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Filmkritik  Seite drucken

Schnitzeljagd mit christlichem Grundton

Szene aus dem Film "Illuminati".
© Sony Pictures

Ron Howard hat Dan Browns Bestseller "Illuminati" verfilmt

Da liegt es, im Hochsicherheitstrakt des Vatikan-Archivs, angegilbt und kurz vor dem Auseinanderfallen: das dritte Buch des Galileo Galilei, mit dem Robert Langdon seine nächste Abhandlung fertig stellen könnte. Gerade hat der bekannte Symbologe einen versteckten Vers am Rand entdeckt, doch die Zeit drängt. Kurzerhand reißt seine Begleiterin die betroffene Seite aus dem kostbaren Büchlein und Langdon erschreckt die Augen auf. Ein Sakrileg, selbst oder gerade für den sonst so wenig zimperlichen Kunstexperten.

Doch die Vorzeichen haben sich geändert. Entziffert wird in "Illuminati" später, und dann höchstens nebenbei auf der Fahrt zum nächsten Tatort. Anders als "The Da Vinci Code" ist Ron Howards zweite Verfilmung eines Dan Brown-Bestsellers Bewegungskino in seiner linearsten Form – ohne die ausgearbeiteten Rückblicke und Parallelmontagen des Vorgängers, dessen behäbige Schatzsuche auf den Pfaden religiöser Vertuschungssstrategien in "Illuminati" zur rasanten Schnitzeljagd im mörderischen Wettlauf mit der Zeit wird. Robert Langdon, einst ein Dorn im Auge des Vatikans, tritt nun in dessen Dienste, als er trotz vergangener Querelen zur Hilfe gerufen wird.

"Illuminati"

Regie: Ron Howard

Buch: David Koepp und Akiva Goldsman (nach dem Roman von Dan Brown)

Darsteller: Tom Hanks (Robert Langdon), Ewan McGregor (Carlo Ventresca), Ayelet Zurer (Vittoria Vetra), Armin Müller-Stahl (Straus)

USA 2008, 138 Minuten, FSK ab 12

Cleverer Schachzug

Im Namen der Kino-Logik verweist Howard die Ereignisse des 2003 veröffentlichten Romans "Sakrileg" vor die von "Illuminati", obwohl die Buchvorlage bereits 2000 erschien; ein cleverer Schachzug im umkämpften Feld des Blockbuster-Marketings, schließlich führte erst der Kinoerfolg von "Da Vinci Code" zur literarischen Renaissance seines Vorgängers. Das Problem, mit dem sich der Vatikan diesmal herumschlagen muss, ist um einiges handfester als die Pseudo-Bedrohung durch die "Aufdeckung" einer angeblichen amourösen Beziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena: Vier Kardinäle, die aussichtsreichsten Kandidaten für den kürzlich verwaisten Heiligen Stuhl, wurden kurz vor der anstehenden Konklave entführt. Zeitgleich verschwand ein mit Antimaterie gefüllter Behälter aus dem schweizerischen CERN, der irgendwo im Vatikan versteckt wurde und nun um Mitternacht zu detonieren droht – eine Bombe von so gewaltiger Kraft, dass sie die Ewige Stadt samt dem Vatikanstaat in Schutt und Asche legen würde.

Bis dahin soll jede Stunde ein Kardinal hingerichtet werden, lautet die ominöse Drohung, zu der sich der Geheimbund der wissenschaftsgläubigen Illuminati bekennt.
Ein Vergeltungsakt der einst grausam in den Untergrund getriebenen "Ketzer" oder ein perfides Ränkespiel innerhalb des Vatikans? Von Verschwörungstheorien umrankt und von Unruhestiftern unterwandert scheinen die geheiligten Mauern und ihre Wächter, die Schweizergarde, ohnehin. Also hastet Langdon mit der Physikerin Vittoria Vetra unter doppeltem Zeitdruck von einer römischen Kirche zur anderen, immer einen Wimpernschlag zu spät.

