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Die Siedler von Kanaan im Praxistest

Menschen spielen das Brettspiel
© katholisch.de
Mit vollem Eifer werden Straßen, Siedlungen und Städte gebaut, um Kanaan zu besiedeln.

Ein kommunikatives Bibelspiel mit berühmtem Vorbild

1995 räumte ein Spiel fast alle Preise ab, die es zu vergeben gab. Als „Spiel des Jahres 1995“ eroberte sich „Die Siedler von Catan“ eine große Fangemeinde, die sich aus Alt und Jung zusammensetzt. Grund dafür war ein Spielsystem, welches unzählige Variationen erlaubt. Jetzt liegt dieser Klassiker in einer biblischen Variante vor: „Die Siedler von Kanaan“. Und die Ähnlichkeit des Namens ist Programm, denn der Spielaufbau basiert zum großen Teil auf dem Erfolgsrezept des großen Bruders.
„Hat jemand Lehm?“, „Ich brauche Weizen und gebe Erz!“, „Wer hat denn Holz? Für zweimal Wolle!“ – Bei „Die Siedler von Kanaan“ ist Kommunikation von besonderer Bedeutung.

Deckel des Brettspiels
© katholisch.de
Der Spielabend beginnt mit Pizza. Außerdem werden die ersten Regeln unter das Volk gebracht.

Das Spiel lebt von Handel, Tausch und Strategie, denn beim Bau und der Ausdehnung seiner Siedlungen und Städte ist man nicht nur auf das eigene Geschick und ein bisschen Würfelglück sondern auch auf die eigene Überzeugungskraft seinen Mitspielern gegenüber angewiesen.
Aber erstmal alles auf Anfang. Auf den ersten Blick erscheint alles so wie bei „Die Siedler von Katan“. Nur das der Ort des Spielgeschehens in die biblische Region Kanaan um den See Genezareth am Mittelmeer verlegt wurde. Allerdings bemerkt man schon beim Aufbau einen wesentlichen Unterschied, der „Die Siedler von Kanaan“ weniger spannend als sein Vorbild macht.
Die Rohstofffelder sind fest vorgegeben, so dass das Spielfeld nicht variiert werden kann. Das verkürzt zwar den Spielaufbau, reduziert aber auch den Abwechslungsreichtum des Spiels. Für diejenigen, die schon „Die „Siedler von Katan“ gespielt haben, ist der Ablauf schnell verstanden, da bis auf ein paar Feinheiten die gleichen Regeln gelten.

Junger Mann erklärt die Spieleanleitung
© katholisch.de
Die Anleitung ist recht übersichtlich und die Redaktion von katholisch.de kann loslegen.

Wenn das Spiel zum ersten Mal gespielt wird, müssen die Spieler jedoch etwas Zeit für die Anleitung einplanen. Eine Kurzübersicht gibt einem aber einen schnellen Überblick, so dass man bereits nach kurzer Zeit in das biblische Geschehen rund um Kanaan eintauchen kann.
Eine weitere Besonderheit sind die Karten „Gottes Hilfe“ und biblische „Helden“. Mit ihnen wird zwar etwas mehr „Bibel-Wissen“ vermittelt, auf den Spielablauf aber haben die Karten weniger Auswirkungen. Auch insgesamt wirkt der religiöse Kontext, in den das Ursprungsspiel gestellt wird, etwas konstruiert. Bis auf den Namen, die Spielfeldgestaltung und ein paar spezielle, aber auch unbedeutende Spielelemente fragt man sich mitten im Spieleifer manchmal: Wo bleibt denn nun der christliche Spieleffekt?

Blick auf das Speilbrett
© katholisch.de
Bei der Sieben wird jeder nervös, aber irgendwann muss jeder durch die 'Kriegswirren'.

Denn was Spaß und Spannung angeht, gibt es keinen großen Unterschied zu „Die Siedler von Kanaan“, und das liegt nicht am religiösen Hintergrund, sondern vielmehr am Siedler-Konzept. Der Versuch, den Spielern im Rahmen der Spielanleitung auf einer extra Seite den biblisch-historischen Kontext mit Bildern und Erklärungen näher zu bringen, ist zwar eine sinnvolle Ergänzung, gerät beim Spielen aber schnell in Vergessenheit.
Das Spiel „Die Siedler von Kanaan“ profitiert vom Erfolg und Konzept des Vorbilds „Die Siedler von Katan“. Als Variante, die in einen biblischen Kontext gestellt wird, bietet das Spiel zwar etwas thematische Abwechslung, der Unterschied zum großen Bruder ist jedoch gering und ohne größere Auswirkungen auf den Spielablauf. Eine kritische Anmerkung bezüglich der Verpackung sei zum Schluss gestattet: Eine kleine Box für die vielen Spielkarten würde die Aufbewahrung um ein Vielfaches erleichtern.

„Die Siedler von Kanaan“ – Diehl Medien, 26,95 €

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