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Heiligtumsfahrt 02.06.07 Seite drucken

36 Hammerschläge zur Öffnung des Marienschreins

Der Schrein wird geöffnet und die Heiligtümer entnommen.
© J. Damen/Bistum Aachen
Der Schrein wird geöffnet und die Heiligtümer entnommen.

Feierliche Vesper mit Bischof Mussinghoff zur Erhebung der Aachener Heiligtümer

Aachen - Mit 36 Hammerschlägen wurde am Freitagabend in Gegenwart von Bischof Heinrich Mussinghoff und Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden im Rahmen einer feierlichen Vesper das Schloss des Marienschreins im Aachener Dom zerschlagen. Danach nahm Domkapitular August Peters die Heiligtümer aus dem Schrein. Der Ritus der feierlichen Erhebung hatte begonnen mit der nach altem Brauch ausgesprochenen Bitte von Dompropst Dr. Herbert Hammans an den Bischof, im Namen des Domkapitels und der Stadt Aachen die Tür des Marienschreins öffnen zu dürfen. Die in Seidentücher eingewickelten Heiligtümer, die Windeln und das Lendentuch Jesu, das Kleid Mariens und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers wurden anschließend in der Domsakristei von Schwestern der Aachener Ordensgemeinschaften ausgepackt und dann zum ersten Mal seit sieben Jahren den Gläubigen zur Verehrung gezeigt. Die Unversehrtheit des Schlosses war durch den Oberbürgermeister und Dompropst Hammans geprüft worden. Mehr als 1500 Gläubige nahmen an der feierlichen Zeremonie teil.

„Um es gleich zu sagen: man kann gut katholisch sein, ohne Wallfahrten zu machen, ohne Reliquien zu verehren, ohne bestimmte Formen der Frömmigkeit zu pflegen“, sagte Bischof Mussinghoff in seiner Predigt. Dennoch lohne sich eine Beschäftigung mit dem, was die Betefahrt nach Aachen wolle. Viele hätten Hinterlassenschaften, die ihnen kostbar und heilig seien, die goldene Uhr des Großvaters, ein kostbarer Ring, der seit Generationen in der Familie weiter vererbt werde. Reliquien seien körperliche Überreste, Knochen, Kleidung, Kostbarkeiten, Bücher von den Menschen, die die Kirche als Selige und Heilige verehre. Es gebe Dinge, die uns an Menschen erinnerten, was sie bewegte, was sie für die Zukunft taten, was sie für uns heute noch so wertvoll und kostbar machten. Und weil die Überreste eines Menschen, die Gebeine, die Kleidung oft so unansehnlich seien, so der Bischof, hätten gläubige Menschen diese Reliquien in kostbare Schreine aus Gold und Edelsteinen geborgen und über diesen kostbaren Schreinen das große Glashaus von Aachen gebaut. Die kostbaren Fassungen sollten deutlich werden lassen, wie wertvoll und verehrungswürdig der unscheinbare Inhalt, die Erinnerung an diesen Menschen, das Vermächtnis seines Glaubens, seiner Hoffnung und seiner Liebe für uns heute sei.

Die Stoffreliquien aus dem Marienschrein, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen könnten, machten uns einen den Sinnen verborgenen und nicht begreifbaren Inhalt anschaubar, fühlbar und erfahrbar, nämlich die Begegnung mit Jesus, Maria und Johannes. Nur wer glaubend schaue, könne auf „Tuchfühlung“ mit Jesus gehen, habe es Bischof Klaus Hemmerle so unvergesslich formuliert. Nur wer glaubend schaue, könne die geistliche Erfahrung gläubiger Verbundenheit mit Jesus, Maria und Johannes machen. „Wer glaubend schaut“, schloss der Bischof seine Predigt, „dem ist die Echtheit dieser geistlichen Erfahrung weit wichtiger als die historische Echtheit der Reliquien.“

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