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"In Benedikt XVI. setze ich große Hoffnungen"

Elisabeth Gössmann
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Elisabeth Gössmann

Elisabeth Gössmann zur Diskussion über "Die Päpstin"

Am kommenden Donnerstag kommt Donna W. Cross' Bestsellerroman "Die Päpstin" als Film in die deutschen Kinos. "Der Skandal eines weiblichen Papstes" erregt die Gemüter seit Jahrhunderten. Die Theologin Elisabeth Gössmann (81) hat sich in ihrem gleichnamigen Buch damit bereits 1994 wissenschaftlich beschäftigt. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) sprach mit ihr darüber, wie die Päpstin Johanna historisch einzuordnen ist.

KNA: Frau Gössmann, wann haben Sie begonnen, sich mit der "Päpstin" zu beschäftigen?

Gössmann: Angefangen hat alles 1947, als ich in Münster Theologie studierte. Wir Studentinnen wurden von den männlichen Kommilitonen "Päpstinnen" genannt. Ich fand diese Neckerei unverschämt. Schon damals hatte ich das Gefühl, man will uns unmöglich machen.

KNA: Hat sich das in Ihren späteren Forschungen bestätigt?

Gössmann: Ja. Meine Recherchen in alten Schriften, wo die Päpstin erwähnt wird, haben ergeben, dass die Päpstin immer nur hin und her geschubst wurde. Jeder wollte ein bestimmtes Ziel mit ihr erreichen und hat sie so für seine Zwecke gebraucht oder missbraucht. Ob als real betrachtet wie auf protestantischer oder zum Gedankending erklärt wie auf katholischer Seite, die Vorstellung von einer Frau als Kirchenspitze wurde mit Verachtung gesehen. Da war man sich im negativen Sinne ökumenisch einig. Übrigens wollte man mit der Päpstin auch das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes verzögern.

KNA: Im Trailer zum Film heißt es: "Sie erschütterte das Fundament der Kirche, wurde Päpstin und nur zwei Jahre später war sie aus allen Geschichtsbüchern getilgt." Stimmt das?

Gössmann: Wenn das der Fall wäre, hätte ich ja mein mehr als 800 Seiten dickes Buch nicht schreiben können. Ein Jahrzehnt lang habe ich mich mit vielen tausend Seiten beschäftigt, die in sieben Jahrhunderten über die Päpstin verfasst wurden. Erstmals erwähnt wird sie in der Metzer Chronik Mitte des 13. Jahrhunderts von Jean de Mailly. Seinem Ordensbruder Etienne de Bourbon dient die Geschichte dann als Abschreckung vor Vermessenheit. Die Päpstin soll ja am Ende ein Kind bekommen haben, wodurch alles aufflog.

KNA: Johanna soll die Nachfolgerin eines Papstes Leo gewesen sein. Lässt sich ihr angebliches Pontifikat zeitlich einordnen?

Gössmann: Die häufigste Datierung, die sich finden lässt, ist um 1100. Ob es eine Päpstin Johanna wirklich gegeben hat, kann ich nicht beantworten. Das geht aus der Rezeptionsgeschichte nicht hervor. Aber auch Historiker können zu 100 Prozent weder ihre Existenz bestätigen noch verneinen.

KNA: Laut Roman soll sie wegen ihres theologischen und medizinischen Wissens die rechte Hand von Leo gewesen sein.

Gössmann: In soliden Quellen habe ich dazu nichts gefunden. Mich stört an dem Buch von Cross, dass die Autorin den Anschein erweckt, sie wäre schon lange in der Forschung drin. Das stimmt nicht. Bei ihr ist etwa kein Wort darüber zu finden, dass es in der fraglichen Zeit mächtige Äbtissinnen in englischen und sächsischen Klöstern gab, deren politischer Einfluss nicht zu unterschätzen war.

KNA: Wo sehen Sie weitere Versäumnisse?

Gössmann: Da ist etwa Ingelheim, der angebliche Geburtsort von Johanna. In den frühen Quellen ab Mitte des 13. Jahrhunderts kommt dieser Ort nicht vor. Zunächst ist sie herkunftslos. Bei dem Chronisten Martinus Polonus ist dann von "Margantinus" die Rede, was meist auf Mainz gedeutet wurde. Erst später taucht in Schriften Ingelheim wieder auf, wohl weil es auch als legendärer Geburtsort Karls des Großen gilt.

KNA: Johanna kämpft mit dem Vorurteil, dass der weibliche Verstand nicht zum Studium der Heiligen Schrift ausreicht. Wie lange mussten sich Frauen das gefallen lassen?

Gössmann: Da kann ich mitreden. Schließlich gehörte ich zu jenen zwei ersten Frauen, die 1954 an der Münchner Universität in katholischer Theologie promoviert wurden. Vorher ging nichts.

KNA: Warum durften die Frauen das nicht früher?

Gössmann: Frauen haben sich im Laufe der Zeit mit Theologie durchaus beschäftigt. Aber wenn sie etwas darüber schrieben, durften ihre Werke nicht zitiert werden. Das hat ihrem Ruf als Theologinnen und ihrer Wirksamkeit geschadet. Ein Mann hätte sich niemals auf die Lehre einer Frau berufen. Da mag Eifersucht dabei gewesen sein. Nach wie vor ist das Dilemma, dass etwa Mechthild von Magdeburg oder Hildegard von Bingen als Mystikerinnen bezeichnet werden. Das sind aber gestandene Theologinnen. Wer das verschweigt, verschweigt Geschichte.

KNA: Johanna macht als Mann Karriere. Sie selbst erlebten unter anderem ein Drama mit Ihrer Habilitation. Wären Sie manchmal lieber ein Mann gewesen?

Gössmann: Nie. Ich habe mich in meiner weiblichen Haut immer wohl gefühlt. Meine Habiliationsarbeit in dem theologischen Kernfach Dogmatik wurde Anfang der 1960er Jahre nicht anerkannt, weil man mit habilitierten Laien in der Kirche nichts anzufangen wusste.

KNA: Und heute?

Gössmann: Es ist besser geworden. In Papst Benedikt XVI., meinen früheren Studienkollegen, setze ich große Hoffnungen. Wir haben uns einst gemeinsam auf die Promotion vorbereitet. Ich habe erlebt, wie offen der junge Joseph Ratzinger gegenüber Frauen war. Er sollte auch heute keine Bedenken haben, dass Frauen ein kirchliches Amt übernehmen. Das Diakonat wäre ein Anfang.

Das Interview führte Barbara Just (KNA)
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