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"Gott geht deinen Weg mit"

Vikar Oliver Westerhold
© Bischöfliches Ordinariat Rottenburg-Stuttgart
Vikar Oliver Westerhold gründete das Vitamin P Projekt.

Der frühere Vikar Oliver Westerhold fühlt sich in der Kirche wohl und entwickelt neue Projekte

Unbrauchbar - eine Baumscheibe mit einem Riss ist unbrauchbar. Für den Geistlichen Leiter der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und ehemaligen Vikar Oliver Westerhold ist sie zum Sinnbild seiner Berufung geworden. Die Lebenslinien des Baumes kreisen um ihr Zentrum und werden immer weiter in ihrer Bewegung. Mitten in ihrem Wuchs werden die Kreise durch einen tiefen Riss durchbrochen, der bis in das Zentrum reicht.

So empfindet der ehemalige Rettungssanitäter seine Berufung, die ihn zwar nicht wie Paulus vom Pferd wirft, aber doch herausfordert. Westerhold: "Gott trifft mich in meiner Mitte, da wo ich bei mir selbst bin." Zunächst versucht er die Berufung zu ignorieren und den Ball flach zu halten, wie er heute sagt. "Nur nicht das 'Spinnen' anfangen." Bis er zu seinem Berufungsweg Ja sagen kann, musste noch einiges geschehen. "Da gab es manchen Wendepunkt", erinnert sich der heute 35-jährige Ministrantenseelsorger im Bistum Rottenburg-Stutgart stöhnend.

Eigentlich wollt er Arzt werden

Wenn er heute von seinem früheren Berufsziel spricht, spürt man noch die alte Begeisterung. Er wollte Arzt werden. Erst beim Zivildienstdienst als Rettungssanitäter kommt die Ernüchterung. Er will Menschen nicht allein körperlich heilen. Auf der Suche nach einer neuen Perspektive erinnert sich Oliver Westerhold an den Satz seiner Mutter. Nachdem er wieder einmal lange Zeit in der Kirche verbracht hatte, sagte sie: "Oli, dann nimm doch dein Bett mit in die Kirche! Da bist du doch sowieso die ganze Zeit."

Sie hat Recht. In der Kirche fühlt sich Oli schon früh zu Hause und über die Jahre ist das auch so geblieben. Er beginnt das Theologiestudium in Tübingen mit dem Ziel, Pastoralreferent zu werden. Seine Freizeit widmet er zu einem großen Teil der Musik - als Sänger in zwei Bands.

Im Studium folgt dann ein weiterer Einschnitt. Er trennt sich von der Freundin, obwohl die Beziehung durchaus glücklich ist, und entscheidet sich für den Weg des Priesters und die ehelose Lebensform. Keine leichte Entscheidung. Mit Enttäuschungen und Unverständnis von anderen ist es ein schwerer Weg. Westerhold empfindet ihn jedoch auch als Befreiung.

Vitamin P Projekt "Werde Piester"

"Jeder Schritt war spürbar ein Schritt in die richtige Richtung." So schildert er heute die Zeit seiner Priesterausbildung. In diese Zeit fällt auch die Krebserkrankung der Mutter. Die letzten Wochen ihres Lebens pflegt sie der Sohn. Zehn Tage vor seiner Priesterweihe stirbt sie.

"Diese Erfahrung rückte mich zurecht, ließ mich wesentlicher werden und tiefer schauen", erinnert sich Oliver Westerhold an diesen entscheidenden Lebensabschnitt. Er prägt ihn für sein priesterliches Leben.

Heute teilt der junge Priester seinen Weg mit Freunden. Bereits im Studium gründet er eine "Weggemeinschaftsgruppe" junger Priesteramtskandidaten, die sich bis heute alle sechs Wochen zum geistlichen Austausch trifft.

"Gott ist heute!" Für den Seelsorger, dem die Jugendlichen und ihre Berufungswege sehr am Herzen liegen, bedeutet dieser Satz, dass Gott heute genauso Menschen in seine Nachfolge ruft wie zu allen Zeiten. Deshalb hat er ein Projekt gestartet, mit dem er junge Menschen für den Priesterberuf begeistern will, das Vitamin P Projekt "Werde Priester". Oliver Westerhold will Türen öffnen, Räume bieten und ein Klima schaffen, in dem junge Menschen der eigenen Berufung nachspüren können. Mit seinem Engagement im Projekt bringt er seinen Glauben zum Ausdruck: "Gott geht deine Wege mit!"

aus: Heinrich-Maria Burkhard/ Dieter Eckmann/ Eckhard  Raabe/ Karin Schieszl-Rathgeb: Gott will mehr von dir. Berufen in den kirchlichen Dienst, (C) Schwabenverlag, Ostfildern 2007

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