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Gott mit Worten und Taten dienen

Die Siedlung Eben-Ezer am Stadtrand von Choluteca.
© Adveniat
Die Siedlung Eben-Ezer am Stadtrand von Choluteca.

Laien sind das Herzstück der kirchlichen Arbeit im mittelamerikanischen Honduras

Unter dem Zinkdach der kleinen Hütte staut sich die Hitze. Schon um zehn Uhr morgens ist das Thermometer auf fast 30 Grad geklettert. Selbst die Hunde suchen ein schattiges Plätzchen im Garten; nur die Hühner stelzen auf der Suche nach Essbarem durch die geöffnete Tür. Doch die beiden Männer und die Frau sind viel zu sehr in ihr Gespräch vertieft, um sich davon ablenken zu lassen. Bei ihnen ist Lorenzo Aguilar, Koordinator der Frauen und Männer, die in der Diözese Choluteca im Süden von Honduras als Leiter von Wort-Gottes-Feiern (Delegados de la Palabra) im Einsatz sind. Er bespricht mit seinen Schülern Jesus Aguilar und Lidia Corrales das neue, von Adveniat finanzierte Schulungsmaterial.

Die Eheleute leben vor den Toren der Stadt Choluteca, in der Neubausiedlung Eben-Ezer, gebaut für Opfer des Hurrikans Mitch im Jahr 1998. Wie die meisten Menschen hier haben sie nur ab und zu Arbeit. Jesus hat schon alle möglichen Berufe ausgeübt von Schreiner über Verkäufer, Bauarbeiter bis hin zu Hochzeitsfotograf. Seine Frau putzt und bügelt manchmal für reichere Familien. Die drei Jungs sind noch klein. "Fürs Essen und die Kleidung reicht es, aber große Sprünge sind nicht drin", sagt die 25-jährige Lidia.

Dennoch widmen sie einen großen Teil ihrer Zeit der freiwilligen Tätigkeit in der katholischen Kirche. Das hat mit dem vierjährigen Daniel zu tun. Er kam mit einer Nierendysfunktion zur Welt und lag monatelang im Krankenhaus zur Dialyse. Die Familie musste einen Kredit über 50.000 Lempiras (rund 2.000 Euro) aufnehmen, um die Krankenhausrechnung zu bezahlen. "Lorenzo hat uns damals viel Mut zugesprochen und mit uns gebetet", ist Jesus voll des Lobes für seinen Ausbilder.

Mit Worten dienen

Heute springt der kleine Daniel fröhlich zwischen den Hühnern, Hunden und Katzen im staubigen Patio umher. "Als er zwei war, fing die Niere plötzlich an zu funktionieren", erzählt Lidia. Das war für sie ein Zeichen Gottes; sie ließ sich ebenfalls zur Leiterin für Wort-Gottes-Feiern ausbilden. "Wenn wir gebraucht werden, müssen wir zur Stelle sein, so wie Gott damals zur Stelle war, um Daniel zu heilen", sagt Jesus. "Und da ich Gott dafür kein Geld bezahlen kann, diene ich ihm eben mit Worten."

Lorenzo hört aufmerksam zu und lächelt ein wenig verlegen. Der zierliche, bescheidene Mann ist niemand, der sich in den Vordergrund drängt. Bis heute beobachtet er lieber und redet nur, wenn er dazu aufgefordert wird. Das hat ihn seine Großmutter gelehrt, eine Bäuerin aus dem Süden von Honduras, die den Jungen großzog. Trotzdem ist Lorenzo ein "líder" geworden, jemand, der den Mächtigen auch einmal widerspricht und sich für die Benachteiligten einsetzt. Auch das habe er seiner Großmutter zu verdanken, so Lorenzo. Die sorgte nämlich dafür, dass er einen Schulabschluss machen konnte, was damals im ländlichen Honduras nicht selbstverständlich war. Und sie nahm ihn mit in die Kirche, wo es dem Jungen so gut gefiel, dass er vom Messdiener über den Jugendleiter bis zum Verantwortlichen seiner Gemeinde aufstieg.

So wurde er jemand, der in der Gemeinde um Rat gefragt wurde und das Wort ergriff, wenn es um wichtige Entscheidungen ging. Er kümmerte sich um die Wasserverteilung, später gehörte er dem Gemeinderat an. "Doch es waren turbulente Jahre", erinnert sich der 44-Jährige an sein Debüt in den achtziger Jahren. Damals tobten in den Nachbarländern Bürgerkriege, und Honduras wurde von den rechten Regierungen mit Hilfe der USA aufgerüstet zum Bollwerk gegen den Kommunismus. Lorenzo sah es damals als seine Pflicht an, Menschenrechtsverletzungen der Sicherheitskräfte anzuprangern, die Bevölkerung in Schutz zu nehmen. Deshalb stand er als "verdächtiger Kommunist" auf einer schwarzen Liste des Militärs.

Tief verwurzelte Religiösität

"Es waren schwierige Zeiten für die Kirche, manche unserer Laien wurden verhaftet, zwei Priester wurden bei einem Massaker während des so genannten Hungermarsches getötet, unser Radio Paz wurde geschlossen", erinnert sich Bischof Guido Plante. "Die Oberschicht kam nicht mehr zur Messe, man hat uns verfolgt und unsere Arbeit beschnitten, wo es nur ging." Der Kalte Krieg ist längst zu Ende, in Mittelamerika herrscht Frieden. Nur die schwarze Liste, die existiert noch. "Deshalb bekomme ich bis heute kein Visum für die USA", sagt Aguilar.

Inzwischen koordiniert der zweifache Familienvater die Ausbildung der rund 1.500 Laien in der Diözese Choluteca. Er ist nicht nur ihr Lehrer, sondern Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte. Viele von ihnen können kaum lesen und leben in bitterer Armut. Jede Busfahrt zu einer Veranstaltung ist ein Problem. Dass trotzdem immer noch so viele die Mühe auf sich nehmen, hat nicht nur mit der tief verwurzelten Religiosität der Honduraner zu tun, sondern auch mit der fundierten Ausbildung, die sie in dem von Adveniat mitfi nanzierten Zentrum erhalten.

Viele von ihnen sind Führungspersonen ihrer Gemeinden geworden. "Meistens reichen zwei engagierte Laien, um einer Gemeinde neues Leben einzuhauchen", sagt Aguilar. Solche wie Jesús und Lidia. Sie sind längst eine Referenz in Eben-Ezer, obwohl dort eigentlich Protestanten dominieren. "Am Anfang wollten sie uns rausekeln, aber nachdem ich die Müllabfuhr und den Trinkwasserbrunnen organisiert habe, unterstützen einige sogar mein Vorhaben, hier eine Kapelle zu bauen", erzählt Jesus stolz.

Von Sandra Weiss (Adveniat)
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