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Die Verwandlung

Am zweiten Fasten-Sonntag liest der Pfarrer aus dem Markus-Evangelium

Am zweiten Sonntag in der Fastenzeit, am 8. März, liest der Priester die Verse 2 bis 10 aus dem 9. Kapitel des Markus-Evangeliums. Sie erzählen von der Verwandlung Jesu auf einem hohen Berg. Jesus war mit Petrus, Jakobus und Johannes hinaufgestiegen. Und plötzlich sahen die Jünger Jesus anders. Sein Gesicht leuchtete, und seine Kleider wurden strahlend weiß. Auch Mose und Elija erschienen ihnen, und Gott sprach zu den Jüngern: "Das ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören."

Jemanden in einem anderen Licht sehen

Die Jünger sahen Jesus verwandelt. Ist es dir auch schon einmal passiert, dass du jemanden plötzlich wie verwandelt, wie in einem ganz anderen Licht siehst? Vielleicht hattest du Vorurteile gegen einen anderen Menschen. Und dann musstest du feststellen, dass diese unbegründet und dumm waren. Laura und Lukas ist so etwas vor kurzem passiert. Laura erzählt:

Blöder Typ im feinen Anzug

Durch den Park hinter unserem Haus fließt ein breiter Bach. Hier spielen Lukas und ich oft bei gutem Wetter. Aber im Augenblick führt der Bach viel Wasser und hat gefährliche Strömungen. Deshalb dürfen wir nicht zu nah ans Wasser heran, haben unsere Eltern gesagt. Durch den Park geht jeden Nachmittag ein junger Mann. Er trägt einen Anzug mit Krawatte und einen Aktenkoffer. Lukas und ich finden ihn doof. Bestimmt bildet er sich etwas  auf seinen feinen Anzug ein. Wir machen uns immer lustig über ihn. Aber der eingebildete Typ im Anzug tut so, als hätte er es nicht gehört.

Mohrle landet im Wasser

Vor ein paar Tagen ist Mohrle, meine Katze, durch den Garten in den Park entwischt. Plötzlich machte sie einen Satz und wollte über den Bach springen. Das schafft sie im Sommer immer. Denn da ist der Bach viel schmaler als jetzt. Doch oh weh! Mein Kätzchen landete mitten in einer der gefährlichen Strömungen. Mohrle  maunzte und zappelte. Aber das Wasser trug sie fort. Ich schrie und weinte. Und Lukas rannte den Bach entlang. Aber er konnte ja auch nichts machen.

Die Rettung der Katze

Da kam der junge Mann im Anzug vorbei. Er erkannte sofort, was passiert war. Denn Mohrle miaute ganz laut vor Angst. Der Mann legte seinen Aktenkoffer auf die Wiese, krempelte seine Hosenbeine hoch und stieg ins eiskalte Wasser. Mit festem Griff packte er mein Kätzchen, nahm es in die Arme und hüllte es in seine Jacke. Dann gab er mir Mohrle und meinte: "Da hat dein Kätzchen noch mal Glück gehabt. Nun bring es schnell ins Haus, damit es sich aufwärmen kann." Mir blieb die Sprache weg, und ich brachte nur ein leise gemurmeltes Dankeschön heraus.

Stefan ist richtig nett!

Lukas und ich waren sprachlos. Das hätten wir nie von dem Mann mit Anzug gedacht. Am nächsten Tag passten wir ihn ab und schenkten ihm eine Schachtel Pralinen. Die hatte Mama uns gegeben. Der junge Mann bedankte sich, lächelte uns an und fragte, wie es Mohrle geht. Er erzählte uns, dass er Stefan heißt, 21 Jahre alt ist, eine Ausbildung bei der Bank macht und deshalb immer einen Anzug tragen muss. Er war sehr nett. Am Abend meinte Lukas: "Der Stefan ist so nett, und wir waren so blöd!" "Ja", sagte ich, "und das tut mir richtig Leid." Meine Mama meinte abends: "Man sollte sich nie vom Äußeren eines Menschen blenden lassen. Das sagt noch gar nichts aus. Wichtig ist, ob jemand einen guten Kern hat. Und den erkennt man nicht mit den Augen, sondern nur mit dem Herzen."

Illustration: Susanne Mix

Von Margret Nußbaum
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