Schutzpatron der Pfarrer

© Catholic.pf
Der Pfarrer von Ars - Jean-Marie VianneyVor 152 Jahren starb der Pfarrer von Ars
Das können auch heutige Theologiestudenten und Geistliche gut nachfühlen: Mit dem Latein hatte der heilige Pfarrer von Ars so seine Probleme. Und fast hätte ihm diese Sprachbarriere seinen Weg zum Priestertum versperrt. Doch trotz intellektueller Schwierigkeiten ist Jean-Marie Vianney, dessen Festtag die Kirche am 4. August feiert, als pastorale Ausnahmegestalt in die Kirchengeschichte eingegangen. Nach wie vor pilgern Hunderttausende nach Ars, wo sein Leichnam in einem Glassarg aufbewahrt wird. Nicht ohne Grund wurde der viel gesuchte und unermüdliche Beichtvater von Papst Pius XI. 1925 heilig gesprochen. Er ist der Schutzpatron der Pfarrer.Jean-Marie Vianney wurde drei Jahre vor Ausbruch der französischen Revolution, am 8. Mai 1786, in Dardilly, einem 1.300-Seelen-Dorf acht Kilometer westlich von Lyon, geboren. Er war das vierte Kind einer streng katholischen Bauernfamilie. Hier wuchs er in eine bäuerliche Frömmigkeit hinein, zu der nicht zuletzt die intensive Verehrung der Gottesmutter gehörte. Zudem wuchs sein Glaube in einem Klima, das durch die Kirchenfeindlichkeit der französischen Revolution geprägt war. Priester, die den Eid auf die neue Verfassung nicht leisten wollten, feierten in seinem Elternhaus heimlich Messen. Die erste heilige Kommunion empfing er geheim hinter verschlossenen Läden. Und Menschen, die durch die politischen Wirren mittellos geworden waren, gab die Familie Vianney in ihrer Scheune ein Dach über dem Kopf.
Während bei den Vianneys Männer Unterschlupf fanden, kümmerte sich Nachbar Vincent um die Frauen - und der kleine Jean-Marie trieb Jungen und Mädchen auf.
Vielleicht war es diese Erfahrung in der Untergrundkirche, aus der heraus Vianneys Frömmigkeit und der starke Wunsch, Priester zu werden, hervorgingen. Inzwischen hatte sich die Lage der Kirche unter Napoleon wieder entspannt. Mit 17 offenbarte Jean-Marie der Mutter, Priester werden zu wollen. Sie freute sich, der Vater aber reagierte mit Skepsis. Doch obwohl er eine Arbeitskraft für den Hof verlor, gab er nach. Der Pfarrer im Nachbarort Ecully, Abbe Balley, nahm Jean-Marie als Schüler an. In seinem Leben sollte dieser Geistliche eine tragende Rolle spielen.
Vokabeln und Bußübungen
Bei Pfarrer Balley quälte sich Jean-Marie mit Grammatik und Vokabeln. Die anderen, viel jüngeren Schüler machten sich über ihn lustig. Wegen seiner "Dummheit" und "Unfähigkeit" wollte er schon aufhören, doch Balley sah den religiösen Eifer seines Zöglings und motivierte ihn zum Weitermachen. Neben der Theorie vermittelte ihm der Geistliche auch seine asketische Lebensweise mit extremen Fasten. Balley gelang es, dass Jean-Marie im Priesterseminar aufgenommen wurde. Doch auch hier stieß er schnell an Grenzen, die er mit Nachhilfe Balleys und der Prüfung in seiner Muttersprache überwand.
Im Alter von 29 Jahren erhielt Jean-Marie die lang ersehnte Priesterweihe, bekam aber zunächst nicht die Erlaubnis, die Beichte zu hören. Er wird Vikar bei Abbe Balley in Ecully, für dessen Spiritualität er sich zunehmend begeistert. Zusammen beteten sie das Brevier, hielten Einkehrtage und geistliche Übungen und praktizierten - für den modernen Menschen schwer nachvollziehbar - Bußübungen mit Geißeln und rauen Gewändern. Manche Übertreibungen beurteilte er später selbstkritisch als "jugendliche Torheiten".
