Unschuldig im Gefängnis

Josef wird als Sklave verkauft und in den Kerker geworfen
In Ägypten brachten die Händler Josef zum Sklavenmarkt. Potifar, der Befehlshaber der Leibwache des Pharao, kaufte ihn. Der Handel tat ihm nicht Leid, denn es stellte sich heraus, dass Josef seine Arbeit mehr als gut verrichtete. Potifar war von dem jungen Mann begeistert und machte ihn zu seinem persönlichen Diener. Josef erging es gut in Poifars Haus, und er wusste, dass Gott immer bei ihm war.Josef hält seinem Herrn die Treue
Doch dann wendete sich das Blatt. Potifars Frau fand Gefallen an dem jungen Josef und versuchte ihn zu verführen, als Potifar einmal nicht zu Hause war. Doch Josef wies sie ab und sagte: „Mein Herr vertraut mir. Wie könnte ich ihn da mit seiner Frau hintergehen? Außerdem wäre es eine Sünde gegen Gott, den ich über alles liebe und dem ich diene.“
Doch Potifars Frau gab keine Ruhe. Ständig lauerte sie Josef auf. Als sie ihn einmal überraschend umarmte, lief Josef fort. Wütend erzählte Potifars Frau ihrem Mann, Josef habe sie verführen wollen.
Der Mundschenk und der Bäcker
Potifar glaubte seiner Frau. Er ließ Josef ins Gefängnis werfen und ihm Ketten anlegen. Doch sogar in dem finsteren Loch spürte Josef: Gott ist bei mir. Auf den Gefängniswärter machte Josef einen so guten Eindruck, dass dieser ihm bald die Versorgung der Gefangenen übertrug.
Eines Tages wurden der Mundschenk und der Bäcker des Pharao ins Gefängnis eingeliefert. Josef kümmerte sich um sie. An einem Morgen erzählten sie Josef ihre Träume. Der Mundschenk hatte von einem Weinstock mit drei Ranken geträumt, dessen Trauben er für den Becher des Pharao auspresste. Der Bäcker hatte geträumt, dass er drei Körbe mit köstlichem Gebäck zum Pharao trug. Doch die Vögel hatten alles aufgefressen.
Josef dachte über die beiden Träume nach, und Gott half ihm, sie zu deuten. Dann sagte er zum Mundschenk: „In drei Tagen wirst du frei gelassen und darfst wieder für den Pharao arbeiten.“ Zum Bäcker aber sagte Josef: „In drei Tagen wirst du auf Befehl des Pharao getötet werden.“ Alles geschah, wie Josef vorausgesagt hatte.
Der Mundschenk erinnert sich an Josef
Als der Mundschenk das Gefängnis verließ, bat Josef ihn, beim Pharao ein gutes Wort für ihn einzulegen: „Ich habe kein Unrecht getan. Bitte, sag es dem Pharao!“ Doch der Mundschenk vergaß es vor lauter Freude, endlich frei zu sein.
