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Kirche für Kids  Seite drucken

Das lebendige Wasser

Junge an plätscherndem Brunnen
© Albrecht E. Arnold/PIXELIO
Kostbarer als alles Gold der Welt: das Wasser.

Wir brauchen Wasser zum Leben - auch von unserer inneren Quelle

Laura und Lukas nutzen die letzten Tage der Sommerferien aus und machen eine Radtour. Die beiden möchten Lauras Tante besuchen, die etwa zehn Kilometer entfernt auf dem Land lebt. Es ist glühend heiß, und im Feld gibt es keinen Schatten.

"Puh, ist das heiß!", ruft Laura. "Ja, lass uns eine Pause machen und etwas trinken!", schlägt Lukas vor. Aber oh weh! Laura und Lukas haben ihre Wasserflaschen zu Hause auf dem Küchentisch stehen lassen. "Lass uns umkehren!", meint Laura. Ich bin so durstig, dass mir der Hals schon fast ausgetrocknet ist." "Einverstanden", sagt Lukas. Auch er hat großen Durst.

"Was würde ich um ein Glas Wasser geben!", seufzt er. Erschöpft kommen die beiden eine Viertelstunde später bei Lauras Eltern an. Lauras Vater gießt den beiden zuerst mal ein großes Glas mit kühlem Wasser ein. Wie gut das tut! "Ja, Wasser ist kostbarer als alles Gold der Welt", meint Lauras Papa. Und er erzählt den beiden eine Geschichte:

Der Brunnen war zugeschüttet

Schon tagelang war die Karawane der Teppichhändler unterwegs. Der Ritt durch die Wüste auf den Kamelen wurde immer beschwerlicher. Die Trinkvorräte waren fast aufgebraucht. "Noch ein, zwei Stunden, da kommen wir zu einer Wasserstelle. Dort werden wir unsere Zelte aufschlagen und unsere Wasserbehälter auffüllen", sagte Ali, der Anführer der Karawane. Er kannte sich hier aus, denn er hatte schon so manche Karawane sicher durch die Wüste begleitet.

Und tatsächlich. Nach gut einer Stunde erreichten die Männer mit ihren Kamelen den Brunnen. Wie freuten sie sich auf das kühle Nass! Denn sie hatten seit Stunden nichts mehr getrunken – und das bei dieser Hitze. "Wir füllen zuerst unsere Wasserbehälter, und dann schlagen wir unsere Zelte auf!", bestimmte der Anführer der Karawane. Die Männer nahmen die Behälter und gingen zum Brunnen.

Aber was sie da sahen, das verschlug ihnen die Sprache. Entsetzt standen sie um den Brunnen herum. Er war zugeschüttet – mit Abfällen, Sand und Geröll. Die Karawane, die zuletzt hier vorbeigezogen war, hatte ihre deutlichen Spuren hinterlassen und Abfälle, Sand und Steine in den Brunnen geworfen. Der Brunnen war verstopft. Das klare Wasser fand nicht mehr den Weg zur Oberfläche.

Kein Wasser in Sicht

Die Männer waren verzweifelt. Wo sollten sie jetzt Trinkwasser herbekommen? Die nächste Wasserstelle war drei Tagesritte weit entfernt. "Lasst uns darangehen, Schutt und Abfall aus dem Brunnen herauszuholen!", bestimmte der Anführer der Karawane. "Wie sollen wir das schaffen? Wir sind erschöpft und durstig!", begehrten die anderen auf. "Wenn wir weiterleben wollen, müssen wir versuchen, an das Wasser heranzukommen", sagte Ali, der Anführer.

Die anderen murrten zwar noch, aber schließlich machten sie sich doch an die Arbeit. Zwei von ihnen stiegen in den Brunnen hinab und füllten die beiden Wassereimer mit den Abfällen. So ging es Eimer für Eimer weiter. Nach einer Stunde wurden die beiden abgelöst, und zwei andere stiegen hinab. Die Männer arbeiteten bis in den späten Abend hinein. Und je mehr Abfall sie hinausbeförderten, desto tiefer gelangten sie.

Endlich Wasser!

Dann endlich kam der erlösende Ruf: "Wasser! Wir sehen das Wasser!" Alles andere war jetzt nur noch eine Kleinigkeit. Allmählich stieg das Leben spendende erfrischende Wasser wieder nach oben. Die beiden Männer kamen aus dem Brunnen heraus.

Bereits nach kurzer Zeit konnten sie mit den Eimern aus dem Vollen schöpfen. Schnell löschten die Männer ihren quälenden Durst. Und alle waren sich einig: Wasser ist das kostbarste Gut, viel kostbarer als alles Gold der Welt!

Unsere innere Quelle

"Eine schöne und spannende Geschichte!", meint Lukas. "Ich kann mir richtig vorstellen, wie durstig die Männer gewesen sein müssen.“ Laura denkt nach und meint: "Im Religionsunterricht vor den Ferien haben wir über eine Stelle im Johannesevangelium gesprochen. Jesus hat gesagt, dass derjenige, der von dem Wasser trinkt, das er ihm gibt, nie mehr Durst haben wird. Und dass das Wasser zur sprudelnden Quelle wird, die ewiges Leben schenkt. Irgendwie passt das zu deiner Wüsten-Geschichte."

Lauras Papa nickt und meint: "Auch unsere Quellen sind oft zugeschüttet, und wir leiden Durst. Natürlich nicht Durst, wie ihr beide ihn eben verspürt habt. So weit war es ja nicht bis zu Hause. Und ihr hattet sofort Wasser. Wir brauchen ja nur den Wasserhahn aufzudrehen. Im Johannesevangelium ist die Rede von der sprudelnden Quelle Jesu, die das ewige Leben schenkt. Auch wir haben sprudelnde Quellen in uns drin."

"Wir haben doch keine Wasserquellen im Bauch oder im Kopf?", lacht Laura. „Nein, aber tief in unserer Seele sprudelt eine Quelle. Jesus hilft uns, dass sie nicht verschüttet wird. Aber oft ist sie verschüttet", antwortet der Vater. "Wieso ist die Quelle denn zugeschüttet?", möchte Lukas wissen. "Oft schütten wir unsere innere Quelle mit Streitsucht, Boshaftigkeit, Egoismus und Gleichgültigkeit zu. Und dann müssen wir lange graben, um die verschüttete Quelle wieder freizulegen", meint Lauras Papa.

Von Margret Nußbaum
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