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Wie man heilig wird

Eva
© KNA
Der Heiligsprechung eines Menschen geht ein kompliziertes Verfahren voraus.

Das Verfahren kann auch mal mehrere hundert Jahre dauern

Schon bei seiner Totenmesse am 8. April 2005 forderten die Menschen in Sprechchören und vorbereiteten Transparenten "Santo subito" – "heilig, und zwar sofort". Das Volk der Gläubigen wollte den verstorbenen Papst Johannes Paul II. (1978-2005)sofort in der Gemeinschaft der Heiligen wissen.

Doch selbst bei einem Jahrhundertpapst wie diesem bleibt die Kirche nüchtern und zurückhaltend. Kein Heiliger entsteht "sofort". Aber die Kirche bewegt sich doch: Bereits nach nur 87 Tagen begann der so genannte Seligsprechungsprozess - eine Rekordzeit: Normalerweise müssen dafür erst einmal 25 Jahre seit dem Ableben des künftigen Heiligen vergehen.

Wie funktioniert aber eigentlich so eine "Selig- oder Heiligsprechung"? Warum braucht es dazu ein Wunder? Und sollte es in der Kirche nicht auch Kandidaten geben, die noch ein bisschen schneller zum Heiligen befördert werden, "santo subito" eben?

Wie man zum Heiligen wird

Elisabeth Braunbeck ist Schönstätter Marienschwester. Sie arbeitet seit dreizehn Jahren als Protokollführerin in der Kongregation des Vatikans, die für Heiligsprechungen zuständig ist. Sie weiß, wie man Heiliger wird: "Das erste Wort über das Leben oder den Märtyrertod eines Menschen spricht das Volk. Indem es deutlich macht, wir sind überzeugt, dass dieser Mensch ein heiliges Leben geführt hat. Und das drückt sich darin aus, dass das Volk ihn verehrt, dass es die Person um Fürsprache bittet, und auch von Gebetserhörungen zu berichten weiß."

Im nächsten Schritt erst ist die Kirche dran: "Das zweite Wort spricht die Kirche durch die Untersuchung dieses Lebens und ein Urteil in der Richtung." Und danach? Hier muss sich auch die Kirche auf das Eingreifen der ultimativen Instanz verlassen: "Das dritte Wort erwartet die Kirche wirklich durch Gott selbst. Dass er durch ein außergewöhnliches Eingreifen deutlich macht, dass diese Person wirklich heilig gelebt hat und jetzt in seiner Gemeinschaft lebt."

Was die Ordensschwester in einfachen Worten umschreibt, beinhaltet in der offiziellen Kirchenrichtlinie ein kompliziertes Prozedere: das Heiligsprechungsverfahren, oder auch Kanonisierungsverfahren. Das Verfahren, das kirchenrechtlich auch Prozess oder Fall (Causa) genannt wird, kann sich durchaus in die Länge ziehen. "So eine 'Causa' kann schon mal mehrere hundert Jahre dauern", betont etwa der Jesuitenpater Peter Gumpel.

Er muss in der römischen Behörde wichtige Vorarbeiten leisten: Er sammelt detaillierte Lebensläufe, alle Veröffentlichungen und Aufzeichnungen des Kandidaten sowie die Auskünfte über dessen Martyrium oder sein tugendhaftes Leben. Wenn die Arbeit von Pater Gumpel oder seinen Kollegen fertig ist, stimmen insgesamt 34 Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe darüber ab, ob die "Causa" weitergeht und der Kandidat in den Kreis der Seligen aufgenommen werden kann. Das letzte Urteil hat aber der Papst, er kann dem Votum der Kardinäle zustimmen, es aber auch ablehnen.

Bis heute ist das Wunder des Glaubens liebstes Kind geblieben. Das gilt auch für die Heiligsprechungskongregation. Nur wenn ein Wunder geschieht oder ein heldenhafter Märtyertod erlitten wurde, hat der Kandidat oder die Kandidatin das Zeug zum Heiligen.

Unerklärliche Heilung einer Ordensfrau

Bei Johannes Paul II. war ein solches Wunder schnell gefunden: Die unerklärliche Heilung der parkinsonkranken französischen Ordensfrau Marie Simon-Pierre aus Aix-en-Provence. Nach dem Tod von Johannes Paul II. verschlimmerte sich ihr Parkinsonleiden zunächst so sehr, dass sie nicht mehr schreiben konnte. Nach Ankündigung des Seligsprechungsverfahrens fingen ihre Mitschwestern an, den verstorbenen Papst tagelang um Fürsprache auf Heilung ihrer Mitschwester anzurufen.

Zwei Monate später soll das Wunder dann geschehen sein: in der Nacht vom 2. auf den 3. Juni 2005 soll die Schüttellähmung verschwunden sein. Die Kirche legt dabei strenge Maßstäbe an die mutmaßlichen Wunder an. Oft handelt es sich um medizinische Fälle. Mehrere Wissenschaftler müssen den Vorgang untersuchen, Krankheitsverläufe und Klinikakten studieren, Zeugen einvernehmen und zu dem Schluss kommen können, dass es mit den Kriterien der Wissenschaft nicht erklärt werden kann.

Für Johannes Paul II. war zu seinen Lebzeiten das wichtigste Motiv, durch Heilig- und Seligsprechungen den Menschen konkrete Vorbilder im Glauben vor Augen zu stellen. Für dieses Ziel hat er auch eine "Inflationierung" der Heiligen in Kauf genommen. Insgesamt 483 Heilige und 1.268 Selige sind unter ihm erkoren worden, so viele wie alle Päpste vor ihm zusammen nicht heilig gesprochen haben.

Von Markus Schüppen
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