Es vergingen zwei Jahre. Eines Tages hatte der Pharao einen Traum, den niemand deuten konnte. Da fiel dem Mundschenk Josef ein. Er ging zum Pharao und sagte: „Ich habe ganz vergessen, für Josef ein gutes Wort bei dir einzulegen. Als ich von deinem Traum hörte, musste ich plötzlich an Josef denken. Er hatte meinen Traum gedeutet und mir vorausgesagt, dass ich aus dem Gefängnis frei käme. Und so ist es geschehen. Bestimmt kann Josef auch dir helfen.“
Auf gute Zeiten folgen schlechte
Der Pharao befahl, Josef sofort zu ihm zu bringen. Und er fragte ihn, ob er wirklich Träume deuten könne. Da sagte Josef: „Ich kann es nicht, aber Gott kann es.“
Da erzählte der Pharao von seinem Traum: „Ich sah sieben fette Kühe aus dem Fluss steigen, um zu weiden. Neben ihnen standen sieben magere Kühe. Sie fraßen die fetten auf. Aber lass dir von einem weiteren Traum erzählen: Ich sah sieben dicke, reife Getreideähren neben sieben dünnen, vertrockneten. Die dünnen fraßen die dicken Ähren auf.“
Josef überlegte nicht lange. Und dann sagte er: „Gott zeigt dir, was er vorhat. Es wird sieben Jahre geben, in denen sie Ernte so gut ausfällt, dass alle im Überfluss leben können. Doch dann folgen sieben schlechte Erntejahres, die alle Vorräte der guten Jahre aufzehren werden.“
Kurz erklärt
Liebe Kinder,
Träume deuten: Diese Kunst würden bestimmt viele von euch gern beherrschen. Wäre es nicht toll, das Wetter besser voraussagen zu können als ein Meteorologe nach der Tagesschau im Fernsehen? Und wäre es nicht super, die Aufgabenstellungen und möglichst auch noch die Lösungen der nächsten Mathearbeit vorherzusagen?
Ein Film mitten in der Nacht
Mit dem Träumen ist es etwas komplizierter. Wusstet ihr zum Beispiel, dass wir jede Nacht in regelmäßigen Abständen träumen? Und dass wir dabei noch einmal anschauen, was wir tagsüber erlebt und vielleicht noch nicht verarbeitet haben? In unserem Gehirn läuft also Nacht für Nacht ein spannender Film ab, in dem wir die Hauptrolle spielen.
Doch obwohl wir jede Nacht träumen, können wir uns nur in den seltensten Fällen daran erinnern. Das gelingt uns nur, wenn wir kurz wachen werden und unser Gehirn den Traum im Gedächtnis abspeichert. Denn das kann es nur im wachen Zustand.
Träume möchten uns etwas mitteilen
Wenn wir uns an einen Traum erinnern, verstehen wir ihn oft nicht. Bestimmt gibt es Fachleute – man nennt sie Tiefenpsychologen -, die das können. Sie behaupten, dass jedes Traumbild uns etwas sagen möchte.
Bestimmt hat Gott dem Josef die Gabe verliehen, nach einem Traum kurz wach zu werden, ihn im Gedächtnis abzuspeichern und ihn dann auch noch zu deuten. Vielleicht war Josef so eng mit Gott verbunden, dass er genau spürte: Gott möchte mir durch diesen Traum etwas mitteilen. So ist es oft in der Bibel. Denkt nur mal an die Sterndeuter. Gott warnte sie im Schlaf, sie sollten nicht zum König Herodes zurückkehren.
Erst mal eine Nacht drüber schlafen
Vielleicht ist es auch heute noch so, dass Gott uns im Traum einen Rat gibt oder uns vor Fehlern warnt. Nicht umsonst sagen wir vor einer wichtigen Entscheidung: „Da muss ich erst mal eine Nacht drüber schlafen.“ Und am nächsten Morgen liegt der Weg, den wir einschlagen wollen oder nicht, plötzlich viel klarer vor uns als am Vortag.
Hier war Gott im Spiel
Vielleicht war Josef ja auch ein Prophet. Von Propheten ist in der Bibel öfter die Rede. Sie teilen Menschen den Willen Gottes mit – für die Gegenwart, aber auch für die Zukunft. Mit Hellseherei hat das nichts zu tun – ebenso wenig wie das Deuten der Träume des jungen Josef.
Bei ihm und anderen berühmten Frauen und Männern der Bibel war Gott im Spiel. Weil sie ihn so sehr liebten – auch in Zeiten, in denen es mit ihnen bergab ging. Weil sie Gott verehrten und ihm ihr ganzes Vertrauen schenkten, war ihre Seele weit und offen für sein Wort. Und das verlieh ihnen die Gabe, Träume zu deuten und weiter in die Zukunft zu blicken als andere Menschen.











