"Wir laden auch die ein, die suchen und zweifeln"

Judith Rupp über die Vorbereitung auf die Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 in Trier
Vom 13. April bis zum 13. Mai 2012 findet die Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier statt. Die erste Wallfahrt im 21. Jahrhundert steht unter dem Motto "Und führe zusammen, was getrennt ist". Das Bistum rechnet mit rund 500.000 Pilgern. Das muss gut vorbereitet sein, sowohl organisatorisch als auch spirituell. Katholisch.de hat bei Judith Rupp, der Pressesprecherin der Wallfahrt, angeklopft und einmal gehorcht, wie die Vorbereitungen laufen.katholisch.de: Frau Rupp, wie ist die Idee für die Heilig-Rock-Wallfahrt entstanden?
Rupp: Diese Wallfahrt hat eine lange Tradition. Das Jahr 2012 ist bewusst gewählt worden, da es ein historisches Datum ist. Die erste Wallfahrt dieser Art war 1512, also vor 500 Jahren. Damals gab es die erste öffentliche Ausstellung dieser Tuchreliquie - sie ist von besonderer historischer Bedeutung, weil das Volk sich diese Zeigung erzwungen hat. Es war Reichstag in Trier und als Kaiser Maximilian I. kam, hat dieser vom damaligen Bischof verlangt, die Reliquie zu sehen. Als die Menschen davon hörten, haben sie sich die öffentliche Zeigung quasi in einer 'Bewegung von unten' erstritten.
katholisch.de: Der Name "Heilig-Rock-Wallfahrt" legt eine Assoziation mit einem Rockfestival nahe. Was hat es damit auf sich?
Rupp: Das hören wir öfter und es kommen auch schon mal Telefonanrufe, in denen wir gefragt werden, welche Bands denn bei uns auftreten. Wir erklären dann, dass es sich um eine im Trierer Dom aufbewahrte Reliquie handelt. Der Tradition nach ist diese das unzerteilte Gewand Jesu Christi. Im Johannes-Evangelium wird davon berichtet, dass ein Teil der Gewänder Jesu nach dessen Kreuzigung verteilt wurden. Der Leibrock Jesu aber, der ohne Naht gewesen sein soll, wurde von den Soldaten für eine Zerteilung als zu kostbar befunden und darum haben sie um ihn gelost. Die Überlieferung sagt, dass die Heilige Helena, die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, diese Tunika aus dem Heiligen Land nach Trier gebracht hat.
Rupp: Die letzte Wallfahrt im Jahr 1996 war vom Charakter her eher als Bistumswallfahrt gedacht. Für 2012 haben wir gesagt: Wir laden weltweit ein, in allen Bezügen, in denen unser Bistum und die katholische Kirche steht. Das beginnt bei unserer seit über 50 Jahren währenden Bolivien-Partnerschaft, geht über die Verbindungen zu anderen Bistümern im In- und Ausland bis hin zu den Partnern in der ökumenischen Arbeit, die sich sehr in die Vorbereitungen dieser Wallfahrt einbringen. Wir laden auch nicht nur Christen ein, die in der Tuchreliquie ein Zeichen für Jesus Christus sehen, sondern wir laden auch die ein, die suchen und jene die zweifeln. Wir möchten alle Altersgruppen ansprechen. Derzeit stellen wir fest, dass gerade bei jungen Menschen ein großes Interesse besteht. Unsere Jugendpastoral bietet auch sehr viel an: zum Beispiel eine Kirche der Jugend, in der Jugendliche sich ihren Kirchenraum selbst gestalten können.
katholisch.de: Aktuell läuft das Vorbereitungsjahr – handelt es sich um die organisatorische Seite der Vorbereitung oder um die Spirituelle?
Rupp: Es ist etwas von beidem. Unserem Bischof Dr. Stephan Ackermann war wichtig, dass wir als Bistum nicht in die Wallfahrt 'hineinstolpern', sondern uns neben der organisatorischen Vorbereitung auch geistig und geistlich damit auseinander setzen. Daraufhin haben wir am 6. Mai 2011 das Jahr der geistlichen Vorbereitung gestartet. Wir haben es unter das Thema 'Erlösung' gestellt und um dieses Thema erfahrbar zu machen, haben wir anhand der Emmaus-Geschichte einen 'Erlösungsweg' aufgezeigt, der fünf Schritte hat: Dasein, Ohnmacht, Zuspruch, Lebendigkeit und Hoffnung. Wir stellen fest, dass eine große Zahl von Pfarreien, Verbänden, Dekanaten und Einrichtungen in unserem Bistum diese Gelegenheit ergreifen und viele Aktionen im Zugehen auf die Wallfahrt machen. So gehen zum Beispiel Pfarreiengemeinschaften, die zum 1.September neu gegründet wurden, gemeinsam einen Pilgerweg um sich besser kennenzulernen. Das ist ja auch unser Wallfahrtsmotto: 'Und führe zusammen was getrennt ist.'
katholisch.de: Spirituell läuft die Vorbereitung also gut an, wie sieht es auf der organisatorischen Ebene aus?
