Symbole des ewigen Lebens

Gestecke und Grablichter zum Allerheiligenfest vermitteln eine wichtige Botschaft
Auf den Friedhöfen trifft man schon in den Tagen vor Allerheiligen viele Menschen, die die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen schmücken. Der über den Sommer verblühte Grabschmuck wird entfernt, Gestecke und winterharte Pflanzen zieren nun die Grabstelle. Für viele bedeutet Grabpflege auch Trauerbewältigung. Dieses trostreiche Tun ist Menschen seit jeher ein Anliegen. Aufzeichnungen belegen, dass schon die alten Griechen "Kränze aus Rosmarin, Lorbeer und Olivenzweigen auf das Herz des Verstorbenen legten, um ihre Verbundenheit und Ehrfurcht vor ihm zu zeigen".
Unendliches Seelenleben und Erlösung von Schmerzen
In Gestecke eingearbeitete Lilien symbolisieren Reinheit und Unschuld, Rosen die Liebe und Efeu die Treue, Verbundenheit sowie die christliche Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Kränze versinnbildlichen das unendliche Seelenleben oder die Kreuzform eines Gestecks die Erlösung von Schmerzen.
Einen tiefgründigen Schmuck stellen die zu den Festtagen entzündeten, oft in künstlerisch gestalteten Behältnissen stehenden, roten Grablichter dar. Sie verkörpern das "ewige Licht" und die liebevolle Erinnerung an die auf Auferstehung hoffenden Toten. Wer in der Dunkelheit dieser Besinnungstage im November die Friedhöfe betritt, wird vom Flackern der vielen Laternchen beeindruckt sein und berührt werden.
Das Hochfest "Allerheiligen" hat wohl seinen Ursprung im Märtyrergedenken im Syrien und Griechenland des 4. Jahrhunderts. Es galt einst als "Gedächtnisfest" der Umwandlung des römischen Pantheons in die christliche Kirche "Sancta Maria ad martyres". Um 610 hatte Papst Bonifaz das Fest auf den 13. Mai festgelegt; unter Gregor III. und Gregor IV. bezog man fortan sämtliche Heiligen in das Gedenken am ersten Tag des Novembers ein. In der ganzen Kirche und auch in Rom breitete sich Allerheiligen bald aus.
Tote auf Allerseelenurlaub
"Allerseelen" am darauffolgenden Tag erinnert die Gläubigen ähnlich wie die fallenden Blätter an den Tod und an die Armen Seelen, die zur heiligen Kirche, zur Gemeinschaft der Kirche Gottes gehören und eine Einheit mit ihnen bilden. Im Volksglauben waren die Toten am zweiten Novembertag auf "Allerseelenurlaub" in ihrer Heimat und bedurften des besonderen Gedenkens der auf der Erde Weilenden, deren feste Bahnen geprägt sind vom Kommen, Gehen und Abschiednehmen. An diesem Feiertag verzehrte man symbolreiche Gebildebrote und aus Teig geflochtene Hefezöpfe, die an frühere Haaropfer erinnerten. Sie sind auf den Glauben zurückzuführen, dass "das Haar der Sitz der Seele" sei.
In der Neuzeit bildeten sich, bedingt vor allem durch die Kriegsopfer beider Weltkriege, besondere Gedenktage im November heraus. Sie rufen die Christen beider Konfessionen am Volkstrauertag und am Buß- und Bettag zum Gedenken an die Toten auf. In den protestantischen Regionen Deutschlands wird am Totensonntag besonders der Verstorbenen gedacht. Dieses Gedenken geht zurück auf die Zeit der Reformation, nach der die Protestanten von der Heiligenverehrung im katholischen Glauben Abstand nahmen.
