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Schule + Internat  Seite drucken

Etwas fürs Leben

Auf dem Schulhof steht ein Kastanienbaum und ist beliebter Spielort der Schüler
© katholisch.de
Auf dem Schulhof des Sankt Ursula Gymnasiums wächst ein Kastanienbaum.

Ein Besuch im katholischen Mädchengymnasium Sankt Ursula

Es begann mit knapp 150 schulpflichtigen Mädchen, von denen einige täglich bis zu sechs Stunden in einer Fabrik arbeiten mussten und dafür drei Stunden Unterricht erhielten. Nach fast 160 Jahren haben sich die Schülerinnen des Mädchengymnasiums Sankt Ursula in Aachen  gewandelt: Aus den Mädchen, die einst Fertigkeiten in Haushaltsführung lernten, sind moderne Frauen geworden. Jetzt beschäftigt die jungen Frauen eher die Technikanlage für die nächste Musicalaufführung, die noch aufgebaut werden muss. Währenddessen warten einige junge Männer ungeduldig vor dem Schultor, um ihre Freundinnen abzuholen.

Nähen und Stricken sind passé – nun stehen Naturwissenschaften und Politik auf dem Lehrplan. Dass die Mädchen daran Interesse haben, merkt man nicht nur am vollen Mathe- und Biologieleistungskurs. Die Mädchen heimsen Preise ein für die verschiedensten Wettbewerbe. Vom Schülerwettbewerb für politische Bildung über die Bereiche Fremdsprachen, Musik und Sport bis hin zur Mathematik-Olympiade ist alles vertreten.  

1848 legten in Aachen sieben Ursulinenschwestern vom Calvarienberg in Ahrweiler den Grundstein für ein Schulkonzept, dass heute gefragter denn je ist. Das Pisa-Gespenst und das verstärkte Interesse an Wertevermittlung bescheren den Privatschulen in Deutschland steigende Schülerzahlen. 182 Realschulen, Gymnasien und Berufskollegs in Nordrhein-Westfalen stehen unter katholischer Trägerschaft mit rund 110.000 Schülern – Tendenz steigend.

In der Tradition der Ordensgründerin Angela Merici stehend, hat sich an dem Leitbild des katholischen Mädchengymnasiums nichts geändert: das christliche Menschen- und Weltbild sowie die Ausbildung der Mädchen zu selbstbewussten individuellen Frauen mit guter Allgemeinbildung.

Beten vor der ersten Stunde

Bereits in der Klasse 5 wird jeden Morgen vor der ersten Stunde gebetet. Im Wechsel beten die Mädchen ihren Text vor, den sie in ein kleines Gebetbuch hineingeschrieben haben. Danach wandert es weiter an die Nächste. Heute Morgen steht Deutsch auf dem Stundenplan. Zu zweit schauen die Schülerinnen ins Buch und besprechen die Hausaufgabe. Einige sind noch so klein, sie kommen kaum mit den Füßen auf den Boden. Die Rucksäcke mit vier großen Fächern hingegen sind so riesig und voll bepackt, dass die Kinder einiges zu schleppen haben.
 
Dass katholische Schulen bei der Pisa-Studie positiv abgeschnitten haben, kommt nicht von ungefähr. "Als Privatschule können wir nicht nur das Unterrichtsangebot voll abdecken, sondern wir suchen uns quasi jeden Lehrer selbst aus", erklärt Direktorin Josefine Marsden. Mit der freien Lehrplangestaltung haben katholische Schulen unter einem privaten Träger viel mehr Spielraum als staatliche Schulen und über Lehrermangel können sie sich auch nicht beklagen. Welche Engpässe fehlende Lehrer an staatlichen Schulen auslösen, hat auch Caroline Heiliger am eigenen Leib erfahren. "Oft bekam ich an meiner alten Schule eine neue Klassenlehrerin und hier ist das nicht so", sagt die Zehnjährige aus der Klasse 5.

Sie geht mit ihren Klassenkameradinnen jeden Mittwoch in den Schulgottesdienst - das ist Pflicht. Von der Unterstufe bis in die Oberstufe sollen die Schülerinnen zur Messe gehen, aber nicht alle kommen gerne dorthin. "Viele empfinden das Christsein als sehr persönlich und wollen sich nicht öffentlich dazu bekennen", erläutert Stefanie Schüller, Religionslehrerin an Sankt Ursula. Einige haben Angst davor, dadurch einen negativen Stempel aufgedrückt zu bekommen. Ab der achten Klasse ist der Gottesdienst nicht mehr verpflichtend. Einzelne Oberstufenschülerinnen gehen nicht mehr zur wöchentlichen Messe in die Haus-Kapelle. "Einige aus der Oberstufe haben keinen Bock auf beten", erklärt Lara Bispinck, die nächstes Jahr ihr Abitur machen wird.

Das katholische Gymnasium hat die Mädchen persönlich geprägt. Das Christsein ist überall da, wo "Gemeinschaft gelebt wird und die Großen die jungen Schülerinnen unterstützen", sagt die Abiturientin Christina Stölzle. "Die Lehrer vermitteln uns Dinge, die einem etwas fürs Leben bringen, auch wenn man manchmal denkt, die sind streng und blöd, aber ich glaube nicht, dass ich das auf einer staatlichen Schule erlebt hätte", stellt Lara Pawlowski rückblickend fest.

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