logo


E-Mail-Adresse *

Anrede 

Vorname

Nachname

Aktion wählen:
 Anmelden
 Abmelden

Angaben mit * sind Pflichtangaben.


Interview  Seite drucken

Glaubensräume zum Durchatmen

Georg Austen
© Bonifatiuswerk
Generalsekretär Georg Austen

Generalsekretär Austen zur Herbstaktion des Bonifatiuswerks

Unter dem Motto „Freiraum für den Glauben. Bezeugen. Bewahren. Bewegen“ sammelt am 21. November das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken für die Gläubigen in der Diaspora. Monsignore Georg Austen, Generalsekretär des deutschen Diaspora-Hilfswerkes, spricht im Interview über eine Diaspora, die in manchen Gegenden Deutschlands alle Christen betrifft.

Bonifatiuswerk: Herr Monsignore Austen, was bedeutet heute Diaspora?

Austen: Diaspora heißt seit je her „Zerstreuung“ und bedeutet: in einer extremen Minderheitensituation zu leben. Gläubige in einem flächenmäßig großen Bundesland wie Brandenburg, in dem rund 79.000 Katholiken leben, stehen vor besonderen Herausforderungen: Weite Wege, um den Sonntagsgottesdienst besuchen zu können, besondere Anstrengungen, die kommende Generation für den Glauben zu interessieren und diesen zu vermitteln, hohe finanzielle Hürden, um Kirchen, Gemeindehäuser, Kindergärten zu erhalten.

Bonifatiuswerk: Was hat sich verändert?

Austen: Heute treffen wir auf eine Glaubensdiaspora, in der sich nicht mehr nur Angehörige einer einzelnen Konfession sondern alle Christen wiederfinden. So gehören in Ostdeutschland im Durchschnitt nur 25 Prozent der Bevölkerung einer Kirche an. In westdeutschen Großstädten zeigt sich die Glaubensdiaspora in Frankfurt mit 46 Prozent Christen, in Hannover mit 49 und in Hamburg mit 40. In München mit 51 und Düsseldorf mit 54 Prozent liegt man nicht weit von einer Minderheitensituation entfernt. Und auch im Kontext von Gesellschaft und Politik begegnen wir nicht selten einem Klima der Gottvergessenheit.

Bonifatiuswerk: Was bedeutet das für die Kirche heute?

Austen: Wir sollten uns nachhaltig die Fragen stellen: Wie ist die Lebenswirklichkeit von Erwachsenen? Wo berührt der Glaube ihre existenziellen Fragen? Was müssen sie erlebt haben, um sich für den Glauben zu interessieren? Auf welche Kirchengemeinde treffen Suchende? Wie sprechen Gemeindemitglieder von ihrem Glauben, von der Kirche? Kurz, wir müssen uns auf allen Ebenen über unsere missionarische Einstellung Gedanken machen. Dabei lohnt ein Blick in Diaspora-Regionen, wo sich Christen längst auf neue Wege der Verkündigung einlassen.

Bonifatiuswerk: Wo brauchen wir „Freiräume für den Glauben“?

Austen:
Wir brauchen Freiräume mitten in der Gesellschaft, in denen Suchende und Nichtchristen vorbehaltlos mit dem Evangelium in Kontakt kommen können, in denen sie auf authentische Glaubenszeugen treffen. Wir sollten unsere Glaubensräume in der Kirche so ausgestalten, damit Katholiken jenseits von widrigem Alltag und spürbaren innerkirchlichen Problemen frei durchatmen können, Orte, an denen leidenschaftliche Spiritualität gelebt und die Gemeinschaft des Glaubens als Stärkung erlebt werden können. Und wir benötigen Erfahrungsräume christlicher Liebe gegenüber Armen und Schwachen am Rand der Gesellschaft mit Strahlkraft in die Gesellschaft hinein.

Bonifatiuswerk: Wie hilft das Bonifatiuswerk, solche Freiräume zu schaffen?

Austen: Zunächst unterstützen wir die Kirche in der traditionellen Diaspora mit Fahrzeugen, bei der Instandhaltung der Gebäude und bei der Weitergabe des Glaubens an die kommende Generation. Dabei erfahren wir viel darüber, welche Rahmen es braucht, damit der Glaube wachsen kann. Deshalb investieren wir auch in lebendige Steine. Wir unterstützen Menschen und Initiativen, die den Glauben unter nicht einfachen Bedingungen lebendig gestalten und ihn auf eine neue Weise Suchenden und Kirchenfernen anbieten. Wir setzen dabei Impulse, wie Evangelisierung in Deutschland aussehen kann. Freiräume für den Glauben sind in unserer Gesellschaft notwendiger denn je, um das Vertrauen der Menschen (zurück) zu gewinnen. So kann ich nur sagen: Wer das Bonifatiuswerk unterstützt und in die Diaspora investiert, investiert in die Zukunft der Kirche.

Das Interview führte Alfred Herrmann

zum Anfang zum Anfang
Das Internetportal der Katholischen Kirche in Deutschland
© Katholisch.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Katholisch.de-Redaktion