"Ein unaufgeregt missionierendes Buch“

Kardinal Lehmann stellte das Buch des Papstes vor
Mainz. „Der Papst hat ein sehr umsichtiges und bedächtiges, abgewogenes und feinsinniges, ausgesprochen stilles und nüchtern begeisterndes Buch geschrieben, das viele auf den Weg Jesu mitnehmen möchte und gewiss auch mitnehmen wird.“ Das sagte der Mainzer Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, am Samstag, 14. April, bei der Vorstellung des Buches „Jesus von Nazareth“ von Papst Benedikt XVI. im Erbacher Hof in Mainz. Lehmann bezeichnete das Buch vor Journalisten als „faszinierend einfaches Buch“. Und weiter: „Man muss viel nachgedacht und gearbeitet haben, wenn man bei der Komplexität der Materie zu einer solchen Einfachheit zurückkehrt.“Nach Angaben von Verleger Manuel Herder ist das Buch ab Montag, 16. April, im Buchhandel erhältlich. Die Startauflage habe zunächst bei 150.000 Exemplaren gelegen, sei jedoch zweimal aufgestockt worden und liege inzwischen bei 250.000. Das Buch erscheint zunächst nur in den Sprachen Deutsch, Polnisch und Italienisch, soll aber in insgesamt 32 Sprachen übersetzt werden, sagte Herder. Der Untertitel des Buches lautet „Erster Teil: Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung“.
Wer sich auf das Buch von Papst Benedikt XVI. einlasse, werde spüren, dass das Christentum nicht zuerst ein dogmatisch-ethisches System von Glaubenssätzen und Moralvorschriften sei, sondern eine konkrete Person zur Nachfolge einlade, sagte Lehmann. „Und gewiss hat nur dies allein den Papst bewogen, mit aller intellektuellen Redlichkeit - hier ist das Wort am Platz - glaubwürdig zu den Quellen unseres Wissens über Jesus Christus und noch mehr zu seiner einzigartigen Gestalt hinzuführen, ohne dass wir unseren Verstand abgeben müssten. Insofern ist es ein wissenschaftlich fundiertes und doch ein frommes Buch, ein unaufgeregt missionarisches Buch, wie wir es heute brauchen.“
Lehmann würdigte zugleich die schriftstellerische Tätigkeit des Papstes: „Zum Dienst dieses Papstes gehört ganz entscheidend der Umgang mit dem Wort. Er ist wortgewaltig. Ihm liegt das geschliffene, in vielem auch wirklich schöne Wort, das ihm nicht selten wie einem Dichter und Schriftsteller gelingt. Er kann dadurch die Menschen neu wecken für die Botschaft des Evangeliums und eben für die Gestalt Jesu Christi. Diese Gaben sind ihm wirklich in die Wiege gelegt worden. Ein gediegenes Studium bei großen Lehrern und eine Leidenschaft für die Theologie kamen hinzu. Er wollte von Anfang an den Verkündigungsauftrag gerade auch durch spirituelle und theologische Orientierung erfüllen. Deshalb war er nicht nur ein gesuchter Lehrer der Theologie, sondern immer auch ein überzeugender Prediger. Dies vollzieht er seit über 50 Jahren. Schriftsteller sein gehört zu seinem Leben.“
Der Kardinal wies darauf hin, dass der Papst das Buch ausdrücklich nicht mit einem autoritären Anspruch versehen habe. Wörtlich schreibt Benedikt XVI. dazu im Vorwort: „Gewiss brauche ich nicht eigens zu sagen, dass dieses Buch in keiner Weise ein lehramtlicher Akt ist, sondern einzig Ausdruck meines persönlichen Suchens ‚nach dem Angesicht des Herrn’ (vgl. Ps 27,8). Es steht daher jedermann frei, mir zu widersprechen. Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuss an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt.“
Hinweis: Joseph Ratzinger - Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Herder Verlag, Freiburg 2007, 448 Seiten, 24 Euro. ISBN 978-3-451-29861-5.
Bistum Mainz
