Freiwilliges Soziales Jahr bei Jugendlichen beliebt

FSJ-Stellen in Baden-Württemberg werden knapp
Stuttgart - Anlässlich des Internationalen Tags des Ehrenamtes hat der Direktor des Diözesancaritasverbandes Rottenburg-Suttgart Johannes Böcker die Politik aufgefordert, jungen Menschen den Einstieg ins Ehrenamt zu erleichtern. "Für viele Jugendliche ist das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) die große Chance, soziale Berufsfelder kennen zu lernen und auch soziales Engagement auszuprobieren“, betonte Böcker.Die Politik müsse schon jetzt die Weichen neu stellen und ein „ermutigendes Signal setzen für alle Jugendlichen, die sich jetzt und in Zukunft freiwillig engagieren wollen“. So schnell wie möglich sollte nach Auffassung der Caritas die seit Jahren bestehende Deckelung der FSJ-Mittel aufgehoben werden. Für das Jahr 2012 sei eine zusätzliche einmalige Finanzspritze erforderlich. Nur so bekomme der Einzelne in der großen Flut an Bewerbungen eine Chance auf einen FSJ-Platz.
Im Jahr 2012 werden laut Auskunft der Caritas neben Studienplätzen und Ausbildungsstellen auch die begehrten Plätze für ein Freiwilliges Soziales Jahr extrem rar werden. Laut Statistischem Landesamt wird mit 87.000 Schülern zu rechnen sein. Dies wird auch Auswirkungen auf das Freiwillige Soziale Jahr haben: Schon jetzt reichen die 5.000 FSJ-Stellen im Land Baden-Württemberg längst nicht mehr aus, um die Nachfrage auch nur annähernd zu befriedigen. 2012 werden sich voraussichtlich doppelt so viele junge Menschen bewerben.
Der Caritasverband der Diözese vertritt als Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche zwischen Bad Mergentheim und Bodensee 1.900 Einrichtungen in unterschiedlichen Hilfefeldern, in denen 28.000 Mitarbeiter und rund 18.000 Ehrenamtliche tätig sind. Mit dem Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) als Bildungsträger bietet der Verband für junge Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr 280 Einsatzstellen in württembergischen Landesteil an.
Beliebt sind insbesondere Plätze in der Kinder- und Jugendhilfe. An zweiter Stelle rangieren Krankenhäuser, in denen die jungen Menschen erste Erfahrungen im medizinischen Bereich sammeln möchten. Weitere Möglichkeiten für ein FSJ sind die Behinderten- und Altenhilfe, aber etwa auch in den Tafelläden des Verbands, den sogenannten Carisatt-Läden, kommen die jungen Menschen zum Einsatz.
Mit dem kontinuierlich gewachsenen Bedarf an FSJ-Plätzen sind auch die damit verbundenen Kosten gestiegen. Allerdings wurde der Landeszuschuss von 500 Euro pro Platz seit Jahren nicht erhöht. Dies bedeute „de facto eine Senkung des Zuschusses an die Träger, die seit Jahrzehnten diesen sozialen Lerndienst für junge Menschen gestalten, erklärt Diözesancaritasdirektor Johannes Böcker. Dies sei umso „ärgerlicher, als das Land immer wieder betont, wie wichtig das FSJ für die jungen Menschen und die Gesellschaft ist!“
Trotz der unbefriedigenden Landesförderung stellt sich die Caritas der Notwendigkeit, innovative Konzepte für den Freiwilligendienst junger Menschen zu entwickeln. Als „sichtbaren Erfolg des bisherigen Engagements“ wertet Johannes Böcker, dass der Diözesanverband zusammen mit dem BDKJ und dem katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit IN VIA den Zuschlag bekommen hat für eines von bundesweit acht Modellprojekten im Rahmen des Bundesprogramms „Freiwilligendienste machen kompetent“.
Das Projekt „kickSTART“ nimmt besonders chancenarme junge Menschen in den Blick und bietet ihnen, ihren Möglichkeiten entsprechend Erfahrungen in sozialen Arbeitsfelder zu sammeln. Dabei werden sie intensiv pädagogisch begleitet.
