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Weltjugendtag 38585 Seite drucken

Straffes Protokoll beim WJT

Papst Benedikt XVI. mit Bundespräsident Host Köhler
© KNA
Papst Benedikt XVI. und Bundespräsident Horst Köhler

Papst Benedikt XVI. traf in Köln hochgestellte Persönlichkeiten

Köln - Es war eine "Pastoralreise des Papstes zum Weltjugendtag", wie man von Anfang an im Vatikan betont hatte. Also weder in erster Linie ein Staatsbesuch noch eine Heimat-Visite. Anlass und Mittelpunkt der ersten Auslandsreise Benedikts XVI. vom 18. bis 21. August nach Köln war die Begegnung mit der katholischen Jugend der Welt. Daher war klar, dass auch der Besuch des "deutschen" Papstes sich auf Köln und Bonn beschränken würde, und dass er nicht um Etappen in Berlin oder München erweitert würde.

Aber natürlich ist der Papst auch Staatsoberhaupt und Pontifex. Daraus ergaben sich selbst für die Reise zu einem kirchlichen Jugendtreffen diplomatische Verpflichtungen: Gegenüber den kirchlichen und politischen Gastgebern, aber auch gegenüber der Gesellschaft des Besuchslandes. Seit Beginn der modernen Papstreisen bildet die Begegnung mit dem Staatsoberhaupt einen festen Bestandteil des Programms.

"Es war eine Sensation, dass ein Papst bei einer Auslandsreise eine jüdische Synagoge besuchte."

Daher traf das Kirchenoberhaupt zunächst Bundespräsident Horst Köhler auf dem Flughafen Köln-Bonn. Das Protokoll verlangte einen Gegenbesuch des Gastes in der Villa Hammerschmidt in Bonn. Anders als bei einem Staatsbesuch wurden dabei aber keine Ansprachen gehalten. Zum Besuchsprofil gehörten außerdem kurze Audienzen des Papstes für Vertreter aus Politik und Regierung: für den Bundeskanzler, den Bundestagspräsidenten, den Ministerpräsidenten des Gastlandes sowie die Oppositionschefin. Sie alle suchten den Papst in seinem Gastquartier, dem Erzbischöflichen Haus in Köln, auf.

Aber Benedikt XVI. setzte mit seinem Köln-Programm auch Akzente, die über den gebotenen Protokoll-Rahmen hinausgingen - und der Reise ein ganz besonderes, in dieser Deutlichkeit zunächst nicht erwartetes Profil gaben. Es war eine Sensation und eine Premiere, dass ein Papst im Rahmen einer Auslandsreise eine jüdische Synagoge besuchte. Gerade im 60. Jahr nach Kriegsende hatte es hohe Symbolkraft, dass der "deutsche" Papst in seinem vom Drama des Holocaust geprägten Heimatland die Begegnung mit dem Judentum
suchte - als Signal, dass sich die Ereignisse der Vergangenheit nicht wiederholen dürfen.

Neben der Begegnung mit dem Judentum durfte beim Papstbesuch im konfessionell gespaltenen Deutschland eine ökumenische Begegnung nicht fehlen. Allerdings besuchte der Papst dazu kein evangelisches Gotteshaus, sondern empfing Gäste der anderen christlichen Kirchen in seinem Gästehaus.

Papst Benedikt XIV. breitet die Arme aus.
© KNA
Papst Benedikt XVI. während seiner Schifffahrt auf dem Rhein.

War der Ökumene-Termin zu erwarten gewesen - auch wenn der genaue Ort im Programm lange unklar blieb - so war die Begegnung mit Muslimen die zweite "Überraschung" des Papstbesuchs. An der gleichen Stelle wie den Bundeskanzler und die ökumenischen Partner traf Benedikt XVI. in seiner Kölner Residenz die "Vertreter einiger muslimischer Gemeinden". Damit trug er nicht nur dem hohen muslimischen Bevölkerungsanteil in Köln Rechnung. Gerade diese Begegnung erlangte als Signal des interreligiösen Friedensbemühens herausragende Bedeutung und widerlegte Vermutungen, Benedikt XVI. messe im Gegensatz zu seinem Vorgänger Johannes Paul II. dem Gespräch mit dem Islam nur geringe Bedeutung bei.

Kern des päpstlichen Köln-Programms blieb trotz all dieser zusätzlichen Akzente freilich der Weltjugendtag. Die rheinischen Planer konnten stärker als die Organisatoren einiger früherer Jugendtreffen ihr Lokal-Kolorit in das Programm einbringen - den Sorgen der Sicherheitsplaner zum Trotz: Die Schifffahrt auf dem Rhein vor der Kulisse von Dom und romanischen Kirchen, die Ansprache auf Höhe der Poller Rheinwiesen, der Besuch im Kölner Dom, die kurze Rede auf dem Roncalli-Platz, und die symbolische Pilgerfahrt entlang einiger zentraler Punkte, die mit den berühmtesten Heiligen der Stadt von Gereon bis Edith Stein verbunden sind. Höhepunkte des Papstbesuchs waren jedoch die beiden Feiern auf dem Marienfeld bei Kerpen: Die Gebetsvigil und die Schlussmesse des
20. Weltjugendtages.

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