Rupp: Organisatorisch sind wir schon seit vielen Monaten damit beschäftigt, uns auf eine halbe Million Menschen einzustellen, die in dieser Zeit nach Trier kommen wird. Das heißt zum Beispiel, dass wir Plätze, Orte, Räume organisieren müssen, wo Veranstaltungen stattfinden können, von kleinen Gottesdiensten bis hin zu Groß-Gruppen-Gottesdiensten. Wir erarbeiten ein Verkehrskonzept und ein Sicherheitskonzept. Und wir versuchen festzulegen, wie ein Tag für die vielen Pilgerinnen und Pilger aussehen kann, Kultur- und Begleitprogramm und Verpflegung gehören natürlich auch dazu. Die Helfersuche bildet einen weiteren Schwerpunkt in unserer Organisation, wir brauchen insgesamt 2.500 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Momentan haben wir etwa 1.400, da müssen wir natürlich noch ein wenig nachlegen.
Unterkunft für Pilger
Dieser Bereich fällt nicht in die Organisation des Bistums, sondern wird von den Tourismus-Zentralen der Stadt Trier und der Umgebung übernommen. Die Tourismuszentrale können Sie unter folgenden Kontaktmöglichkeiten erreichen:
Telefon: 0651 / 97808-16
Fax: 0651 / 97808-69
http://www.trier-info.de/
hotel@trier-info.de
Rupp: Jeder ist eingeladen, sich als Helfer bei uns zu melden. Die Helfer müssen auch nicht katholisch sein. Wichtig sind die Freude an der Begegnung mit Menschen und die Bereitschaft, ein wenig Zeit für die Wallfahrt mitzubringen. Wir schulen die Helfer, sie werden von uns ausgestattet und verpflegt. Eine Übernachtungsmöglichkeit können wir in der Regel nicht stellen, daher kommen natürlich die meisten Helferinnen und Helfer aus der Umgebung von Trier. Aber im Einzelfall können wir bei engagierten Helfern, die an mehreren Tagen hintereinander helfen, auch mal eine Übernachtungsmöglichkeit organisieren. Wenn zum Beispiel jemand aus Hamburg sagt: 'Ich möchte gerne drei Tage herkommen und helfen', dann ist er herzlich eingeladen!
katholisch.de: Was erwartet die Wallfahrer konkret in dem Monat der Wallfahrt?
Rupp: In den 31 Wallfahrtstagen erwartet die Pilger ein großes Angebot: Neben den täglichen Pilgerzeiten im Dom wird es verschiedene Gottesdienstangebote geben, außerdem ein umfangreiches Kultur- und Begleitprogramm. Und die verschiedenen Pilgergruppen werden die Tage natürlich mitprägen.
Dazu kommen die inhaltlichen Schwerpunkte, die wir bei dieser Wallfahrt setzen. Der erste Schwerpunkt ist Pilgern. Das ist 'in', ganz klar. Von 1996 wissen wir, dass viele Menschen sich zu Fuß auf den Weg gemacht haben und zum Teil in mehreren Tagesetappen nach Trier gepilgert sind. Da haben wir angesetzt und geben den Menschen "Rüstzeug" mit auf den Weg. Dafür haben wir einen spirituellen Pilgerführer herausgegeben, ein Büchlein mit sieben Pilgerwegen aus dem ganzen Bistum Tier, die in mehreren Etappen gegangen werden können. Wir haben auch Kurz-Pilgerstrecken, rund um Trier, für Menschen die sich eine weite Strecke nicht zutrauen oder es zeitlich nicht schaffen. Aktuell läuft ein Kurs in dem Pilger-Begleiter ausgebildet werden, also Menschen die Gruppen begleiten, ihnen aber nicht nur den Weg weisen, sondern sie auch spirituell begleiten. Und wenn die Fuß- oder Radpilger dann in Trier ankommen, können sie sich in einer Pilgeroase am Trierer Brüderkrankenhaus erfrischen und stärken - ein sehr schönes Angebot, wie ich finde.
Der zweite Schwerpunkt heißt: Geistliche Gemeinschaften. Wir haben verschiedene Geistliche Gemeinschaften wie zum Beispiel Taize, Arche oder Emanuel eingeladen. Diese werden über die gesamte Wallfahrtszeit in unterschiedlicher Intensität in den vielen Kirchen in der Innenstadt präsent sein. Die Pilger können dort erleben wie geistliches Leben in einer solchen Gemeinschaft aussehen kann und sind eingeladen, sich zu beteiligen.
katholisch.de: Was müssen Pilger im Vorfeld beachten?
Rupp: Wir möchten die Gruppen bitten sich anzumelden. 1996 kamen 700.000 Pilger, angemeldet waren aber nur rund 110.000 Pilger. Daher haben wir bei dieser Wallfahrt natürlich ein großes Interesse daran, dass sich die Gruppen anmelden, einfach damit wir besser planen können und den Gruppen damit auch die Tage erleichtern können.
Hinweis: Weitere Informationen finden Sie unter www.heilig-rock-wallfahrt.de.
