Stocherliese und Apfelkicker

Für uns ist es normal, dass wir genug zu essen haben
Lauras Großonkel Leo kommt übers Wochenende zu Besuch. Lukas ist auch eingeladen. "Bestimmt spielt Onkel Leo wieder mit uns Monopoly!", freut er sich. "Ja, und anschließend gehen wir alle zusammen zum Essen ins Restaurant", sagt Laura. Die beiden schmieden Pläne, was sie mit Onkel Leo alles unternehmen wollen.Wir gehen in den Goldenen Hirsch!
Kaum betritt Onkel Leo das Haus, bestürmen ihn Laura und Lukas schon: "Bitte, bitte, spiel mit uns Monopoly!", betteln sie. "Lasst den armen Onkel Leo erst mal ablegen und verschnaufen!", lacht Lauras Mama. "Nach dem Kaffeetrinken habt ihr noch genug Zeit zum Spielen."
Beim Monopoly gewinnt Lukas haushoch. Er darf das Restaurant bestimmen, in dem er und Lauras Familie zum Essen gehen. "Am liebsten wäre mir der Gasthof zum Goldenen Hirsch", sagt Lukas. "Dort schmeckt das Wiener Schnitzel sooo gut!" Onkel Leo lacht: "Du musst geahnt haben, dass Wiener Schnitzel mein Leibgericht ist! Lukas, du hast eine gute Wahl getroffen."
"Typisch Lukas!", lästert Laura. "Der isst immer nur, was er kennt, und probiert nie mal was anderes aus." "Das musst du gerade sagen!", beschwert sich Lukas. "Du bist eine richtige Stocherliese. Immer stocherst du im Essen herum und lässt die Hälfte zurückgehen."
Im Goldenen Hirsch kommt es, wie Lukas es vorausgeahnt hatte: Laura stochert tatsächlich wieder in ihrem Essen herum und lässt über die Hälfte auf dem Teller. "Ich schaff’s einfach nicht mehr!", meint sie mit einem Seitenblick auf Onkel Leo. Denn der sieht auf einmal ganz traurig aus. Aber er sagt nichts.
Äpfel als Fußball-Ersatz
Am Sonntagmorgen besuchen Laura, ihre Eltern, Onkel Leo und Lukas gemeinsam den Erntedank-Gottesdienst. Alle Kinder haben etwas mitgebracht: Äpfel, Birnen, Nüsse, Brot. Das wollen sie nach dem Gottesdienst zusammen essen. Vor der Kirche trifft Lukas Tim, einen Jungen aus seiner Klasse. "Komm, lass uns noch etwas Fußball spielen, bevor der Gottesdienst beginnt!", schlägt Tim vor.
Sie suchen nach einem Ball-Ersatz. "Wozu haben wir Äpfel dabei?", fragt Lukas. "Die können wir als Fußball nehmen. Denn wir hatten eine super reiche Ernte!" Und schon kicken die beiden Jungen einen Apfel hin und her, dann einen zweiten, weil sie den ersten schon bald zu Matsch zertreten haben.
Lukas und Tim werden rot
Der Gottesdienst beginnt. Die Kinder bringen ihre Lebensmittel zum Altar. "Das ist ja ein sehr schönes Bild", sagt Pater Konrad. "Aber jedes Bild hat auch seine Schattenseite. Es gibt viele Menschen, die froh wären, wenn sie sich einmal richtig satt essen könnten. Eure Gaben, die ihr zum Altar gebracht habt, stellen auch den Überfluss dar, in dem wir heute leben.
Achtlos werfen wir Brot weg, das nicht mehr ganz frisch ist. Oder wir sind zu faul, uns nach einem vom Baum gefallenen Apfel zu bücken. Wir wollen Gott um Verzeihung bitten, dass wir Lebensmittel verschwendet haben." Niemand bemerkt, dass Lukas und Tim rot geworden sind. Nur Onkel Leo hat es gesehen.
Laura und Lukas geht ein Licht auf
Zu Hause bei Lauras Eltern sagt Lukas zu Onkel Leo: "Ich muss mal mit dir reden." Die beiden ziehen sich in die Küche zurück. Lukas erzählt Onkel Leo, dass er sich schämt: "Der Tim und ich waren sehr gedankenlos, als wir mit den Äpfeln Fußball gespielt haben." "Ich weiß", sagt Onkel Leo. "Aber ihr habt es ja nun eingesehen, und bestimmt macht ihr euch beim nächsten Mal mehr Gedanken." „Darauf kannst du dich verlassen", verspricht Lukas.
Da platzt plötzlich Laura herein. "Ich weiß, warum du gestern im Goldenen Hirsch so traurig geschaut hast, Onkel Leo", sagt sie. "Das war, weil ich wieder in meinem Essen herumgestochert und nicht aufgegessen habe." "Du hast recht", sagt Onkel Leo.
"Wisst ihr, ich habe noch Zeiten erlebt, da waren ein gutes Essen oder Obst nicht selbstverständlich. Und deshalb tut es mir immer Leid, wenn Kinder mit dem Essen so verschwenderisch umgehen. Aber nun haben wir uns ausgesprochen, und ich glaube, euch beiden ist heute beim Gottesdienst ein Licht aufgegangen."
