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"Internetbekanntschaften haben eine Chance"

Hannspeter Schmidt
© Erzbistum Köln
Hannspeter Schmidt ist Leiter der Beratungsstelle für Ehe-, Familie- und Lebensberater im Erzbistum Köln.

Lebensberater Schmidt im Interview über Online-Flirts

Viele Singles fühlen sich oft einsam, doch statt Affären und Abenteuer suchen sie eine beständige Partnerschaft. Unter ihnen sind auch viele Christen, die christliche Online-Portale zu Hilfe nehmen. Hannspeter Schmidt, Lebensberater und Leiter der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Erzbistum Köln gibt im Interview mit katholisch.de Tipps für das Flirten im Internet und warnt davor, zu viel Persönliches preiszugeben. 

katholisch.de: Herr Schmidt, warum suchen einige Singles gezielt einen christlichen Partner?

Schmidt: In der Beratungsstelle haben wir die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die eine tragfähige kirchliche Sozialisation haben, ihren Glauben auch in einer Partnerschaft leben wollen. Oft ist es für sie schwer, in ihrem Umfeld einen ähnlich gesinnten Partner zu finden. Sie wollen sich die Enttäuschungen ersparen und hoffen auf christlichen Internetportalen für Singles auf einen Menschen zu treffen, der ihre Glaubensauffassung teilt.

katholisch.de: Ist der christliche Glaube ein Garant für eine erfüllte Partnerschaft?

Schmidt:
Nein, das habe ich nicht festgestellt. Mit dem christlichen Glauben ist eher die Hoffnung verbunden, eine tragfähige Partnerschaft zu finden, die auch in der Ehe mündet. Dahinter steckt ein sakramentales Eheverständnis. Dies verbinden christliche Singles mit einer entsprechenden Erwartungshaltung, die Untreue ausschließt und eine exklusive Partnerschaft einschließt. Aber viele sind kritisch genug und wissen, dass das ‚Christsein’ keine Garantie für eine erfüllte Partnerschaft ist.

"Zu den goldenen Regeln für Kontaktgesuche gehört, dass ein User nicht alle Informationen über sich preisgibt." Hannspeter Schmidt

katholisch.de: Wie unterstützen Sie allein stehende Christen bei der Partnersuche?

Schmidt:
Wir versuchen, die vielleicht über Jahre gewachsene Zurückhaltung, Schüchternheit und mangelnde soziale Kompetenz des allein Stehenden aufzuheben. Gemeinsam mit dem Klienten überlegen wir, wo er hingehen kann, um andere Menschen zu treffen – sei es in einen Verein oder in einen Kurs an der Volkshochschule. Wenn die Klienten darüber hinaus selber die Idee haben, im Internet nach einem Partner zu suchen, betreuen wir sie dabei. Doch mittlerweile gibt es einige Regeln, wie man sich im Netz verhalten sollte.  

katholisch.de: Worauf sollten User bei Online-Flirts achten?

Schmidt:
Zu den goldenen Regeln für Kontaktgesuche gehört, dass ein User nicht alle Informationen über sich preisgibt. Zudem sollte sich ein Single nur an seriöse Agenturen wenden, die getestet und für gut befunden wurden. Darüber hinaus gibt es Regeln für den Flirt im Netz: Der User sollte schnell aus dem Bauch heraus entscheiden, ob der Andere zu einem passt oder nicht. Wenn das Bauchgefühl nicht stimmt, sollte er den Kontakt besser abbrechen. Weitere Versuche bringen dann nichts.

katholisch.de: Haben Beziehungen, die aus Internet-Bekanntschaften hervorgehen, eine Chance?

Schmidt: Ja. Ab und zu berichten meine Klienten darüber, dass sie in einer Beziehung leben, die sich aus einer Internet-Bekanntschaft entwickelt hat. Sie erzählen auch von Bekannten und Freunden, bei denen es ähnlich war. Aber mein Eindruck ist, dass Internet-Beziehungen eher in der Minderzahl sind. Die Chancen, dass eine solche Bekanntschaft zu einer tragfähigen Partnerschaft wächst, sind eher gering.

"Wenn ich die Person in der Realität treffe, kann ich sie ganz anders wahrnehmen als sie sich vorher auf dem Portal dargestellt hat." Hannspeter Schmidt

katholisch.de: Warum ist das so?

Schmidt:
Dafür gibt es mehrere Gründe. Mittlerweile sind Internet-Kontaktbörsen weit verbreitet und viele Singles wollen es einfach mal ausprobieren. Dabei spielt im Internet die Beliebigkeit eine Rolle. Sie flirten und chatten mit mehreren Usern gleichzeitig und werden dadurch wählerischer. Sie lesen die Profile und meinen, daran erkennen zu können, wer gut zu ihnen passt. In der Regel funktioniert dies aber nicht. Die Gefahr besteht darin, dass ich vieles hineininterpretieren kann. Wenn ich die Person dann in der Realität treffe, kann ich sie ganz anders wahrnehmen als sie sich vorher auf dem Portal dargestellt hat. Im Internet sind die Fehlerquoten hoch und die Trefferquoten niedrig.

katholisch.de: Inzwischen gibt es Agenturen, die anhand mehrseitiger Fragebögen konkrete Singleprofile erstellen und diese mit anderen vergleichen. Erhöht das die Trefferquote?

Schmidt:
Nein. Das Raster wird zwar enger und erhöht die Chance auf jemanden zu treffen, der ähnliche Interessen hat. Aber eine Garantie ist auch das nicht. Denn trotz vieler Auswahlkriterien kann ich letztendlich im Internet nicht das Temperament, die Ausstrahlung und den Charakter eines Menschen erleben. Das passiert erst, wenn ich ihm begegne.

Das Interview führte Saskia Gamradt (katholisch.de)

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