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"Immer noch aktuell"

Sankt Martin mit rotem Umhang auf einem Pferd
© KNA
Heute schlüpfen rund um den 11. November Ehrenamtliche oder Schauspieler in die Rolle des Heiligen Martin.

Theo Selders spielt seit 40 Jahren den Sankt Martin in Wetten

Jahr für Jahr verkleidet Theo Selders sich als Sankt Martin. Seit vier Jahrzehnten führt der Rentner aus Wetten bei Kevelaer den Martinsumzug in der Gemeinde an. Im Interview erklärt der Niederrheiner, was einen guten Martins-Darsteller ausmacht.

katholisch.de: Herr Selders, wann haben Sie angefangen, den Sankt Martin zu spielen?

Selders: Vor 40 Jahren hat mein Vorgänger aufgehört, da war ich gerade mal 23 Jahre alt. Das Martinskomitee ist auf mich zugekommen, weil ich ein aktiver Reiter war. Die haben sich gedacht: "Wer reiten kann, der kann auch den Martin spielen."

katholisch.de: Ist das alles, was ein guter Martins-Darsteller können muss?

Selders: Es kann zumindest nicht schaden. Viele sind schon vom Pferd gefallen. Aber es braucht noch mehr als Reitkünste: Religiöses Verständnis gehört dazu. Als Martins-Darsteller sollte man natürlich die Geschichte des Heiligen Martin kennen. Im Grunde ist das ist wie bei jeder ehrenamtlichen Tätigkeit: Die Qualität des Martinsspiels hängt vom Engagement der Freiwilligen ab.

katholisch.de: Wie laufen der Martinsumzug und das Martinsspiel in Wetten ab?

Selders: Zuerst verkleide ich  mich als Ritter mit Helm, Schwert und Bart, damit mich die Kinder nicht erkennen. Unter dem großen Mantel trage ich einen kleinen, nämlich das Stück, das ich später dem Bettler gebe. Das sehen die Kinder natürlich nicht. Sie sammeln sich mit ihren Fackeln und Laternen auf dem Schulhof. Der Umzug führt zum Marktplatz, wo ein Feuer brennt und der Bettler sitzt. Ein Sprecher erklärt die Geschichte des Sankt Martin, während wir die Mantelteilung nachspielen. Danach halte ich eine kurze Ansprache an die Kinder: dass wir bereit sein sollen, zu teilen; dass es nicht allen Kindern auf der Welt so gut geht. Zum Schluss erhält jedes Kind eine Martinstüte, in die fleißige Helfer Süßigkeiten, Weckmänner und kleine Leckereien gepackt haben.

katholisch.de: Warum haben Sie damals als Martins-Darsteller angefangen und was motiviert sie, auch nach 40 Jahren weiterzumachen?

Selders: Mir ist die Tradition wichtig, gerade in unserer hektischen und schnelllebigen Zeit. Die will ich auch an die Kinder weitergeben. Fünf- und Sechsjährige glauben noch an den Heiligen Martin. Sie sind Feuer und Flamme, wenn sie ihn auf seinem Pferd sehen. Diese Begeisterung zu erleben macht schon Spaß. Und es ist auch nach 40 Jahren ein unbeschreibliches Gefühl, die leuchtenden Kinderaugen zu sehen.

katholisch.de: Helfen Bräuche wie der Martinsumzug, dass sich mehr Menschen wieder mit dem Vorbild des Sankt Martin identifizieren oder sich Gedanken zu seiner Person machen?

Selders: Den Leuten ist schon bewusst, dass hinter den Umzügen mehr steckt als nur der Spaß. Wenn sie das Martinsspiel sehen, machen sie sich vielleicht Gedanken. Ich glaube, das Teilen hat den Heiligen Martin berühmt gemacht. Gerade in der damaligen Zeit war das nicht selbstverständlich. Normalerweise hätte ein Soldat einen armen Bettler eher geschlagen, als mit ihm zu teilen. Martin hat trotzdem seinen Mantel zerschnitten, damit der Bettler nicht erfrieren musste. Diese Botschaft ist immer noch aktuell. Deshalb ist Martin auch so viel bekannter als viele andere Heilige.

katholisch.de: Wann gehen Sie als Martins-Darsteller in Rente?

Selders: Ein bisschen will ich den Martin noch spielen, aber nicht mehr lange. In vier oder fünf Jahren soll ein Jüngerer in die Rolle schlüpfen. Irgendwann muss man auch mal sagen: Das war es.

Das Interview führte Birgit Leikam
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