Über alle Grenzen hinweg

Egon Wieland aus Bad Waldsee ist Pastoral- referent mit Leib und Seele
Mit Leib und Seele ist der 49-jährige Egon Wieland seit 2008 Kurseelsorger in Bad Waldsee. Als Jüngster von vier Geschwistern wächst er auf einem Aussiedlerhof in Zußdorf, Oberschwaben, auf. Statt in den Kindergarten zieht es ihn in die Natur, wo er die Füchse beim Spiel beobachtet, oder in den Stall der Eltern, wo er immer wieder seine Lieblingskuh Berta streichelt. Dabei erlebt er ein tiefes Einswerden mit der Natur, ein Sich-Selbst-Vergessen. Erst später im Theologiestudium, als er Martin Buber liest, begreift er, dass er damit bereits als kleiner Junge eine tiefe Erfahrung des Einsseins mit der Schöpfung gemacht hat.Bis heute prägt ihn diese "Herzenseinsicht". "Bei einer Begegnung kann ich mich entweder raushalten oder ganz hineingeben. Und ich bin darauf angewiesen, dass auch der andere sich hineingibt. Das Eigentliche einer Begegnung geschieht in diesem Zwischenraum. Genauso wenig kann man Berufung machen oder gar erzwingen. Das Wesentliche geschieht in Absichtslosigkeit und innerer Offenheit für das, was und wie sich's ereignet."
Das zeigt sich in seinem weiteren Berufungsweg. Sein Heimatpfarrer ist ein Vorbild für Egon Wieland. Er motiviert ihn, bei den Ministranten mitzumachen und bei der Landjugend. Doch statt Priester zu werden, rät er ihm, zuerst einmal etwas anderes zu machen. Egon Wieland, nicht nur naturverbunden, sondern auch technikbegeistert, entscheidet sich für eine Karosseriebauerausbildung.
Ein einschneidendes Erlebnis verändert ihn
Mit 22 Jahren erlebt Egon Wieland als Zivildienstleistender in einer Einrichtung für Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung, wie in seinen Händen ein dreijähriger Junge stirbt.
Er macht sich Vorwürfe und ändert seine Lebensperspektive. Er will weniger bei den eigenen Vorstellungen und Erwartungen sein und näher an den andern Menschen. Egon Wieland holt die mittlere Reife und Fachhochschulreife nach.
Dann geht er für ein Jahr als Volontär nach Peru. Die Begegnung mit Menschen dort hat ihn vieles gelehrt, zum Beispiel, dass Mitmenschlichkeit keine Frage von Intelligenz und Ästhetik ist.
Ein eigenwilliges "Experiment"
Danach beginnt Egon Wieland in Eichstätt ein Studium in Religionspädagogik und kirchlicher Bildungsarbeit. Nach zwei Jahren Grundstudium bewirbt er sich um die Aufnahme ins Priesterseminar, wo er bereits nach einer Woche wieder auszieht.
"Was ist wirklich meine Berufung?" Ein eigenwilliges "Experiment" soll weiterhelfen.
Sein Philosophieprofessor hatte ihm zu einer Zugfahrt nach Frankfurt und zurück geraten. Eine Fahrtstrecke im Priesterkragen und Priesterkreuz, die andere in Zivilkleidung. "Dort, wo du dich als Person besser fühlst, das wird für dich vermutlich der bessere Weg."
aus: Heinrich-Maria Burkhard/ Dieter Eckmann/ Eckhard Raabe/ Karin Schieszl-Rathgeb: Gott will mehr von dir. Berufen in den kirchlichen Dienst, (C) Schwabenverlag, Ostfildern 2007
