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"Wir müssen Feuer fangen"

Diaspora-Sonntag Aktion 2011
© Bonifatiuswerk
Am Diaspora-Sonntag wird in den Gottesdiensten für verschiedene Projekte gesammelt.

Bonifatiuswerk baut mit an Kirche für Beginner

Wie können Menschen mit dem christlichen Glauben in Berührung kommen? Diese zentrale Frage beschäftigt die katholische Kirche in ganz Deutschland. Sie sieht sich mit einer immer stärker entchristlichten Gesellschaft konfrontiert, in der wiederum viele Menschen auf der Suche nach Religion und Lebenssinn sind.

Das Bonifatiuswerk unterstützt neue Wege, „Freiräume für den Glauben“ zu schaffen, in denen religiös suchende Menschen Christentum und Kirche kennen lernen können. In Hannover wagt Annette Reus mit einer „Kirche für Beginner“ ein vielversprechendes Modell, das mit Hilfe des Bonifatiuswerkes auf andere Städte im Diaspora-Bistum Hildesheim ausgedehnt werden soll.

Ein Blick in die Zeitung hat Michael Martin wieder näher zur Kirche geführt. Die Einladung zum ökumenischen Segnungsgottesdienst am Valentinstag sprach ihn sofort an. Mit seiner evangelischen Freundin gemeinsam willkommen zu sein, und das auch noch in der kleinen katholischen Kirche direkt um die Ecke, veranlasste ihn das Angebot der Initiative „soul side linden“ in Hannover anzunehmen.

Die erste Kirche für Beginner

Mit dem Projekt „soul side linden“ möchte das Bistum Hildesheim gezielt Menschen ansprechen, die der Kirche fernstehen oder sich über die Jahre von ihr entfernt haben, und trotzdem auf der religiösen Suche sind, auf der Suche nach dem Sinn und der Bedeutung ihres Lebens. „soul side linden“ in Hannover ist die erste „Kirche für Beginner“ - ein neuer Freiraum des Glaubens, der mit der Unterstützung des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken in sechs weiteren Städten des Bistums entstehen soll.

Michael Martin lebt seit fünf Jahren im Stadtteil Linden der niedersächsischen Hauptstadt. Der 37jährige kommt eigentlich aus Worms, wo er katholisch aufgewachsen ist. Durch häufige Umzüge konnte er sich kaum an eine Kirchengemeinde binden, umgekehrt gab es aber auch keine Integrationsversuche  der Gemeinden und so riss der Faden zur Kirche.

Annette Reus, Projektleiterin von Kirche für Beginner, sucht neue Wege, wie hier in der Fußgängerzone von Hannover-Linden, Menschen auf Kirche und Glaube anzusprechen.
© Bonifatiuswerk/Schulze
Annette Reus, Projektleiterin von Kirche für Beginner, sucht neue Wege, wie hier in der Fußgängerzone von Hannover-Linden, Menschen auf Kirche und Glaube anzusprechen.

Das Plakat „Wir müssen reden. – Gott“ an der St. Benno Kirche in Hannover Linden traf Martin am Valentinstag mitten ins Herz, der Gottesdienst und das „Bodenpersonal“ faszinierten ihn. Seitdem hat er wieder begonnen, sich stärker auf Glaube und Kirche einzulassen. „Durch soul side linden hat der Glaube in meinem Leben einen höheren Stellenwert bekommen“, sagt Martin. Das Angebot in seinem Stadtteil ermöglicht es ihm, über den Glauben zu sprechen und seine Fragen und Zweifel anzusprechen. „Das ist eine andere Dimension, als der reine Kirchgang.“ Er wünscht für sich, „dass ich mit mir ins Reine komme und nicht mehr auf der Suche bin.“

Kein Patentrezept für Mission

Baumeisterin und Bodenpersonal der ersten Beginnerkirche ist Annette Reus. Sie leitet das Projekt seit zwei Jahren und wird unterstützt durch Gemeinde Pfarrer Wolfgang Beck. Ein Patentrezept für eine erfolgreiche missionarische Kirche der Zukunft hat Reus nicht im Gepäck. Vielmehr geht ihren Angeboten eine sorgfältige Stadtteilerkundung voraus. Sie hört genau hin, fragt nach den Bedürfnissen der Menschen. „Wir müssen selbst erst wieder Feuer fangen, um Suchende zu verstehen“, ist Reus überzeugt. „Nur so wird es für Kirche möglich sein, fernstehende Milieus anzusprechen.“

Sie plädiert für neue, kreative Ansätze in der Gemeindeentwicklung: „Dort, wo die Menschen desinteressiert an Kirche sind, wo alte Rezepte der Kirchengemeinde längst nicht mehr funktionieren, braucht es Mut zu neuen Impulsen.“ Abends steht die 29jährige deshalb vor Kinos und Theatern, am Wochenende auf Märkten und in der Fußgängerzone, um mit pfiffigen Flyern Kirche und Glaube bei jedem einzelnen wieder ins Gespräch zu bringen. Mit 49 Prozent machen Christen in Hannover mittlerweile weniger als die Hälfte der Bevölkerung aus. Von diesen stehen wiederum längst nicht mehr alle fest in ihrem Taufglauben. Gläubige Christen sind in Hannover in der Minderheit.

Ein gelungener Erstkontakt sei deshalb notwendig, ist Reus überzeugt. Ohne diesen komme es niemals zu einer Erstverkündigung. In Kunstausstellungen in der Kirche, spätabendlichen Gebetsimpulsen, Diskussionsabenden über den Glauben und Gebetsverführungen versucht sie Suchende auf den unterschiedlichsten Stufen abzuholen. Für Reus muss eine Kirche für Beginner den Menschen existentielle Erfahrungen des Glaubens ermöglichen. „Den Menschen muss deutlich werden, da ist eine Tür, da warten viele gute Antworten auf deine Lebensfragen.“

 

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