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Kloster Mallersdorf

Kloster Mallersdorf Rundblick
© Kloster Mallersdorf
Heutige Ansicht des Klosterbergs von Mallersdorf vom Süden aus gesehen.

Vom Zauber des Klosterbergs

Denkt man an bayerische Mönche und Mittelalter, so fällt einem wohl unweigerlich das Klischeebild des Bier brauenden und trinkenden Mönchs ein. Und tatsächlich: Auch das im 12. Jahrhundert gegründete Kloster Mallersdorf in Niederbayern ist bis heute vor allem durch sein Bier bekannt. Allerdings herrscht hier über die Braukessel eine Frau: die Franziskanerin Schwester Doris. Sie ist weltweit die einzige brauende Ordensschwester und das schon seit 40 Jahren.

In der Klosterbrauerei werden jährlich 3.000 Hektoliter Bier gebraut. Denn auch die Touristen haben mittlerweile die Vorzüge dieses sonst eher beschaulichen Ortes entdeckt: Immer mehr Busse finden den Weg zum Klosterberg nach Mallersdorf, in die niederbayerische Hügellandschaft zwischen Regensburg im Norden und Landshut im Süden.

Nicht wenige der Besucher decken sich dabei mit dem süffigen Getränk ein, das Schwester Doris mit ihren zwei Angestellten herstellt. Wahlweise direkt in der Klosterbrauerei oder auch im Klosterbräu-Stüberl.

Jubiläum Kloster Mallersdorf
© Kloster Mallersdorf
Gruppenbild mit zwei Damen: P. Gregor Zippel OSB, Bgm. Karl Wellenhofer, Sr. M. Jakobe Schmid; Abt P. Wolfgang M. Hagl OSB, Sr. M. Hiltrud Baumer; Superior Dr. Wilhelm Gegenfurtner, P. Emmeram Geser OSB, P. Gregor Zasche OSB, P. Hermann Josef Kugler, P. C

Zuerst waren die Benediktiner da

Das Kloster im Landkreis Straubing-Bogen, in dem heute die Franziskanerinnen leben, war ursprünglich eine Männerabtei. 1109 legten fünf Benediktinermönche vom Michelsberg in Bamberg den Grundstein für das Anwesen auf dem Johannesberg in Mallersdorf.

„Sie haben auf einen alten Stamm eine neue Art von Baum aufgesetzt und diesen erblühen lassen“, gratulierte denn auch Benediktiner-Abtpräses Gregor Zasche OSB den heute hier lebenden „Mallersdorfer Schwestern“ zum diesjährigen 900. Kloster-Jubiläum. Erst 1869 haben die „Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie“, wie die Mallersdorfer Schwestern offiziell heißen, den nach der Klosteraufhebung im Jahr 1803 im Privatbesitz befindlichen Teil des Klosters erworben.

In den Jahrhunderten zuvor hatten die Benediktiner diesen Ort zu einem weithin leuchtenden Zentrum für Religion und Kultur mit einer berühmten Bibliothek in seiner Mitte gemacht. Die Abtei erhielt aufgrund ihrer Ausstrahlung sogar den Titel „sedes sapientiae“ (Sitz der Weisheit). Doch 1803 findet diese Geschichte in der Aufhebung, der Säkularisierung, ihr Ende. Der Staat wird Eigentümer des Klosters, die Mönche müssen ihre Heimat verlassen.

Paul Josef Nardini
© Bistum Speyer
Der Pirmasenser Pfarrer Paul Josef Nardini gründete die Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie.

Wie die Schwestern nach Mallersdorf kamen

Heute ist Kloster Mallersdorf untrennbar mit dem Namen des Ordensgründers, Pfarrer Paul Josef Nardini, verbunden. Aufgrund der drückenden sozialen Not seiner Zeit rief er mit zwei jungen Frauen am 2. März 1855 in Pirmasens  eine caritative Klostergemeinschaft ins Leben, die er dem Franziskanerorden angliederte: die „Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie“. Im Armenkinderhaus von Pirmasens fand die junge Klostergemeinschaft ihre erste Heimat.

Als die Ordengemeinschaft aber rasch wuchs und beim frühen Tod Nardinis 1862 bereits 250 Mitglieder hatte, wurde das erste Ordenshaus in Pirmasens zu klein. Die Gemeinschaft fand in Bayern, in dem leer stehenden Benediktinerkloster Mallersdorf ihre neue Bleibe. Aus den Ordensfrauen wurden die „Mallersdorfer Schwestern“. Seit 1913 erweiterten sie die Klosteranlage noch um viele weitere Gebäude auf dem Klosterberg. Im Oktober 2006 konnten sich die Franziskanerinnen schließlich über eine besondere Anerkennung ihres Gründers freuen: Josef Nardini wird im Speyerer Dom selig gesprochen.

Schwestern beim Brotbacken
© Kloster Mallersdorf
Schwestern backen das klostereigene Brot.

Heutige Aufgaben und Wirkungen

Seit Beginn versuchen die „Mallersdorfer Franziskanerinnen“ in zeitgemäßen Formen den Auftrag ihres Stifters umzusetzen. Sie betreuen, erziehen und bilden Kinder und Jugendliche in Kindergärten, Horten, Heimen und Schulen, um ihnen einen guten Lebensstart zu ermöglichen.

Die Schwestern pflegen kranke und alte Menschen, sowohl in Krankenhäusern und Altenheimen, wie auch ambulant in Wohnungen, sie übernehmen Dienste in Sozialstationen, Pfarreien, kirchlichen Bildungshäusern und als sozialpädagogische Familienhilfe.

Die Ordensfrauen sind heute vor allem auch in der Mission tätig, unter anderem in Rumänien und in Südafrika. Auch dort betreuen sie hauptsächtlich Kindertagesstätten, Kinderheime und sind in Krankenhäusern und Altenheimen aktiv.

In den 82 Niederlassungen der Mallersdorfer Schwestern leben derzeit insgesamt 1.036 Schwestern, 510 davon in Mallersdorf.

Schwester Doris aus Mallersdorf
© Kloster Mallersdorf
Schwester Doris ist die Braumeisterin des Klosters.

Hohes Alter durch gesunde Lebensweise

103 Jahre alt ist die älteste Franziskanerin im Kloster. Schwester Doris, die brauende Schwester weiß auch warum: „Zu jeder Mahlzeit gibt es bei uns Bier, außer beim Kaffee“, Sie bescheinigt dem mäßigen Bierkonsum eine positive Wirkung auf den Organismus. Außerdem müssen sich laut Ordensregeln die Schwestern ja auch selbst versorgen. Deshalb betreiben sie neben der Brauerei, deren Gerste übrigens aus Eigenproduktion stammt, in Mallersdorf noch eine Bäckerei, Landwirtschaft mit Vieh, eine Imkerei, sowie ein Schlachthaus und Gärten.

Warum das Mallersdorfer Bier so gut schmeckt, weiß Schwester Doris ebenfalls ganz genau: „Wir machen vieles von Hand“, sagt sie, „aber gebraut wird bei uns, wie mir die Nase steht.“ Und das ist ihr ganzes Geheimnis. Sie liebt klare Worte. Und die benutzte sie auch, als vor einigen Jahren die Trinkgewohnheiten im Kloster „modernisiert“ werden sollten. Statt Bier sollte es während der Fastenzeit nur noch Mineralwasser geben: „Nonsens“, sagte Schwester Doris. „Mineralwasser müssen wir kaufen, das Bier haben wir selbst.“
Von Markus Schüppen
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