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„Freuen Sie sich!“

Marga Humberg, Stifterin bei Malteser
© Malteser
Einst reiste Marga Humberg mit den Maltesern nach Lourdes, heute spendet sie für das Stiftungszentrum.

Marga Humberg ist Stifterin beim Malteser Stiftungszentrum

Köln-Lindenthal: ein weißes Haus in einer ruhigen Straße. Marga Humbert wohnt hier mit ihrer Schwester Elisabeth. Zusammen sind die beiden Damen 172 Jahre alt. Marga Humbert war früher Postdirektorin – die Schwester Ärztin. Kinder, Familie haben beide nicht. Sie waren Karrierefrauen, zu einer Zeit, als es so etwas noch nicht gab.

Marga Humbert ließ sich nicht aufhalten: „Im Luftschutzkeller habe ich für mein Abitur gelernt“, sagt sie heute und schmunzelt stolz. Sie sitzt auf einem kunstvoll verzierten Holzsessel, umgeben von Büchern, Heiligenfiguren und einem St. Severin-Bild; schaut hinaus in den Garten: Gerade läuft ein Eichhörnchen zum Vogelhaus, versucht Futter zu klauen.

Marga Humbert lächelt und erzählt im gemütlichen „Kölsch“: „Wir mussten im Krieg schon einiges mitmachen. Von Seiten der Russen, aber auch durch die Amerikaner. Viele Bombenangriffe. An meinem 21. Geburtstag im Februar ging es rund. Mein Vater wollte mich zu einer Kinovorstellung einladen. Doch die Vorstellung musste abgebrochen werden wegen der Tiefflieger.“

Ein einschneidendes Erlebnis

Schlimmer als die Angriffe der Alliierten war für sie etwas anderes: Bei einem Angriff entdeckte Marga Humbert vor dem Bunker einen schwerverletzten deutschen Soldaten. Sie versuchte, ihn in den Bunker zu ziehen. Es ging nicht. Er war zu schwer. „Glauben Sie mir, keiner im Bunker wollte mir helfen. Nur mit Mühe fand ich zwei, drei Leute, die bereit waren, den Schwerverletzten zu bergen und ihn in Sicherheit zu bringen. Das waren ausgerechnet Holländer.“

Ein Erlebnis, das sich eingegraben hat in Marga Humberts Gedächtnis –  so schwer und schön die Jahre danach auch waren: die Jahres des beruflichen und gesellschaftlichen Aufstiegs, als sie sich durchbeißen musste gegen männliche Neider, nach Trier, Hamburg, München befördert wurde, nach Köln zurückkehrte, quer durch die Welt reiste, am liebsten nach Frankreich, in ihr geliebtes Paris.

„Medizin und Mutter Gottes haben mich geheilt“

„So ganz ohne Leid ging es aber auch bei mir nicht ab. Eines Tages wurde ich schwer krank. Konnte nur noch liegen. Die Ärzte operierten mich und blieben ratlos.“ Der Pfarrer der Gemeinde nahm sie mit nach Lourdes: Krankentransport per Eisenbahn, organisiert von den Maltesern.

Als Marga Humbert wieder nach Deutschland zurückkam, ging es gesundheitlich wieder aufwärts: sitzen, stehen, gehen. Dann der weitere Aufstieg auf der Karriereleiter. „Ein bisschen Medizin und ein bisschen Mutter Gottes haben mich geheilt“, sagt Marga Humberts im Rückblick. "Woher die größere Hilfe kam, ist schwer zu sagen."

Hilfreich waren in jedem Fall die Malteser, die sie damals pflegten und zur Grotte kutschierten. Auch das hat Marga Humberts nicht vergessen. Immer wieder hat sie seitdem für die verschiedenen Rettungseinsätze der katholischen Hilfsorganisation Geld gespendet. 

Hilfe für Köln und die ganze Welt

Die Malteser helfen, meint sie: „In Köln und in der ganzen Welt.“ Deshalb musste Marga Humbert auch nicht lange nachdenken, als sie von der Gründung des Malteser Stiftungszentrums erfuhr, einer Stiftung, die langfristig und strategisch für Notfälle in der Welt da sein soll: „Die kriegen was von mir“, sagte sie ihrer Schwester. „Da stifte ich mit.“

Die steuerlichen Vorteile, die das Stiften so mit sich bringt, hat sie dabei gar nicht beachtet: „Ach, das wusste ich gar nicht, dass ich dafür noch was kriege!“ Marga Humbert nimmt es locker. Sie ist dankbar für die Dinge, die sie neben der Karriere in ihrem Leben erfahren und lernen durfte: die vielen europäischen Sprachen, die sie spricht - darunter auch „Kölsch“, wie sie betont - das Malen und die Archäologie, ihr besonderes Hobby. Bis in die griechische Antike reicht ihr Wissen.

Etwas Besonderes waren die Begegnungen mit großen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, etwa die mit Konrad Adenauer, der bei einem wichtigen politischen Empfang vor ihren Augen und Ohren gesagt bekam, er solle nicht auf den roten Teppich treten und es partout tat.

Im Rollstuhl zum Papst

Im Jahr 2000 ist Marga Humbert nach Rom geflogen. Im Rollstuhl, den sie heute braucht, saß sie einem Mann ihrer Generation gegenüber: Papst Johannes Paul II.: „Er hat meine Hand gestreichelt und mir gesagt: ‚Freuen Sie sich. Freuen Sie sich.’“ Noch nie hat Marga Humbert über dieses Erlebnis gesprochen. Ihre Stimme wird weich, zittrig. „Dieser alte Mann“, sagt sie, „der selbst so viele Schmerzen hat, sagt zu mir: Freuen Sie sich.“ Sie blickt ihre Schwester an, die mit dem Kopf nickt, dann schaut Marga Humbert auf den Garten, wo sich das Eichhörnchen inzwischen aus dem Staub gemacht hat.

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