Von Wittenberg bis Augsburg

Übersicht über die wichtigsten Daten und Ereignisse der Reformation
Mit Martin Luthers Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche beginnt die Reformation. Katholisch.de dokumentiert die wichtigsten Daten dieser Zeit von den Ereignissen in Wittenberg bis zum "Augsburger Religionsfrieden".31. Oktober 1517: In Schreiben an den Erzbischof von Mainz und Magdeburg prangert Martin Luther (1483-1546) die Ablasspredigten des Dominikanermönchs Johannes Tetzel (um 1465-1519) an. Den Briefen legt er 95 Thesen bei, die sich generell gegen das Ablasswesen wenden. Diese Thesen werden der Überlieferung nach auch an der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen und finden schnelle Verbreitung und unerwartet starke Resonanz.
7. August 1518: Der Vatikan stuft Luthers Thesen als ketzerisch ein und zitiert ihn nach Rom. Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise (1463-1525) verhindert jedoch Luthers Abreise, da er in Rom um dessen Leben fürchtet.
12. bis 14. Oktober 1518: Auf dem Reichstag in Augsburg wird Luther von Kardinal Thomas Cajetan (1468-1534), einem Gesandten des Papstes, verhört. Als Luther den geforderten Widerruf seiner Thesen unter Berufung auf das Evangelium verweigert, fordert Cajetan die Auslieferung des Reformators. Unter dem Schutz Friedrichs des Weisen flüchtet Luther bei Nacht nach Wittenberg.
Juli 1519: Bei einem theologischen Streitgespräch, der so genannten "Leipziger Disputation", bestreitet Luther die Unfehlbarkeit des Papstes und vergrößert damit die Kluft zur katholischen Kirche.
15. Juni 1520: Papst Leo X. (1513-1521) droht Luther mit der Bulle "Exsurge Domine" den Kirchenbann an, wenn dieser nicht binnen 60 Tagen seine Thesen widerruft. Luther lässt die Frist verstreichen und verbrennt öffentlich die Bulle.
3. Januar 1521: Papst Leo X. verhängt mit der Bulle "Decret Romanum Pontificem" endgültig den Kirchenbann über Luther.
17./18. April 1521: Nachdem ihm freies Geleit zugesichert wurde, verteidigt Luther auf dem Reichstag in Worms vor den versammelten Fürsten und Reichsständen erneut seine Thesen.
ab 1523: Der Reformationsgedanke verbreitet sich: Mönche und Nonnen treten aus ihren Klöstern aus, Freunde und Schüler Luthers wie der Schweizer Ulrich Zwingli (1484-1531) verbreiten dessen Thesen, radikale Gruppen setzen mit Gewalt die geforderte Freiheit und Gleichheit des Christenmenschen in die Praxis um.
1524-1526: Im Windschatten der Reformation und der von ihr verbreiteten Thesen kämpfen die Bauern in den Bauernkriegen für die Erfüllung ihrer wirtschaftlichen, sozialen und politischen Erwartungen. Unter anderem fordern sie die Abschaffung der Frondienste und der Leibeigenschaft sowie die Aufhebung der Standesunterschiede. Da die Aufstände regional begrenzt und ohne zentrale Führung sind, werden sie von den Landesfürsten niedergeschlagen. Insgesamt werden in der Folge etwa 100.000 Bauern hingerichtet.
27. Februar 1526: Landgraf Philipp von Hessen (1504-1567) und Kurfürst Johann von Sachsen (1468-1532) schließen den "Torgauer Bund". Im Fall eines katholischen Angriffs wollen sie sich gegenseitig unterstützen. Zahlreiche protestantische Reichsstände schließen sich dem Bund an.
19. April 1529: Auf dem Reichstag in Speyer treten Vertreter der protestantischen Minderheit gegen die Verhängung der Reichsacht gegen Luther sowie die Ächtung seiner Schriften ein und fordern die ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens. Diese so genannte "Protestation" führt zur endgültigen Spaltung der evangelischen und katholischen Reichsstände und gilt als Geburtsstunde des Protestantismus.
25. Juni 1530: Auf dem Reichstag in Augsburg bekennen sich die protestantischen Reichsstände in der von Philipp Melanchthon (1497-1560) formulierten "Confessio Augustana" ("Augsburger Bekenntnis") erstmals öffentlich zu ihrem protestantischen Glauben.
27. Februar 1531: Im thüringischen Schmalkalden schließen die protestantischen Reichsstädte und Fürsten ein schnell wachsendes Verteidigungsbündnis, um ihren Glauben und ihre politische Selbstständigkeit zu sichern.
23. Juli 1532: Im "Nürnberger Religionsfrieden" vereinbaren Katholiken und Protestanten erstmals eine (befristete) gegenseitige Rechts- und Friedensgarantie. Damit wird die reichsweite Verfolgung der Protestanten eingestellt und die Reformation kann sich fortan weitgehend ungehindert ausbreiten.
1536: Der französisch-schweizerische Reformator Johannes Calvin (1509-1564) veröffentlicht sein theologisches Hauptwerk, die "Christianae Religionis Institutio" ("Unterricht in der christlichen Religion").
1545-1563: Auf dem Konzil von Trient (Tridentinum) versucht die katholische Kirche, die durch die Reformation ausgelöste konfessionelle Spaltung rückgängig zu machen (Gegenreformation). Zwar gelingt dies nicht, allerdings bewirkt das Konzil eine Selbsterneuerung der katholischen Kirche.
18. Februar 1546: Martin Luther stirbt in Eisleben und wird vier Tage später in Wittenberg beigesetzt.
1546/47: Im "Schmalkaldischen Krieg" versucht Kaiser Karl V. (1519-1558) die reichsrechtliche Anerkennung des Protestantismus zu verhindern. Am 24. April 1547 gelingt ihm in der Schlacht bei Mühlberg an der Elbe zwar der entscheidende Sieg, die Ergebnisse der Reformation sind jedoch nicht mehr rückgängig zu machen.
1555: Der "Augsburger Religionsfriede" beendet mit der Anerkennung der lutherischen Glaubenslehre die Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Lutheranern. Unter dem Motto "Cuius regio, eius religio" ("Wessen Land, dessen Religion") wird beschlossen, dass in jedem Territorium nur jeweils eine Religion herrschen soll. Diese Regelung zementiert die konfessionelle Spaltung.
