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Stephanus  Seite drucken

Der erste Märtyrer

Der heilige Stephanus (Ausschnitt aus einem Gemälde von Giotto di Bondone).
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Der heilige Stephanus (Gemälde von Giotto di Bondone).

Am 26. Dezember gedenken Christen des heiligen Stephanus

Dass er etwas Besonderes ist, kann man schon an seinem Platz im Heiligenkalender erkennen: Direkt nach Weihnachten, dem Geburtsfest Jesu, gedenkt die Kirche des heiligen Stephanus. Diesen prominenten Platz im Kalender hat sich der Schutzheilige zahlreicher Handwerksberufe wahrlich verdient – schließlich gilt Stephanus, der um das Jahr 40 wegen seines Glaubens zu Tode gesteinigt wurde, als erster Märtyrer des Christentums.

Über Stephanus' erste Lebensjahre ist nichts bekannt. Es wird lediglich angenommen, dass er ein Jahr nach Christi Geburt in Jerusalem zur Welt kam. Erst als er etwa um sein 30. Lebensjahr in der Urgemeinde seiner Heimatstadt aktiv wird, fängt er an Geschichte zu schreiben. Eine Geschichte, die von seinem Wirken als Diakon, seiner Verhaftung und seiner Steinigung handelt und die der Nachwelt in der biblischen Apostelgeschichte (Apg 6,1 bis 7,60) überliefert ist.

"Voll Gnade und Kraft"

Ausgangspunkt von Stephanus' Engagement in der Urgemeinde ist ein Konflikt: Hellenisten und Hebräer streiten um die der Gemeinde obliegende Versorgung von Witwen. Die Hellenisten werfen den Hebräern vor, Witwen mit hellenistischem Hintergrund bei der täglichen Versorgung mit Lebensmitteln übersehen zu haben.

Stephanus wird von Petrus zum Diakon der Jerusalemer Urgemeinde geweiht (Ausschnitt aus einem Fresko von Fra Angelico).
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Stephanus (r.u.) wird von Petrus zum Diakon geweiht (Fresko von Fra Angelico).

Zwischen den Fronten dieser beiden Gruppen stehen die Apostel. Sie befürchten, dass sie in die Auseinandersetzung hineingezogen werden und deshalb ihre Aufgaben bei der Glaubensverkündigung vernachlässigen müssen. Um dies zu verhindern, bitten die Apostel die Gemeinde, "sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit" (Apg 6,3) auszuwählen, damit diese als Diakone die sozialen Aufgaben der Urgemeinde, darunter die Betreuung der Witwen, übernehmen.

Nachdem der Vorschlag der Apostel "den Beifall der ganzen Gemeinde" (Apg 6,5) gefunden hat, fällt die Wahl der Mitglieder als erstes auf Stephanus, "einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist" (Apg 6,5). Dass dies eine gute Wahl war, daran lässt die Apostelgeschichte keinen Zweifel. Sie erzählt in geradezu hymnischen Worten von Wundern und großen Zeichen, die Stephanus als Diakon "voll Gnade und Kraft" (Apg 6,8) bewirkt habe.

Konflikt und Komplott

Als exponierter Vertreter der Urgemeinde gerät Stephanus bald darauf jedoch in einen Konflikt mit hellenistischen Juden. Zwar erfahren wir nicht, worum es bei der Auseinandersetzung geht. Wohl aber wird deutlich, dass die Juden dem redebegabten Diakon argumentativ nicht gewachsen sind. Um den unbequemen Kopf loszuwerden, schmieden sie deshalb ein Komplott: Sie setzen die Behauptung in die Welt, Stephanus habe sich der Gotteslästerung schuldig gemacht.

Das Martyrium des Stephanus (Ausschnitt aus einem Fresko von Bernardo Daddi).
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Das Martyrium des Stephanus (Fresko von Bernardo Daddi).

