Hier dürfen Kinder trauern

In der Trauergruppe sprechen Kinder über ihre Erlebnisse
Köln - Trauernden Kindern in ihrem Schmerz, ihrer Verzweiflung und ihrer Wut beizustehen, hat sich das Team von "Domino" – Zentrum für trauernde Kinder auf die Fahnen geschrieben. Der Verein, der sich durch Spenden finanziert, arbeitet mit dem Sozialdienst Katholischer Frauen (SkF) zusammen. An drei Standorten – Köln, Leverkusen und Bergisch-Gladbach – finden Kinder und Jugendliche in verschiedenen Gruppen ihren individuellen Trauerweg. In der Gruppe geborgenZwölf Mädchen und Jungen – zwischen vier und zwölf Jahre alt – treffen sich in ihrem Gruppenraum. Die Kinder sitzen im Kreis. In der Mitte brennt eine Kerze. Die erinnert an die tote Mama, den Papa, die kleine Schwester, den Opa oder die Tante. Jedes Kind bringt seine eigenen Erfahrungen mit dem Sterben und Tod eines nahen Angehörigen mit. In der Gruppe fällt es den Kindern oft leichter, über ihre Gefühle und ihre Ohnmacht zu sprechen. "Hier fühlen sie sich geborgen und gleichzeitig unbeobachtet von ihren Eltern. Und sie können ihre Trauer zum Ausdruck bringen – durch Sprechen, aber auch durch unsere Kreativangebote", erklärt Christel Gattinger-Kurth, die pädagogische Leiterin des Projektes. Als Pädagogin, Diplom-Sozialarbeiterin und Trauerbegleiterin hat sie sich in den vergangenen 14 Jahren intensiv um trauernde Kinder gekümmert und vor sechs Jahren Domino aufgebaut.
"Kinder drücken ihre Trauer nicht immer mit Worten aus", sagt Christel Gattinger-Kurth. "Oft besteht ihre Trauerarbeit in Spielen, Malen oder auch Herumtoben und Schreien. Wir stellen ihnen hierfür kreative Ausdrucksformen, Methoden und Techniken zur Verfügung, aber auch Sandsäcke, 'Wutbrocken' und 'Zornziegel' aus Schaumstoff zum gezielten Abbau ihrer Aggression und Wut." In den Räumen von Domino – Zentrum für trauernde Kinder – finden Mädchen und Jungen eine geschützte Umgebung, in der es ihnen möglich ist, ihre Trauer auszudrücken. "Hier können sie ihre Gefühle mit anderen Kindern oder Jugendlichen teilen. Sie erfahren, dass sie mit ihrem Schmerz nicht allein sind und dass auch andere schwere Verluste hinnehmen mussten", erklärt die pädagogische Leiterin. Trauernden Jugendlichen bieten Christel Gattinger-Kurth und ihre Mitarbeiterinnen ein flexibles Programm in separaten Räumen. "Hier können sie die Angebote mitgestalten und haben viel Raum für Gespräche", erklärt sie.
Die Gruppentreffen finden im Rhythmus von 14 Tagen statt. Die Gruppenleiterinnen sind pädagogische Fachkräfte. Sie werden von jeweils sieben oder acht ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen unterstützt. Parallel dazu kümmern sich andere Betreuer um die erwachsenen Bezugspersonen der Kinder. "Sie sind oft unsicher und wissen nicht, wie sie mit ihren trauernden Kindern umgehen sollen", sagt Christel Gattinger-Kurth. Oft sind es die kleinen Tipps, die Müttern und Vätern helfen, einen Zugang zur Trauer ihrer Kinder zu finden. "Raum und Zeit sind wichtig. Kinder brauchen bestimmte Rituale", sagt Christel Gattinger-Kurth. In einer Familie ergaben sich Gespräche mit dem trauernden Kind regelmäßig, wenn die Mutter bügelte. Das Kind suchte dann immer die Nähe zur Mama, setzte sich aufs Sofa und blätterte in einem Buch. Die Mutter begann, vom verstorbenen Opa zu erzählen. Ihr Kind hörte aufmerksam zu, stellte Fragen. Endlich konnte es sich öffnen und über seinen Schmerz reden. Aber auch das Lachen hatte Raum, wenn sich Mutter und Kind an die vielen lustigen Erlebnisse mit dem Opa erinnerten.
Besonders tragisch: Der Tod eines Geschwisterkindes"Kindern hilft es oft auch, wenn sie etwas zum Festhalten haben", sagt Christel Gattiner-Kurth, "ein kleines Trauertierchen aus Stoff etwa oder einen kleinen Edelstein als Mutmachstein. Alles ist gut, was Halt und Sicherheit gibt." Manchmal sind Eltern mit der Trauer ihres Kindes überfordert – nämlich dann, wenn eines ihrer Kinder gestorben ist. "Der Tod eines Geschwisterkindes ist ein besonders tragischer Fall. Die Familie braucht dringend Hilfe. Der Schmerz der Eltern ist so groß, dass ihnen die Kraft fehlt, sich um ihr trauerndes Kind zu kümmern. Hier sollte eine Tante, ein Onkel oder eine gute Freundin regelmäßig ins Haus kommen, sich mit dem Kind beschäftigen und auch außerhalb des Hauses viel mit ihm unternehmen", rät Christel Gattinger-Kurth.
