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Jesus, hier bin ich!

Eine Geschichte vom alten Johannes

„Mama, bitte erzähl mir eine Geschichte!“, bettelt Lukas. Seine Mama überlegt eine Weile. Dann sagt sie: „Ich kenne eine schöne Geschichte. Die hat mir meine Oma immer schon erzählt. Sie handelt von einem alten Mann. Er heißt Johannes und geht jeden Tag in die Kirche. Obwohl Johannes keine Angehörigen hat, die für ihn sorgen können, fühlt er sich nicht allein. Denn er hat einen Freund.“ Lukas wird neugierig: „Wer ist denn sein Freund?“, möchte er wissen. Und seine Mama beginnt zu erzählen:

Das Fahrrad an der Mauer

Es ist schon lange her. Da lebte in einem Dorf in Bayern einmal ein alter Mann. Er hieß Johannes und hatte weder Verwandte noch Freunde, die sich um ihn kümmern konnten. Am Mittag fuhr Johannes mit seinem alten Fahrrad zur Kirche, lehnte es an die Mauer und ging hinein. Er stellte sich vor das große Kreuz, zog seine Mütze ab und ging eine Minute später wieder hinaus. Niemand merkte es. Bis Pastor Huber eines Tages zur Kirche eilte. Er wollte zur Sakristei. Denn er hatte etwas vergessen. Da bemerkte er das Fahrrad an der Kirchenmauer.

Der Pastor wird neugierig

Als Pastor Huber die Kirche betrat, sah er Johannes vor dem großen Kreuz stehen. Doch kurze Zeit später drehte Johannes sich um und verließ die Kirche. Er hatte Pastor Huber nicht gesehen. Am nächsten Tag – es war wieder kurz vor zwölf Uhr – ging der Pastor an der Kirche vorbei. Da sah er Johannes. Er stieg von seinem Fahrrad und lehnte es an die Kirchenmauer. Dann betrat Johannes die Kirche. Pastor Huber folgte ihm unauffällig. „Vielleicht möchte Johannes die Beichte abnehmen“, überlegte er und folgte ihm.

Kein langes Gebet

Doch Johannes ging wieder zum Kreuz, blieb davor stehen, zog seine Mütze aus und wandte sich eine Minute später wieder zum Gehen. Da sprach der Pastor ihn an und fragte: „Möchtest du vielleicht beichten?“ Johannes antwortete: „Nein, ich komme nur hierher, um zu beten.“ Der Pastor frage verwundert: „Ich habe dich gestern schon in der Kirche gesehen. Aber da warst du genau wie heute kurze Zeit später wieder weg. Für ein Gebet reicht diese Zeit unmöglich.“ Da sagte Johannes: „Ich kann kein langes Gebet sprechen. Mir fällt einfach nichts ein. Aber ich komme jeden Tag gegen Mittag und sage: ,Jesus, hier ist Johannes'. Dann warte ich eine Minute, und er hört mich.“

Seine gute Laune steckt an

Einige Zeit später musste Johannes ins Krankenhaus. Die Ärzte und Krankenschwestern mochten den alten Mann. Sie sagten: „Er ist ein richtiger Zauberer. Denn er bringt es fertig, selbst schwer kranke Menschen wieder zum Lachen zu bringen. Und unzufriedene Patienten, die vorher immer an allem herumgenörgelt haben, sind plötzlich viel zufriedener, seit Johannes bei uns ist.“ Die Krankenschwestern und Ärzte wunderten sich über die Heiterkeit des alten Mannes. „Er ist ganz allein und bekommt nie Besuch. Da hätte er eigentlich allen Grund, traurig zu sein. Aber mit seiner guten Laune steckt er die ganze Station an.“

Als Pastor Huber die Kranken aus dem Dorf besuchte und ihnen die Heilige Kommunion brachte, kam er auch zu  Johannes. Der Pastor fragte ihn: „Wie schaffst du es nur, dass auf dieser Station plötzlich alle fröhlich sind? Die Ärzte und Schwestern sagen, dass du es bewirkt hast.“ „Herr Pastor“, meinte Johannes, „dafür kann ich nichts. Das kommt durch meinen Besucher.“ Der Pastor wunderte sich. Denn die Schwestern hatten ihm erzählt, dass Johannes nie Besuch bekommt. Er fragte: „Wann kommt denn dein Besuch, Johannes?“ Da sagte Johannes: „Jeden Mittag um zwölf. Er kommt ins Zimmer, steht am Fußende meines Bettes und sagt: „Johannes, hier ist Jesus!“

Foto: Susanne Mix

Von Margret Nußbaum
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