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Singles flirten im Internet

Frau und Mann schauen sich an.
© KNA

Allein Stehende suchen ihr Glück bei christlichen Kontaktbörsen

Hätte es damals schon christliche Internetkontaktbörsen gegeben, wären Isaak und Rebekka leichter zusammen gekommen. Doch bevor das berühmte Paar der Bibel die Liebe entdeckte, wurde ein armer Knecht in das rund 800 Kilometer entfernte Mesopotamien geschickt. Er sollte für den aufstrebenden Kanaaniter Isaak die Richtige finden. Aber nicht irgendeine Heidin. Die zukünftige Ehefrau sollte seiner Religion angehören, mit ihm eine Familie gründen und mit ihm alt werden. Tatsächlich fand der Gesandte sie: Rebekka. Eine hübsche, fürsorgliche und gläubige Frau. Zum Glück war es beim ersten Treffen von Isaak und Rebekka Liebe auf den ersten Blick.

Isaak hatte zwar genaue Vorstellungen von seiner Zukünftigen, doch der Knecht hätte auch mit der Falschen zurückkehren können. Heutzutage überlassen immer mehr der schätzungsweise elf Millionen Singles in Deutschland ihre Partnersuche nicht dem Zufall, sondern nehmen gebührenfreie oder kostenpflichtige Online-Vermittlungen wie „Paarship", "Neu.de" oder "FriendScout24" zu Hilfe.

Jeder fünfte Deutsche hat schon einmal jemanden über das Internet kennengelernt wie Umfragen, die 2007 von Bitcom durchgeführt wurden, belegen. Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2008 sind dabei besonders private Communitys wie "StudiVZ", "MySpace" oder "Wer-kennt-wen?" attraktiv. Nur neun Prozent der privaten Netzwerk-User suchen täglich gezielt nach Kontakten, aber immerhin 40 Prozent unternehmen die Suche wöchentlich.

Unter den Suchenden gibt es auch viele Christen, die Isaaks und Rebekkas der Neuzeit: im Glauben verwurzelt, engagiert in ihrer Gemeinde und mitten im Leben stehend. Wie andere Singles fühlen sie sich oft einsam, doch statt Affären und Abenteuer suchen sie eine beständige Partnerschaft mit einem Menschen, der ihren Glauben teilt.

Im Internet gibt es nur wenige Portale, die bei dieser speziellen Suche weiterhelfen. Aber nicht alle sind seriös. Einige Portale werben mit vermeintlich kostenlosem Service, rechnen aber ab, wenn das neue Mitglied seine erste Kontakt-E-Mail öffnen will. Tobias Zschöckner, Ingenieur aus Erlangen, hat solche schlechten Erfahrungen gemacht. Deshalb gründete er im April 2008 die Community "himmlisch-plaudern.de".

Ausschnitt der Internetseite himmlisch-plaudern
© himmlisch-plaudern.de
In der christlichen Community treffen sich gläubige Singles.

Christliche Singles treffen sich im Netz zum himmlischen Plausch

Von Anfang an stieß das Portal auf Interesse. In den ersten neun Monaten haben sich bereits 4.200 User angemeldet. "In den vergangenen Monaten sind die Anmeldezahlen um etwa 20 Prozent gestiegen", freut sich Zschöckner.

In diesem deutschlandweiten und kostenfreien Internetportal sucht der 39-jährige "Zucchero" eine lebensfrohe Sie oder "Anjapiranja", 23, einen treuen Er – und das mit Gottes Hilfe. "Mit diesem Angebot wollen wir allen eine Plattform bieten, denen der christliche Glaube im Lebensalltag wichtig ist und die ihn mit ihrem zukünftigen Partner teilen wollen", erklärt Webseiten-Betreiber Zschöckner.

Die meisten der registrierten Katholiken und Protestanten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Wer mehr von sich preisgeben will, nutzt die erweiterte Steckbrieffunktion. Dort erzählen die Singles detailliert von ihren Hobbies und Vorlieben, aber auch von ihrem Glauben: "Welche Konfession hast Du?"‚ "Wie hast Du zum Glauben gefunden?" oder "Was ist Dir am Gottesdienst besonders wichtig?" sind nur einige der vorgegebenen Fragen.

Viele meinen, dass ein detailliertes Profil ihnen hilft, den Traumpartner zu finden, sagt der Leiter der katholischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen in Köln, Hannspeter Schmidt. Doch häufig kommt es zu Enttäuschungen, weil sich der User aufgrund des Profils falsche Vorstellungen vom Anderen macht und seine Wünsche hineininterpretiert. Der im Internet so interessant wirkende Intellektuelle entpuppt sich dann im wahren Leben als überheblicher Besserwisser. Aus diesem Grund schätzt der Lebensberater die Chancen, dass Internetbekanntschaften zu einer tragfähigen Partnerschaft wachsen, eher gering ein.

Eine weitere Gefahr des Internetflirts besteht darin, dass Singles bewusst in ihrem Profil Angaben machen, die nicht der Wahrheit entsprechen. Sie gaukeln den anderen Sportlichkeit, grandiose Kochkünste oder virtuose Fähigkeiten am Klavier vor, obwohl sie sich als Stubenhocker von Fastfood ernähren und Beethovens "Für Elise" nur im CD-Regal stehen haben. Damit  keine "Schwarzen Schafe", Heiratsschwindler oder Betrüger in der Community landen, überprüft einer der zehn Seitenbetreuer von "himmlisch-plaudern.de" jede Anmeldung genau. Die Zahl der Beschwerden über nicht ernst gemeinte Mitgliedschaften sei gering, versichert Zschöckner.

Im Gegenteil: bei so manch einem Christen hat es über Bundeländergrenzen hinweg gefunkt. Doch die möglichen Folgen einer entstehenden Fernbeziehung muss beim Online-Flirt bedacht werden. Aber schließlich zierte sich die biblische Rebekka auch nicht, zu Isaak ins ferne Kanaan zu ziehen - Hochzeitsfeier inklusive.

Von Saskia Gamradt
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