logo


E-Mail-Adresse *

Anrede 

Vorname

Nachname

Aktion wählen:
 Anmelden
 Abmelden

Angaben mit * sind Pflichtangaben.


Reportage  Seite drucken

Eine Stunde Glück

Ein Zivi bastelt mit dem Bewohner eines Seniorenheims.
© KNA

Zu Besuch bei alten und kranken Menschen

Es ist Mittwoch, 14:00 Uhr. Der 82-Jährige Heinz Berger sitzt ungeduldig in seinem Rollstuhl am Fenster. Gleich bekommt er wieder Besuch - wie jede Woche. Sein neuer Freund heißt Thomas und ist ehrenamtlicher Mitarbeiter eines Malteser Besuchsdienstes. Heinz Berger wird wieder von früher erzählen. Und Thomas wird ihm zuhören. Er wird sein Familienalbum zeigen. Vielleicht hat er es Thomas schon öfters gezeigt, das weiß er nicht mehr genau. Aber er wird wieder glücklich sein, denn seit seine Frau vor fünf Jahren starb, ist Heinz Berger oft allein. Und mit dem Alter ist alles etwas schwieriger geworden. Weltweit sind etwa 630 Millionen Menschen über 65 Jahre alt. Und nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) werden es im Jahr 2050 über zwei Milliarden sein. 

Große Nachfrage

In Deutschland setzen sich Organisationen wie der Malteser Hilfsdienst e.V., Köln, (MHD) seit Jahren mit den Herausforderungen der alternden Gesellschaft auseinander. Denn die Lage ist dramatisch: 2030 wird mehr als die Hälfte der Deutschen über 65 Jahre alt sein. Kein Wunder, dass sich schon heute immer mehr Senioren und deren Angehörige an Hilfsorganisationen wenden.

Besonders gefragt sind Fahrdienste: Hier begleiten die Helfer aus 150 Geschäftsstellen ältere und behinderte Menschen zum Einkaufen, ins Theater oder zum Gottesdienst. Daneben besuchen und betreuen die Malteser zahlreiche Senioren, organisieren Sitztanz-Gruppen, veranstalten Wallfahrten und vermitteln vor Ort auch Pflegedienste oder Seelsorger. „Im Bereich der Betreuungs- und Besuchsdienste sind ungefähr 1.000 Helfer im Einsatz“, so Martin Pfeifer, Leiter Soziales Ehrenamt der Malteser.

Ein besonderes Problem bei der Betreuung älterer Menschen sieht er in der starken Zunahme von Demenzfällen. Nach Angaben der deutschen Alzheimer Gesellschaft leiden in Deutschland mittlerweile mehr als eine Million Menschen an Demenz. Und etwa zwei Drittel der Betroffenen werden zu Hause betreut. Das Problem: Viele der Angehörigen sind psychisch und physisch völlig überfordert. „Hier bieten die Malteser Entlastung“, weiß Pfeifer. „Wir erleben es häufig, dass die Familienmitglieder von Demenzkranken strahlen, wenn unsere Mitarbeiter zu ihnen kommen. Das ist oft ihre einzige Möglichkeit, das Haus einmal zu verlassen und etwas zu entspannen“.

Hospizarbeit ist "enorme Belastung"

„Im vergangenen Jahr haben wir zudem knapp 2.000 sterbende und 560 trauernde Menschen begleitet“, sagt Dirk Blümke, Leiter des Malteser Referats für Hospiz. Derzeit engagieren sich bei den Maltesern fast 1.300 ehrenamtliche Mitarbeiter in 46 ambulanten und drei stationären Hospizeinheiten. Und die Nachfrage steigt: „Im Jahr 2001 konnten wir etwa 100 neue Helfer für unsere Arbeit begeistern“, so Blümke.

„Die Betreuung Sterbender stellt für die Helfer oft eine enorme Belastung dar“, weiß er aus Erfahrung. „Personen, die einen Sterbenden begleiten, müssen über große menschliche Qualitäten verfügen“. Und gerade wenn Menschen zu Hause sterben möchten, sollten hervorragend geschulte Kräfte Beistand leisten. Dafür werden die Mitarbeiter über einem Zeitraum von mindestens einem Jahr in speziellen Kursen, Supervisionen und Schulungswochenenden langsam an die Arbeit mit den Sterbenden herangeführt.

Mit Vorträgen, Informationsständen und Benefizveranstaltungen informieren die Malteser über Probleme und Herausforderungen älterer und sterbender Menschen und versuchen neue Helfer zu gewinnen. „Allein im vergangenen Jahr haben wir 880 Veranstaltungen für die Öffentlichkeit durchgeführt“, so Blümke. Mit Erfolg: Derzeit bereiten sich wieder 160 Ehrenamtliche auf die Arbeit vor. Und jedes Jahr werden es einige mehr. Blümke sieht ein „hohes latentes Interesse“ für ehrenamtliches Engagement. „Wenn ein Bewerber zu uns kommt, stellen wir zunächst im Rahmen eines Interviews seine Eignung und Motivation fest“, erklärt der Leiter des Malteser Referates für Hospiz. Dann versuche man, den Interessen und Neigungen des neuen Mitarbeiters möglichst entgegen zu kommen.

Dank als Lohn

Die Helfer engagierten sich aus ganz unterschiedlichen Gründen: Manchmal waren sie selbst einmal schwer krank und möchten anderen Menschen jetzt helfen, in anderen Fällen wollen sie eine zusätzliche Qualifikation erwerben. Und viele sehen in der Betreuung älterer oder sterbender Menschen eine sinnerfüllte Tätigkeit. „Die meisten machen während ihrer Arbeit tiefe emotionale Erfahrungen. Die Banalitäten des Alltags verlieren an Bedeutung, die Schnelllebigkeit nimmt ab und oft sind die Helfer sehr gerührt vom Dank, den ihnen die älteren Menschen entgegenbringen“, sagt Blümke. „Viele freuen sich schon die ganze Woche auf den Moment, wenn unsere Mitarbeiter sie wieder besuchen“.

So wie Heinz Berger. Nächste Woche wird er wieder am Fenster sitzen. Und auf Thomas warten. Und dann für eine Stunde glücklich sein.

zum Anfang zum Anfang
Das Internetportal der Katholischen Kirche in Deutschland
© Katholisch.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Katholisch.de-Redaktion