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Scheidungskinder stark machen für den Alltag

Zwei Jungen ringen mit einander im Streit
© KNA-Bild
Die Kinder genießen es, wenn sie spüren, dass es auch andere Kinder mit getrennten Eltern gibt.

Ein bayerisches Familienprojekt hilft Kindern aus Trennungsfamilien

Die Kindergruppe "Trennung – Scheidung" ist ein gemeinsames Projekt der Nürnberger Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen der Erzdiözese Bamberg und des Caritasverbandes Nürnberg. Richard Sporrer, Familientherapeut der Lebensberatung und die Familientherapeutin Gerlinde Kern-Sekatzek vom Caritasverband helfen gemeinsam Trennungskindern.

Belastendes zum Ausdruck bringen

Dienstag, 15 Uhr: Vier Mädchen und zwei Jungen im Alter von acht bis zehn Jahren stürmen in den Gruppenraum. Sie werden herzlich von Gerlinde Kern-Sekatzek und Richard Sporrer begrüßt. Und dann wird erzählt: Wie war die Woche? Was gab es Schönes oder auch Belastendes? ´"Kinder machen dabei die Erfahrung: Es gibt neben mir noch andere in der gleichen Situation. Das bringt Erleichterung", sagt Gerlinde Kern-Sekatzek.

Vertieft wird das Erlebte durch Rollenspiele, Filme, Geschichten, Malen und Basteln. "Wir ermuntern die Kinder dazu, ihre Gefühle – auch unangenehme und belastende – zum Ausdruck zu bringen", erklärt sie. "Die Rollenspiele werden auf Video aufgezeichnet. Beim späteren Anschauen der Filme können die Kinder aus dem Abstand heraus ihr eigenes Verhalten besser reflektieren und gemeinsam mit den anderen Gruppenkindern nach Lösungen suchen." Wichtig ist den Gruppenleitern dabei die Schweigepflicht gegenüber den Eltern. "Die Kinder sollen die Möglichkeit haben, offen über ihre Sorgen und Nöte zu sprechen", sagt die Familientherapeutin.

Zuwendung ist wichtig

Während der Pause versorgen Gerlinde Kern-Sekatzek und Richard Sporrer die Kinder mit Getränken und einem Imbiss. "Diese Form der Versorgung und Zuwendung ist für Kinder in einer solchen Situation wichtig", sagt Richard Sporrer. "Denn ihre Bedürfnisse finden oft wenig Beachtung, weil die Eltern in der Trennungssituation zu sehr mit sich und den eigenen Problemen beschäftigt sind."

Probleme gemeinsam meistern

Begleitend zur Kindergruppe laden die Gruppenleiter zu zwei Elternabenden ein. "Für das Kind ist wichtig, dass beide Elternteile weiterhin verlässlich und verantwortungsvoll zusammenarbeiten", sagt Richard Sporrer. "Auch nach Abschluss der Kindergruppe finden häufig weitere Elterngespräche und Familienkonferenzen statt." Erfreulich ist für Richard Sporrer und seine Kollegin, wie Kinder im Laufe der zwölf Sitzungen regelrecht aufblühen.

"Die Erfahrung der gemeinsamen Unterstützung durch die Gruppe macht stark", weiß Richard Sporrer. "Die Kinder lernen dabei, dass man auch schwierige Lebenssituationen erfolgreich meistern kann. Viele Situationen lassen sich zwar in der Realität nicht verändern. Die innere, veränderte Einstellung jedoch ermöglicht es, dass die Kinder nach ihrem Gruppenangebot besser in ihrem Alltag zurechtkommen, einen besseren Stand verspüren und sich wieder handlungsfähig fühlen."

Buchtipp

Wolfgang Jaede: Was Scheidungskindern Schutz gibt. 8,90 Euro, Herder Verlag

Der Erziehungsberater und Kinderpsychotherapeut hilft Eltern, die innere Kraft ihres Kindes zu stärken. Denn auch Kinder können lernen, Optimismus zu bewahren – die Überzeugung, dass sich die Dinge irgendwie zum Guten wenden werden.

Von Margret Nußbaum
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