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"Für mich ist Maria wie eine Mutter"

Wallfahrt nach Kevelaer
© Hildegard Kroker
Hildegard Kroker und ihr Mann Ingo (r.) pilgern Jahr für Jahr im Sommer nach Kevelaer.

Eine begeisterte Pilgerin erzählt von ihrer mehrtägigen Wallfahrt nach Kevelaer

"Für mich ist Maria wie eine Mutter. An sie kann ich mich wenden, wenn ich Rat und Trost brauche", sagt Hildegard Kroker aus Alsdorf bei Aachen. Seit 19 Jahren pilgert sie Sommer für Sommer nach Kevelaer und nimmt die Strapazen der über 100 Kilometer langen Wanderung auf sich.

Seit 15 Jahren ist auch Ehemann Ingo mit von der Partie. "Auch meine Tochter Anne war schon dabei", erzählt Hildegard Kroker. Pilgern ist für die 60-Jährige Erholung pur für die Seele. "Ein wohltuender Abstand vom Alltag und eine wunderbares Gemeinschaftsgefühl", sagt sie. "Jede und jeder in unserer Gruppe nimmt eigene oder auch die Anliegen anderer mit. Manch einer schüttet mir vor der Wallfahrt sein Herz aus und bittet mich um ein Gebet am Gnadenort, um das Anzünden einer Kerze."

"Ich vertraue auf die Fürsprache von Maria"

Diesen Bitten kommt Hildegard Kroker gern nach und hat dabei nicht im geringsten das Gefühl, eine Last mit sich zu schleppen. "Im Gegenteil", findet sie. "Es ist gut zu erfahren, dass man mit seinen Sorgen nicht allein ist. Ich vertraue auf die Fürsprache von Maria. Sie bedeutet mir sehr viel. Denn sie hatte ihre Nöte und Sorgen wie alle Mütter und ist für mich im Glauben ein großes Vorbild."

Auch für Hans-Josef Flecken, Präfekt der Kevelaer-Bruderschaft Alsdorf und Umgebung 1716, ist Jahr für Jahr dabei. "Es ist eine tolle Gemeinschaft. Jeder ist für jeden da. Denn wir haben ja alle das gleiche Ziel. Das verbindet ungemein", sagt er.

Die Kevelaer-Bruderschaft startet immer am letzten Dienstag im August. Am Sonntag drauf kommen alle wieder an ihrem Ausgangspunkt in St. Castor, Alsdorf, an. Begleitet wird der Zug der Pilger von einem Traktor mit zwei Anhängern – einer für den Transport des Gepäcks. Der andere bietet – mit Bänken ausgestattet – erschöpften Pilgern für eine Zeitlang Erholung. Doch die meisten halten ohne Unterbrechung durch – sogar die Ältesten in der Gruppe. In diesem Jahr waren wieder 87 Pilger zwischen 15 und 89 Jahren unterwegs.

Straff durchgeplanter Tagesablauf

Dienstagmorgen, 6.45 Uhr: Die Gruppe der Pilger aus Alsdorf und Umgebung trifft sich in der Krypta der Pfarrkirche St. Castor in Alsdorf. Nach dem Reisesegen geht es – begleitet von der Pastoralreferentin Bärbel Schumacher – los Richtung Gereonsweiler. Dort schließen sich weitere Pilger aus der Umgebung an. Nach dem Gottesdienst um 9.20 Uhr geht es weiter. Das Tagesziel Wegberg wird gegen 17.15 erreicht. Zwischendurch haben die Pilgerinnen und Pilger Rosenkränze gebetet, Marienlieder gesungen, miteinander gelacht, aber auch geschwiegen. "Viele Gespräche über Familie, Beruf und andere Themen ergeben sich auf dem Weg", sagt Hildegard Kroker. "Niemand wird allein gelassen. Jeder ist für jeden da. Es ist eine Gemeinschaft, die trägt."

Seit 15 Jahren übernachten Hildegard Kroker und ihr Mann Ingo bei Helmi und Joseph Grün. "Schon beim ersten Mal verstanden wir uns wunderbar. Und aus der Gastfreundschaft ist längst eine Wegbegleitung fürs Leben geworden. Denn wir haben viele gemeinsame Themen", erzählt Hildegard Kroker. Um 22 Uhr ist Zapfenstreich. Denn bereits um 5 Uhr klingelt der Wecker. Nach dem Frühstück bei den Gastfamilien treffen sich die Pilger um 6.30 Uhr zum Gottesdienst mit Kommunionfeier. Um 7.15 Uhr geht es weiter. Das Ende der Tagesetappe am Mittwoch ist Straelen. Dort verbringen die Pilger die Nacht in Hotels.

Tränen der Ergriffenheit

Von Straelen aus geht es am Donnerstagmorgen nach Kevelaer. "Es ist ein bewegender Augenblick, wenn wir singend in die Kerzenkapelle einziehen", erzählt Hildegard Kroker. Höhepunkt ist die Heilige Messe in der Basilika, an der auch Buspilger aus Alsdorf und Umgebung teilnehmen. Auf dem Tagesprogramm stehen Begegnungen mit den Buspilgern, das Beten des Kreuzweges, die Lichterprozession um die Gnadenkapelle und das gemütliche Beisammensein im Hotel.

"Es ist ein wunderbares Gefühl, den Weg geschafft zu haben", sagt Hildegard Kroker. "Neben der Erleichterung steht das starke Empfinden im Vordergrund, an einem ganz besonderen Ort zu sein. Das lässt niemanden kalt. Da gibt es kaum jemanden, der nicht innerlich bewegt ist. Und da fließen auch schon mal Tränen der Ergriffenheit." Nach einem guten Frühstück am Freitag und einem Gottesdienst in der Kerzenkapelle machen sich die Pilger gegen 12 Uhr wieder auf den Heimweg. Übernachtet wird wieder in Straelen und Wegberg. 

Anziehen im Zwiebel-Look

Neupilgern, die sie zum Ratschläge und Tipps bitten, sagt Hildegard Kroker: "Ich kann euch nur äußere Dinge nennen, auf die ihr achten solltet. Was das Pilgern in euch innerlich bewirkt kann man nicht vermitteln und beschreiben. Das empfindet jeder anders. Mich persönlich hat die Wallfahrt beim ersten Mal so gepackt, dass ich von da an jedes Jahr dabei war." Und das sind die meisten. "Es gibt kaum jemanden, der im nächsten Jahr nicht wieder mitgeht."

Tipps wie diese klingen einleuchtend: Anziehen im Zwiebel-Look. Denn das Wetter ist unberechenbar. Besonderes wichtig: das richtige Schuhwerk. "Manche kleben vorsorglich Pflaster auf empfindliche Fußstellen", erzählt Hildegard Kroker. "Ich ziehe seit vielen Jahren die gleichen Turnschuhe an und habe noch keine größeren Probleme gehabt." Ihr Geheimtipp: "Die Schuhe sollten zwei, drei Nummern größer sein als normal. Dann klappt es."

Von Margret Nußbaum
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