Andererseits verschärfte er seine asketischen Eifer, als er nach dem Tod Balleys Pfarrer im 30 Kilometer von Ecully liegenden Ars wurde. Vianney aß wenig, schlief auf dem Boden, trug zerschlissene Kleidung und verzichtete auf alle Annehmlichkeiten. Die Möbel, die sein Vorgänger von der Schlossherrin von Ars geliehenen bekam, schickte er wieder zurück und beschränkte sich auf wenige Haushaltsgegenstände. Dagegen ließ er gemäß seiner Überzeugung, "unserem Herrn das Schönste und Kostbarste geben", die völlig heruntergekommene Pfarrkirche reparieren und neu ausstatten.
Mit den 230 Einwohnern von Ars, die im Zuge der Revolution vom kirchlichen Leben entfremdet waren, pflegte er einen harten, aber herzlichen Umgang. Zu Beginn seines Wirkens besuchte er alle 60 Familien, unterhielt sich mit ihnen über ihre Arbeit und die Ernte, kam aber auch auf religiöse Dinge zu sprechen. Mit Engelszungen redete er auf sie ein, den Gottesdienst zu besuchen und die Sakramente zu empfangen: "Sagt nicht, dass ihr Sünder seid und deshalb nicht zu kommen wagt. Ebenso gut könntet ihr sagen, dass ihr zu krank seid und deswegen keine Kur machen wollt, dass ihr deswegen keinen Arzt rufen wollt."
Drastische Worte
Mit der Vorbereitung von Predigten hatte er seine Schwierigkeiten, dennoch gelang es ihm, seine Vorstellung über Glaube und Kirche deutlich zu machen - mit seiner einfachen Lebensart und mit drastischen Worten. So hielt er einmal Frauen vor, angeblich nichts den Armen geben zu können, zugleich aber doch noch Geld für "Spitzenhandtücher" und "Ohrgehänge" ihrer Töchter übrig zu haben. Mit heiligem Zorn bekämpfte er den Tanz, vor allem die daran sich anschließenden Ausschweifungen. "Mein Gott, kann man so verblendet sein, zu glauben, dass nichts Böses am Tanz ist, während er doch der Strick ist, an dem der Teufel unzählige Seelen in die Hölle zieht". Wirtshäuser waren dem Abbe eine Gräuel, für ihn angesichts des überreichlich fließenden Alkohols eine "Werkstatt des Teufels", wo Seelen verkauft und Ehen zerstört werden. Auch die Sonntagsarbeit war ihm ein Dorn im Auge: "Wenn ich Leute sehe, die am Sonntag fuhrwerken, denke ich mir, dass sie ihre Seele in die Hölle fuhrwerken."
Der Kampf gegen das Böse und den Teufel war eine bestimmende Triebkraft des Heiligen. Er selbst hört nachts klopfende Geräusche und wertet dies als einen - wenn auch vergeblichen - Versuch des Satans, ihn aus der Bahn zu werfen: "Ein Kreuzzeichen jagt ihn in die Flucht." In Ars baute der Pfarrer eine Mädchenschule sowie ein Internat für Straßenkinder; er selbst entwarf die Pläne und rührte den Mörtel an. Noch mehr als dieses karitative Engagement übte sein Ruf als Beichtvater eine große Anziehungskraft auf die Menschen in der Umgebung aus. Bis zu 17 Stunden am Tag und bis zur Erschöpfung hört er die Beichte. Ab 1827 kamen jährlich 20.000 Menschen in das kleine Dorf, später bis zu 120.000. Die Strapazen blieben nicht ohne Wirkung. Mehrmals versuchte Jean-Marie, sich aus der Gemeindearbeit in ein rein kontemplatives Leben zu flüchten, wird aber von seiner Gemeinde stets zurückgehalten.
Rund 30 Jahre lang zog der Pfarrer von Ars ganze Massen von Menschen an, bis er am am 4. August 1859 im Alter von 73 Jahren völlig entkräftet starb. Für Papst Johannes Paul II., der 1986 zum 200. Geburtstag des Heiligen an dessen Sarkophag betete, ist der Pfarrer von Ars ein Beispiel an starkem Willen und priesterlichem Eifer. Glaubensunterweisung, Dienst an der Versöhnung und die Feier der Eucharistie - das seien auch heute noch die drei Schwerpunkte in der pastoralen Arbeit.
Von Andreas Otto (KNA)
© KNA (Alle Rechte vorbehalten)
zum Anfang 