In Krisenzeiten greift eine geistige Institution sogar auf ihren weltlichsten Kritiker zurück – und Hollywood auf Tom Hanks, seinen vertrauenswürdigsten Darsteller integrer Unscheinbarkeit mit dem Gesicht eines skeptischen Jungen, dessen Charaktere stets mehr von der ihnen eigenen Dynamik als vom Image des Schauspielers lebten. In "Illuminati" treten seine Figur wie seine Mitspieler fast ganz in den Hintergrund angesichts der Action und der ästhetischen Wucht der zu entschlüsselnden Rätsel. Zu touristisch beeindruckt gibt sich der Blick auf die kulturelle Extravaganz, das die Ewige Stadt zu bieten hat, um auch noch die Entwicklung der Charaktere und ihrer Beziehungen näher zu beleuchten. Fürs Abtasten von Hanks' Mimik bleibt wenig Platz, zumal ihm Armin Mueller-Stahl und Ewan McGregor in Vatikans-Tracht die Bühne streitig machen.

Killer-Schnitzeljagd

Das Trio verkörpert die Dialektik von Wissenschaft und Religion, von Glaube und Vernunft, von der "Illuminati" jenseits der spannend inszenierten, aber sich letztlich in bekannten Genrekonventionen bewegenden Killer-Schnitzeljagd lebt – und das von der ersten Einstellung an: Im Exposé schwelgt die Kamera förmlich in der Ausstattung der prunkvoll nachgebildeten Säle und Gänge des Vatikans – eine Drehgenehmigung wurde verweigert – und fängt die dem Tod des Papstes folgenden Riten akribisch ein. Die warmen Farben Purpur und Beige beherrschen das Bild einer in sich ruhenden, traditionsreichen Gemeinschaft. Damit kontrastiert die darauf folgende, hektische Stimmung im kalt-blauen Hochtechnologie-Zentrum des CERN (atemberaubend: Kamerafahrten, die den Weg von Protonen im Teilchenbeschleuniger suggerieren).

Die kirchenkritischen Spitzen, die beim Start von "Da Vinci Code" für Rauschen im Blätterwald sorgten, bleiben bei diesem visuellen "Clash" von Tradition und Moderne weitgehend aus. Howards bisweilen etwas überkonstruierter Religionsthriller gibt sich trotz flüchtiger Seitenhiebe in seiner Darstellung der Institution Kirche vielmehr respekt-, fast schon ehrfurchtsvoll, sei es nun in der Inszenierung der würdevollen Zeremonien oder der gläubigen Menschenmassen auf dem Petersplatz, die in ihren geistigen Führern Halt suchen. Letztlich schlägt "Illuminati" einen zutiefst christlichen Grundton an, der versöhnen will. Einhergehend mit einem Schuldeingeständnis, wird Langdon ein Ratschlag erteilt, dem auch der Film folgt: "Urteilen Sie gnädig, denn wenn die Kirche auch Makel hat, so entspringen diese der Unvollkommenheit, die allen Menschen eigen ist."

Von Kathrin Häger (Film-Dienst)

Stellungnahme der Katholischen Filmkomission:

Bei einem Konklave wird ein neuer Papst gewählt. Zeitgleich zieht der Vatikan einen Symbologen zu Rate, weil er durch eine Bombe sowie die Entführung von vier Kardinälen einer tödlichen Bedrohung durch den Geheimbund der "Illuminati" ausgesetzt ist. Solider Thriller, der die kirchenkritischen Impulse der Romanvorlage weitgehend entschärft. Sein Hauptaugenmerk liegt auf den Actionsequenzen sowie den kunstgeschichtlichen Sensationen Roms und dem Zeremoniell des Vatikans, wobei kaum Zeit für die Entwicklung der Figuren bleibt. Hinter dem Krimistoff scheint der Konflikt zwischen Tradition und Moderne, Glaube und Wissenschaft auf; dabei wird auf versöhnlich-vermittelnde Weise beiden Seiten Respekt entgegengebracht.

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