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Warum lasst ihr euch scheiden, Mama?!

Eltern streiten, Kind schaut traurig
© Tatyana Gladskih/Fotolia.com
Nicht nur für die Eltern kann eine Trennung schwer sein, auch Kinder leiden darunter massiv.

Viele Kinder verstehen oft nicht, warum sich ihre Eltern trennen wollen

Wenn eine Ehe zerbricht, leiden vor allem die Kinder. Für sie bricht eine Welt zusammen. Nichts ist, wie es einmal war. Je jünger die Kleinen sind, desto weniger verstehen sie, warum Mama und Papa sich nicht mehr lieb haben. Deshalb ist es wichtig, sie auf die Trennung und die anstehenden Veränderungen behutsam und gut vorzubereiten.

Manchmal ist eine Trennung besser

Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde Scheidungskindern eine düstere Zukunft prognostiziert – mit Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungs- und Lernstörungen. "Dies ist so nicht mehr aufrecht zu erhalten", sagt der Diplom-Psychologe Helmut Schmidt, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle für Erziehungs- Jugend- und Familienberatung der Katholischen Jugendfürsorge in Neu-Ulm. "Es kommt darauf an, wie Eltern mit ihrem Kind in der Phase der Trennung reden und mit ihm umgehen. Psychisch instabil werden Kinder allenfalls durch lange Belastungszeiten in der Familie. Mit ständigem Elternstreit können die Kleinen weniger umgehen als mit einem klaren Trennungsstrich."

Kinder fühlen sich oft schuldig

Helmut Schmidt warnt davor, kleine Kinder zu unterschätzen. "Sie bekommen mehr mit, als Eltern oft glauben", weiß er. "Ein Kind spürt, wenn Mutter und Vater nur noch das Nötigste miteinander reden. Es sieht Mamas verweinte Augen oder Papas versteinerte Mine. Und es sucht Antworten auf die Frage, woran es wohl liegen mag. Kommt es dann zur Trennung der Eltern, fühlen sich Kinder nicht selten schuldig, etwa: 'Bestimmt geht der Papa fort, weil ich gestern nicht aufgeräumt habe.'"

Eltern sollten ihren Kindern erklären, dass sie zurzeit viel streiten und dass es ihnen schwer fällt, gut miteinander umzugehen. Sie sollten ihnen versichern, dass sie nicht schuld daran sind. Die Kleinen müssen darüber hinaus wissen, wie es für sie weitergeht. Dass sie etwa bei der Mama wohnen bleiben und den Papa regelmäßig besuchen werden. "Wir bieten Eltern gemeinsame Gespräche mit den Kindern in unserer Beratungsstelle an. Und wir arbeiten eng mit der Psychologischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen in Ulm zusammen", sagt Helmut Schmidt.

Er weiß, dass vor allem kleine Kinder oft ganz elementare Dinge wissen möchten, etwa ob sie auch noch zu Oma und Opa dürfen, wo der Papa nun leben wird, wo er isst und wo er schläft. "Wichtig sind hier klare Aussagen und Absprachen", rät er.

Das Kind nicht zum Verbündeten machen

"Trotz aller negativen Erfahrungen sollten Eltern nach der Trennung respektvoll miteinander umgehen und sich gegenseitig als Mutter und Vater ihres Kindes achten", sagt Helmut Schmidt. "Wichtig ist auch, das Kind nicht in die Gefühlswelt der Eltern hineinzuziehen. Damit ist es überfordert. Und es tut ihm nicht gut. Denn ein Kind braucht die Liebe und Anerkennung beider. Wenn Mutter oder Vater versuchen, das Kind zu ihrem Verbündeten zu machen, gerät es in einen starken Loyalitätskonflikt. Denn es hat ja beide lieb. In solchen Fällen kann es zu Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung kommen."

Regelmäßigkeit gibt Halt

Wenn das Kartenhaus heile Familie zusammenbricht, sind für Kinder vor allem verlässliche Strukturen wichtig. "Mutter und Vater sollten deshalb klare Absprachen treffen, zum Beispiel: Das Kind geht alle vierzehn Tage von Freitagmittag bis Sonntagabend zum Papa. Der Papa ruft jeden Mittwoch um 18 Uhr an. Die Ferien verbringt das Kind je zur Hälfte bei der Mama und beim Papa", rät Helmut Schmidt. Das Gleiche gilt für Feiertage wie Weihnachten und Ostern.

"Eine solche Regelmäßigkeit gibt Kindern Halt und Geborgenheit", sagt der Psychologe. "Und die brauchen sie in einer Trennungssituation der Eltern besonders. Wichtig ist auch, dass beide Elternteile sich in  Erziehungsfragen einig sind, damit das Kind Mutter und Vater als kooperierendes und auch über die Trennung hinaus gut funktionierendes Elternpaar erlebt."

Auch wenn es Eltern anfangs schwer fallen mag, die Sorge für ihre Kinder partnerschaftlich zu regeln: "Nach einer notwendigen Phase der Distanz finden Eltern hier oft zu einem guten Konsens", weiß Helmut Schmidt. Wichtig ist auch das gute Vorbild der Eltern beim Verarbeiten einer solchen Krise. "Sie sollten sich nicht passiv in ihr Schicksal ergeben, sondern einen Neubeginn wagen und ihr Leben aktiv gestalten. Denn das macht Kinder stark", sagt Helmut Schmidt.

Informationen über Erziehungsberatungsstellen in Ihrer Nähe erhalten Sie bei der Bundeskonferenz für Erziehung.

Von Margret Nußbaum
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