Internetangebot hilft beim Kircheneintritt

Interview mit dem Koordinator von "katholisch-werden.de"
Austreten aus der katholischen Kirche geht schnell - aber was, wenn ich wieder eintreten oder die Konfession wechseln will? In der Regel sind für diese Fragen entweder der Pfarrer vor Ort oder Mitarbeiter der City-Pastoral die ersten Ansprechpartner.Doch oft fühlen sich Menschen unwohl bei dem Gedanken, mit einem Fremden über das sehr private Thema des Kircheneintritts zu sprechen.
Damit Interessenten ihre erste Hemmschwelle überwinden können, bietet die katholische Kirche mit www.katholisch-werden.de eine Alternative im Internet an. Über 300 Ansprechpartner in allen 27 Bistümern Deutschlands betreuen die Interessenten und begleiten diese auf ihrem Weg in die katholische Kirche.
Stefan Kemmerling ist theologischer Referent bei der Katholischen Glaubensinformation (kgi) und verantwortlich für das Portal katholisch-werden.de. Im Interview mit katholisch.de spricht der 57-Jährige über das Angebot.
katholisch.de: Herr Kemmerling, warum nutzen Sie ausgerechnet das Internet, um Menschen, die in die Kirche eintreten wollen zu erreichen?
Kemmerling: Weil das Internet so niedrigschwellig ist und viele Menschen heute nicht nur einen Großteil ihrer Kommunikation über das Netz abwickeln, sondern das Medium auch als Informationsquelle nutzen. Diejenigen, die zum Beispiel nicht getauft oder evangelisch sind, wissen meistens nicht, wer für sie überhaupt zuständig ist. Außerdem sehen viele eine Hürde darin, zum örtlichen Pfarrer zu gehen. 'Katholisch-werden.de' bietet somit den Menschen eine erste Orientierungshilfe an und Informationen, wie man wieder oder neu in die Kirche eintreten kann. Es ist wichtig, dem Interessenten den ersten Kontakt so einfach wie möglich zu machen.
katholisch.de: Wenn ich nicht meinen Ortspfarrer als ersten Ansprechpartner wähle, wie verläuft die erste Kontaktaufnahme über 'katholisch-werden.de'?
Wie alles begann ...
2003 startete das Projekt auf Initiative von Pastoral- referent Mathias Heidemann aus dem Bistum Osna-brück. Es war so erfolgreich, dass sich die Katholische Glaubensinformation (KGI) daran beteiligte. Die Deutsche Bischofskonferenz unterstützte das Portal mit finanziellen Fördermitteln. 2007 übernahm die KGI "katholisch-werden.de" dann alleinverantwortlich.
katholisch.de: Treten aufgrund des Internetangebotes mehr Menschen in die Kirche ein?
Kemmerling: Genaue Untersuchungen darüber gibt es nicht. Aber es finden sicherlich viele den Weg über unser Angebot. Allein über den E-Mail-Kontakt vermitteln wir etwa 1.000 Personen im Jahr.
katholisch.de: Gibt es Phasen, in denen Menschen verstärkt wieder eintreten wollen?
Kemmerling: Zu Beginn des Papstwechsels im Mai 2005 und des Weltjugendtags in Köln gab es ein besonders hohes mediales Interesse an unserem Portal. Da die Internetseite in vielen Medien vertreten war, hatten wir im Monat etwa 150 elektronische Anfragen - also knapp das Doppelte wie sonst üblich. Mittlerweile ist wieder der Alltag eingekehrt und ich habe nicht den Eindruck, dass einzelne Termine zu einer verstärkten Nachfrage führen.
katholisch.de: Warum wollen viele letztendlich wieder zurück zur Kirche?
"Der Interessent muss dem An-sprechpartner deutlich machen, dass es ihm ernst ist und nicht nur eine Laune. Ich trete ja keinem Verein bei!" Stefan Kemmerling
katholisch.de: Wie schnell kann ich denn wieder katholisch werden?
Kemmerling: Das kommt auf die individuelle Situation an. Im Gespräch mit dem Interessenten versucht der kirchliche Ansprechpartner, dessen Motivation herauszufinden. Der Interessent muss ihm deutlich machen, dass es ihm ernst ist und nicht nur eine Laune. Ich trete ja keinem Verein bei! In einigen Fällen werden mehrere Gespräche geführt. Der Pfarrer füllt abschließend entsprechende Papiere aus und dann ist es wieder eine individuelle Absprache, ob und wie die Aufnahme in die Gemeinde gefeiert werden soll - zum Beispiel im Rahmen eines Gottesdienstes.
katholisch.de: Wie sehen die weiteren Pläne von 'katholisch-werden.de' aus?
Kemmerling: Wir sind interessiert an der Profilierung und dem Ausbau der Internetseite. Nun hat die Deutsche Bischofskonferenz beschlossen, dass die kgi zum Jahresende geschlossen werden soll. Wir haben im Moment keine Informationen, ob und in wiefern das Projekt bestehen bleibt. 'Katholisch-werden.de' ist ein erfolgreiches Angebot und wir würden uns wünschen, daß es weitergeführt wird.
Das Interview führte Saskia Gamradt (katholisch.de)
