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Trauer  Seite drucken

Bilder gegen das Vergessen

Kreuz vor einem Kirchenfenster
© katholisch.de

Digitales Grabmal sorgt für Individualität über den Tod hinaus

Greven - Das Leben auf den Friedhof holen - für Tischlermeister Carsten Glaser ist das kein Widerspruch. Schließlich liegt in jedem Grab ein Mensch, der einmal gelebt hat, der Hobbies hatte, der Geburtstage feierte. Auf den gewöhnlichen Grabsteinen haben die Angehörigen nur beschränkt Möglichkeiten, sich an all diese Momente zu erinnern. Darum geht der im münsterländischen Greven lebende Hersteller von Holzgrabsteinen inzwischen einen Schritt weiter - und vertreibt das digitale Grabmal.

Ein wenig futuristisch wirkt es schon: ein Flachbildschirm, der in den Grabstein oder die Grabplatte eingelassen wird. Mit einem Akku oder einer Fernbedienung wird er in Gang gesetzt - und los geht die digitale Erinnerungsshow. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. "Das ist das Besondere, man kann nicht nur Bilder hochladen, sondern auch Gedichte, Filme oder Botschaften an die Angehörigen", schwärmt Glaser.

Digitaler Nachruf

Die Idee zu dieser sehr persönlichen Form der Erinnerung hatte vor sechs Jahren ein holländischer Ingenieur. Henk Rozemer hatte zu seinem 65. Geburtstag eine Diashow vorbereitet. Als ihn seine Söhne baten, die Bilder auf eine CD zu brennen, kam ihm ein ganz neuer Einfall: ein digitaler Nachruf. Fünf Jahre lang tüftelte der Rentner an seiner Erfindung. Schließlich sollte das digitale Grabmal Temperaturen von minus bis plus 50 Grad aushalten, wasser- und schlagfest sein und einige Zeit laufen. Völlig lautlos natürlich - denn die Ruhe auf dem Friedhof darf nicht gestört werden.

Carsten Glaser kümmert sich inzwischen um den Vertrieb in Deutschland. Boten die ersten Computer nur Laufzeiten von bis zu drei Minuten am Stück, läuft das neueste Gerät bis zu zwei Stunden. Zwei digitale Grabmale wurden bisher verkauft, eines in Holland, eines in Deutschland. Der Grabstein in Deutschland steht jedoch in einem Privatgarten - der Käufer lebt nämlich noch.

Strikte Friedhofsordnungen

Ohne Weiteres aufstellen darf man den digitalen Bildschirm in Deutschland allerdings nicht. Denn die Friedhofsordnungen sind mitunter sehr strikt. So gibt es auf einigen Friedhöfen ein Bilderverbot, dass sogar Porzellanbildchen in den Grabsteinen verhindert - von einem Flachbildschirm natürlich ganz zu schweigen. Aber dafür hat Holzkünstler Glaser bereits die passende Lösung entwickelt: bewegliche Elemente am Grabstein, die sich nach dem Besuch des Grabes über den Bildschirm klappen lassen können.

Momentan hat Glaser jedoch ein größeres Problem: Das digitale Grabmal ist relativ teuer. Zwischen 2.000 bis 5.000 Euro müssen dafür eingerechnet werden. Darum versucht der innovative Tischler vor allem den Preis zu senken. Ein weiteres digitales Grab ist allerdings schon in Arbeit. Ein Ehepaar hat seinen Sohn bei einem Unfall verloren. Für die Eltern sei die Bildershow nicht nur eine Möglichkeit des individuellen Erinnerns, betont Glaser: "Die Gestaltung eines Grabes ist eine Art Trauerbewältigung. Und dazu muss man auch den digitalen Grabstein zählen, weil man durch Photos und dergleichen den Verlust des Verstorbenen besser verarbeiten kann."

Von Martina Gnad (KNA)
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