Kinder haben ein Recht auf den Vater

Bundesarbeitsministerin von der Leyen freut sich über die neuen Väter
Anfang 2007 hat das Eltengeld das Erziehungsgeld abgelöst. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, die damals noch als Familienministerin die Familiengesetzreform ins Rollen brachte, ist von ihrem Konzept überzeugt. Im Interview mit der Elternzeitschrift Leben & Erziehen spricht sie über die positiven Auswirkungen dieser familienfreundlichen Entwicklungen.Leben & Erziehen: Frau von der Leyen, immer mehr Väter nehmen Elternzeit. Freuen Sie sich darüber?
von der Leyen: Ich freue mich natürlich sehr darüber, dass sich immer mehr Väter Zeit für ihr Neugeborenes nehmen. Entscheidend ist dabei, dass die Männer selbst die Dynamik entwickeln, aktive Väter zu sein. Die Zahl der Väter in Elternzeit steigt permanent, im ersten Quartal 2008 hat fast jeder fünfte Vater sein Elterngeld genutzt. Das wäre vor zwei Jahren noch unvorstellbar gewesen.
Leben & Erziehen: Wie profitieren Väter und Kinder von der Elternzeit?
von der Leyen: Beim jungen Vater erlebt das Kind von Anfang an, dass er unersetzlich ist. Untersuchungen in Dänemark zeigen, dass bei Männern, die viel Zeit mit ihrem Kind verbringen, der Wunsch nach einem zweiten Kind wächst. Die jungen Mütter spüren, dass sie nicht allein sind, sondern dass sie das Glück, aber auch die riesige Umstellung, wenn ein Kind geboren wird, mit ihrem Mann teilen können. Und die Kinder gewinnen am meisten. Kinder brauchen ihre Mutter – keine Frage, aber Kinder haben auch ein Recht auf den Vater. Er ist so unersetzlich wie die Mutter. Bis weit über die Pubertät hinweg. Die Wurzeln dafür werden vom ersten Lebenstag an gelegt.
Leben &E rziehen: Hätten Sie sich gefreut, wenn auch Ihr Mann in Elternzeit gegangen wäre?
von der Leyen: Oh ja! Ich bin beim ersten Kind förmlich untergegangen in einer Welle von Glück, aber auch Erschöpfung, Gefühl der Isolation, keine Minute des Tages mehr zur Verfügung zu haben. Das hat sich bei den Geschwisterkindern verändert, weil ich mehr Erfahrung hatte. Aber der Anfang wäre für uns alle leichter mit Elternzeit gewesen. Heute teilen mein Mann und ich uns Erziehung und Einkommen, aber dazwischen liegen viele Jahre. Mein Mann ist im Alltag unverzichtbar. Ohne ihn ginge es gar nicht.
Der Interview führte Bettina Göbner
