit der Räte zeugen.
"Solche Erfahrungen demotivieren und desorientieren. Und sie machen es schwer, den Kurs der Mitte zu halten zwischen kritischem Misstrauen gegen das kirchliche Amt und naiv bewundernder Hinnahme von allem und jedem, was da von oben kommt."
Meyer sprach sich dafür aus, insbesondere junge Menschen in die Verantwortung der kirchlichen Rätearbeit verstärkt hineinzunehmen. Nicht zuletzt seien die Räte eine besondere Chance für die Frauen, "ihre Lebensklugheit und ihre Begabungen für das Leben der Kirche fruchtbar zu machen".









