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Großes Kino, kurze Geschichte

Tom Hanks im Film
© Sony Pictures

"Illuminati" bedient Sehnsucht nach "Erleuchtung in dunkler Zeit"

Die Messlatte liegt bei einer Million. So viele Zuschauer strömten vor drei Jahren zum Start der Verfilmung von Dan Browns "The Da Vinci Code - Sakrileg" in die deutschen Kinos. Und bescherten dem Kirchen-Thriller nach der Vorlage des US-amerikanischen Bestseller-Autors Rekordgewinne. Ob der demnächst anlaufende Nachfolger "Illuminati" ähnlich erfolgreich ist, steht einstweilen in den Sternen. Immerhin wartet der Streifen unter der Regie von Ron Howard wieder mit Star-Besetzung auf. Allen voran Tom Hanks, der wie schon im "Da Vinci Code" die Rolle der Hauptfigur Robert Langdon übernommen hat.

In "Illuminati" ist der Professor für Kunstgeschichte einer explosiven Verschwörung um den Papstthron auf der Spur. Eine geheimnisvolle Organisation droht damit, die zur Wahl eines neuen Kirchenoberhaupts im Vatikan versammelten Kardinäle zu töten und den Hauptsitz der katholischen Kirche in die Luft zu sprengen. Langdon nimmt die Spur der Verschwörer auf, die sich selbst Illuminaten nennen, und folgt ihnen in einer rasanten Jagd quer durch Rom auf dem "Pfad der Erleuchtung". Symbole und versteckte Hinweise in Kirchen und anderen altehrwürdigen Bauwerken bringen den Wissenschaftler der Lösung näher. Doch bis zum Finale scheinen die Verbrecher immer einen Schritt voraus zu sein.

Der bisweilen abenteuerlich anmutende Mix aus Kirche, Krimi und Kunstgeschichte bedient nach Ansicht von Trendforscher Eike Wenzel das Bedürfnis der modernen Gesellschaft nach einer "Wiederverzauberung der Welt". Angesichts der vielfach als komplex und bedrohlich empfundenen Lage in Politik, Wirtschaft und Umwelt steige die Sehnsucht nach einer "Erleuchtung in dunkler Zeit", wie der Experte des Zukunftsinstituts im hessischen Kelkheim in Anspielung auf den Filmtitel formuliert. Dass bei dieser Form der Wirklichkeitsflucht die historischen Tatsachen gelegentlich auf der Strecke bleiben, tut dem Erfolg von Buch und Film offenbar keinen Abbruch.

"Nette akademische Verenigung"

"Recht trivial" findet die Grazer Religionswissenschaftlerin Theresia Heimerl den Brownschen Ansatz, den Illuminaten eine Jahrhunderte währende Geschichte anzudichten, die sie de facto nie gehabt hätten. Damit setze der Schriftsteller letzten Endes eine Tradition fort, die bereits zu Hochzeiten der alternativen religiösen Bewegungen im ausgehenden 18. Jahrhundert gepflegt wurde. Wie die "Erleuchteten bemühten auch Freimaurer und Rosenkreuzer eine Nähe zu antiken oder mittelalterlichen Strömungen, deuteten sie um und verpassten ihnen einen mythischen Anstrich.

Tatsächlich aber bestand die am 1. Mai 1776 von dem Philosophen und Kirchenrechtler Adam Weishaupt im bayerischen Ingolstadt gegründete Gruppe der Illuminaten nur gute zehn Jahre und zählte nie mehr als 2.000 Mitglieder. Ihr erklärtes Ziel war die Befreiung von weltlicher und geistlicher Herrschaft durch die Ideale der Aufklärung. Als Symbol wählte die Gruppe daher die Eule der römischen Weisheits-Göttin Minerva. Eine "nette akademische Vereinigung" geprägt von mehr oder weniger bekannten Gelehrten und Beamten seien die Illuminaten gewesen, fasst Heimerl zusammen. Und eigentlich wenig geeignet, um den von Brown und anderen immer wieder thematisierten Gegensatz zwischen Kirche und Wissenschaft zu illustrieren.

Wenn da nicht die Französischen Revolution 1789 gewesen wäre. In deren Gefolge erfuhr der kurzlebige Akademiker-Bund sozusagen posthum eine eigentümliche Aufwertung. Einige Zeitgenossen deuteten das epochale Ereignis nämlich als Verschwörung von kirchen- und adelsfeindlichen Freimaurern. Tatsächlich gab es in dieser Zeit auch eine Freimaurer-Loge namens "Les Illumines", die jedoch für den weiteren Verlauf der Geschichte keine besondere Rolle spielte. Im 19. Jahrhundert kursierende Theorien machten vor diesem Hintergrund aus den Illuminaten ein international agierendes Bündnis, das im Verborgenen an einer neue Weltordnung arbeitet. So betrachtet, orientieren sich Dan Browns Roman und der darauf basierenden Film dann doch an historischen "Verschwörungs-Vorbildern".

Von Joachim Heinz (KNA)

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