Themen des Sozialwortes

Einige der Forderungen von 1997 sind noch heute aktuell
Nach einem aufwendigen - und bislang einmaligen - Konsultationsprozess haben die Deutsche Bischofskonferenz und die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) 1997 ihr Sozialwort „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ veröffentlicht. Hier haben wir einige Themen des Sozialwortes zusammengefasst.Reichtum/Armut
Die Konzentration „der Vermögen auf die einkommens- und vermögensstarken Schichten“ nehme zu, der Abstand zwischen den reichen Haushalten auf der einen Seite und den Haushalten, die über ein bescheidenes oder gar kein Vermögen verfügen, wird auf der anderen Seite größer. Gravierend sei auch die Verschiebung beim Immobilien- und Produktivvermögen im Zuge der deutschen Einheit. Nicht nur die Armut, sondern ebenso der Reichtum müsse politisches Thema sein; ein Reichtumsbericht wird gefordert.
Arbeitslosigkeit
Die lang anhaltende Massenarbeitslosigkeit, die vor allem Ältere, Frauen und Jugendliche sowie insbesondere viele Menschen in Ostdeutschland treffe, „ist kein unabwendbares Schicksal". Primär müsse die Wirtschaft neue Arbeitsplätze schaffen. Zu den möglichen Auswegen gehörten die Flexibilisierung der Arbeitszeiten und das Teilen vorhandener Arbeit zugunsten von Arbeitslosen und Beziehern niedriger Einkommen. Es bleibe sinnvoller, „Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren".
Frauen
Ein zentrales Anliegen sei es, die Stellung der Frau in Wirtschaft und Gesellschaft - und in der Kirche - zu stärken. Die bislang dominierende Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern müsse überwunden und damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gleichermaßen zu Lasten bzw. zu Gunsten von Frauen und Männern erleichtert werden. Erwerbs- und Familienarbeit müssten als „gleichrangig" verstanden werden, was sich auch in politischer und „finanzieller Anerkennung" für letztere niederschlagen müsse.
Familie
Die Bedeutung und der gebotene Schutz der Familie erforderten insbesondere eine Ausgestaltung des Steuersystems, die Ehepaare mit Kindern oder Alleinerziehende nicht schlechter stelle als Kinderlose. Leistungen seien so zu berechnen, „dass Kinder jedenfalls nicht die Ursache für Armut sein können und keine Familie auch in niedrigen Einkommensbereichen lediglich aufgrund der Tatsache, dass sie Kinder hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist". Unerlässlich sei ferner die Förderung familiengerechten Wohnraumes oder Bereitstellung von Kindergärten und -tagesstätten.
Soziale Sicherung
Das bisher tragfähige und weiterhin „unverzichtbare" System der sozialen Sicherungen stehe erst vor seiner Bewährungsprobe. Die bewährte Grundidee bedürfe jedoch unerlässlicher Reformen. Anspruchsberechtigung und Leistungsverpflichtungen müssten spürbar aneinander gekoppelt werden. Dies nötige zu Einschnitten bei den sozialen Leistungen, die „nur im Streit zustande kommen werden". Eine Schwäche des Systems liege in seiner derzeitigen Bindung an das Erwerbseinkommen. Vor diesem Hintergrund komme einer neuen Sozialkultur Bedeutung zu, die Leistungen hervorbringen könne, die man bisher zu schnell vom Staat erwartet habe.
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