„Nicht gemacht für die Ewigkeit“

Goldschmied Stephan Bücken fertigt neues Schloss für den Aachener Marienschrein
Aachen - „Dieses Schloss ist nicht für die Ewigkeit gemacht. Wenn die Heiligtümer wieder in den Marienschrein zurückgelegt werden, wird der Schrein mit diesem Schloss versiegelt und das Schloss mit Blei ausgegossen und damit zerstört. Der Schlüssel wird zerschnitten, den Schlüsselbart bekommt die Stadt, den Schlüsselkopf das Domkapitel zur Aufbewahrung. Bei der nächsten Heiligtumsfahrt wird dieses Schloss dann von dem Goldschmied zerschlagen, der es gefertigt hat.“ Mit diesen Worten beschrieb Domkapitular Dr. August Peters, der 2007 schon das siebte Mal bei der Zerschlagung des Schlosses neben dem Goldschmied stehen und die Heiligtümer „erheben“ wird, die Bedeutung des neuen Marienschreinschlosses.Dieses wurde heute im Aachener Dom durch ihn, Dompropst Dr. Herbert Hammans und Ralf Leroy, Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung des Hohen Domes zu Aachen, vorgestellt. Entworfen und angefertigt wurde das Schloss vom Aachener Silberschmied Stephan Bücken. Die Rückseite des Schlosses zeigt den Stern von Bethlehem. Der Stern ist in Silber montiert und aufgelötet. Das Zentrum des Sterns bildet ein geschliffener Rutilquarz. In den Sternenschweif sind sieben Brillanten gefasst, die auf die sieben Wochentage, die sieben Heiligtümer und den siebenjährigen Rhythmus der Heiligtumsfahrten verweisen. Für die Vorderseite des Schlosses hat der Künstler einen Scharnierdeckel angefertigt. Darunter sind die Wappen des Bistums, des Domkapitels und der Stadt Aachen sowie die Jahreszahl 2007 eingearbeitet. Auf dem Scharnierdeckel befindet sich ein in Silber getriebenes, karolingisch anmutendes Kreuz. Die Mitte des Kreuzes ist durch eine Südseeperle hervorgehoben. Der Schlüssel ist aus Silber. Im Kopf ist die Prägung „1200 Jahre Dom zu Aachen“ eingefasst. Auf der Rückseite ist das Motto der diesjährigen Heiligtumsfahrt eingraviert.
Alle sieben Jahre findet die Aachener Heiligtumsfahrt in Aachen und Kornelimünster statt. "Kommt und ihr werdet sehen!" lautet das diesjährige Motto. Seit dem Mittelalter pilgern alle sieben Jahre Tausende von Menschen zum Aachener Dom und nach Kornelimünster. Sie wollen die Reliquien sehen, die dort gezeigt werden. Sieben Reliquien aus Stoff werden der Überlieferung nach verehrt als das Kleid Mariens, die Windeln Jesu, das Enthauptungstuch Johannes´ des Täufers und das Lendentuch Jesu. Das Schürztuch, das Grabtuch und das Schweißtuch Jesu werden seit dem 9. Jahrhundert in Kornelimünster aufbewahrt.
Auch in Mönchengladbach findet ab dem 7. Juni 2007 eine Heiligtumsfahrt statt. Bei dieser, ebenfalls im Rhythmus von sieben Jahren durchgeführten Wallfahrt, wird seit dem Mittelalter das Tuch, das beim Abendmahl Jesu auf dem Tisch gelegen haben soll, verehrt. Aufbewahrt wird dieses Tuch in dem versiegelten Abendmahlsschrein in der Gladbacher Münsterkirche, der während der gemeinsamen Fronleichnamsfeier in einer feierlichen Zeremonie geöffnet wird. Für die Dauer der Heiligtumsfahrt ist dieses Tuch in der Münsterkirche zu besichtigen.
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