Die Apostelgeschichte beschreibt die Folgen dieser falschen Beschuldigung mit drastischen Worten: "Sie hetzten das Volk, die Ältesten und die Schriftgelehrten auf, drangen auf ihn ein, packten ihn und schleppten ihn vor den Hohen Rat" (Apg 6,12). Dort, vor dem obersten jüdischen Gericht, wird der Vorwurf der Gotteslästerung von einer Gruppe falscher Zeugen wiederholt. Sie sagen aus: "Dieser Mensch hört nicht auf, gegen diesen heiligen Ort und das Gesetz zu reden" (Apg 6,13).

Stephanus, so der konkrete Vorwurf, habe behauptet, Jesus von Nazareth wolle den jüdischen Tempel zerstören und die von Moses überlieferten jüdischen Gebräuche verändern. Nach Ansicht der hellenistischen Juden hat sich der Diakon damit einer Art Hochverrat schuldig gemacht.

Flammende Verteidigungsrede

Als der Hohepriester Stephanus zu den Vorwürfen befragt, antwortet dieser mit einem der längsten Monologe der gesamten Bibel. In seiner Verteidigungsrede bekennt sich Stephanus mit flammenden Worten zu seinem christlichen Glauben. Zudem wirft er seinen Anklägern und deren Vätern vor, sich dem Heiligen Geist widersetzt, die Propheten verraten und getötet sowie die durch Moses überbrachten Gebote missachtet zu haben (vgl. Apg 7,1 bis 53).

Stephanus mit Steinen (Ausschnitt aus einem Altarbild von Carlo Crivelli).
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Stephanus mit Steinen (Altarbild von Carlo Crivelli).

Als Stephanus zum Ende seiner Rede, die die Zuhörer laut der Bibel bereits aufs äußerste empört hat, zum Himmel blickt und dort nach eigenen Worten "die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen" (Apg 7,55) sieht, ist es endgültig um ihn geschehen. Die Menge umringt ihn und treibt ihn voller Zorn vor die Stadt. Dort, der Überlieferung nach unmittelbar vor dem Damaskus-Tor, wird Stephanus als Gotteslästerer verurteilt und gesteinigt.

Die Apostelgeschichte beschreibt die nun folgenden Momente erneut voller Dramatik: "So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er" (Apg 7,59/60). Stephanus erweist sich damit auch im Moment seines Todes als Anhänger Jesu, da auch dieser sterbend seinen Geist in die Hände Gottes gelegt und für seine Mörder gebetet hatte.

Umfassende Verehrung

Die Verehrung von Stephanus als erstem Märtyrer der Christenheit beginnt – nach der Wiederentdeckung seiner Reliquien – etwa um das fünfte Jahrhundert. Von Gallien über das Heilige Römische Reich bis nach Ungarn breitet sich die Stephanus-Verehrung in ganz Europa aus, wofür auch die zahlreichen nach dem Märtyrer benannten Gotteshäuser ein eindrucksvoller Beleg sind. Rund um Stephanus entwickelt sich zudem ein reiches Brauchtum: So gilt der Heilige beispielsweise als Pferdepatron, weshalb noch heute am 26. Dezember Pferde- und Hafersegnungen stattfinden.

Der Passauer Dom.
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Beispiel für die Stephanus-Verehrung: Der Passauer Stephansdom.

Stephanus' Gebeine werden der Überlieferung nach im Jahr 560 in der Krypta der Kirche Sankt Laurentius vor den Mauern in Rom bestattet. Der Stephanus-Tag wird bereits seit der Einführung des Weihnachtsfestes als Gedenktag unmittelbar nach dem Fest der Geburt Jesu begangen. Dadurch soll gezeigt werden, dass der christliche Glaube schon bei der Freude über die Geburt Jesu das Kreuz und die daraus resultierende Bedrohtheit des Lebens mit bedenkt.

Seit dem Jahr 2003 ruft die Deutsche Bischofskonferenz die Katholiken alljährlich dazu auf, den Stephanus-Tag als Fürbitte-Tag für verfolgte Christen in unserer Zeit zu begehen. Denn Stephanus und sein Glaubenszeugnis sind angesichts von fortdauernden Christenverfolgungen auch im 21. Jahrhundert noch immer hochaktuell.

Von Steffen Zimmermann
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