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Vatikan-Dokument zum Kirchenverständnis verärgert Protestanten

Bischöfin Margot Käßmann und Kardinal Walter Kasper
© KNA
Die evangelische Bischöfin Käßmann mit Kurienkardinal Kasper

Bischöfin Käßmann nannte das Dokument einen "erheblichen Dämpfer für die Ökumene"

Vatikanstadt/Bonn (KNA) Ein neues Dokument der Römischen Glaubenskongregation zur Einzigartigkeit der katholischen Kirche ist auf scharfe Kritik von Protestanten gestoßen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, rief unterdessen zum weiteren ökumenischen Gespräch auf. Das am Dienstag im Vatikan veröffentlichte Dokument und ein dazugehöriger Kommentar betonen das Selbstverständnis der katholischen Kirche, die nicht von der Überzeugung ablasse, "die einzige wahre Kirche Christi zu sein".
In dem vom Papst Benedikt XVI. gebilligten Papier wird zwar betont, dass auch andere christliche Gemeinschaften "zweifellos einen kirchlichen Charakter und einen daraus folgenden Heilswert haben". Zugleich werden aber auch die Defizite herausgestellt, die sie nach katholischer Auffassung aufweisen. So fehle den aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangenen Gemeinschaften die apostolische Nachfolge und die gültige Eucharistie. Und auch die von Rom getrennten Ostkirchen litten trotz Übereinstimmung in der Sakramentenlehre und der apostolischen Nachfolge unter einem Mangel, weil sie das Papstamt nicht anerkennen.

"Ökumenisch brüskierend"

Die evangelische Kirche reagierte enttäuscht. Das Dokument sei eine vertane Chance und wirke "ökumenisch brüskierend", erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, in Hannover. Der Text erweise sich als unveränderte Neuauflage der Aussagen der Vatikan-Erklärung "Dominus Iesus" aus dem Jahr 2000. Die damals als missglückt interpretierte Formulierung, die evangelischen Kirchen seien "nicht Kirchen im eigentlichen Sinn", werde nun vorsätzlich wiederholt. Die Einsicht bleibe unberücksichtigt, dass ökumenische Fortschritte wechselseitigen Respekt für das Kirchesein des Partners voraussetzten.

Die Hannoveraner Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Erklärung der Römischen Glaubenskongregation als "erheblichen Dämpfer für die Ökumene" kritisiert. "Wir sind sehr wohl Kirche nach unserem Verständnis", sagte die evangelische Bischöfin dem NDR-Hörfunk. Es sei ein "Trauerspiel, das ökumenische Pflänzchen so austrocknen zu lassen". Notwendig sei mehr Miteinander "statt solcher Abgrenzungsversuche".

Lehmann rief zur Fortsetzung des ökumenischen Dialogs auf. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz räumte in Bonn ein, dass die Stellungnahme der Glaubenskongregation "hart erscheine". Sie lasse aber "grundlegend Raum, die anderen Kirchen nicht nur moralisch, sondern theologisch als Kirchen zu achten". Lehmann weiter: "Die Gleichsetzung Kirche = katholische Kirche wird eingeschränkt."

Nach seinen Worten hat die katholische Kirche zwar ihren Anspruch nicht preisgegeben, dass man in ihr die Kirche Jesu Christi finde. Sie habe aber ihren Absolutheitsanspruch im Sinne einer puren Identifikation reduziert und erblicke in den anderen christlichen Glaubensgemeinschaften "eine wirkliche Anteilnahme am Kirchesein". Der eigene Anspruch dürfe nicht zu irgendeiner Überheblichkeit führen, so Lehmann. Denn durch die Spaltungen sei auch die Fülle der katholischen Kirche eingeschränkt.

Der Catholica-Beauftrage der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Bischof Friedrich Weber, kritisierte, die vatikanische Theologie isoliere sich selbst, indem sie sich und ihre theologischen Grundsätze absolut setze. Der Text mache sichtbar, "wie sich die offizielle Lehre der Kirche immer weiter von den ökumenischen Realitäten entfernt". In vielen katholischen Gemeinden werde auf "pures Unverständnis" stoßen, dass den evangelischen Kirchen zum wiederholten Male ihr Kirchesein abgesprochen werde.

(C) KNA (Alle Rechte vorbehalten)

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