"Berufung kann ich nicht malen"

Pfarrer Sieger Köder aus dem Ostalbkreis ist Geistlicher und Maler aus Überzeugung
Das könne er nicht malen, sagt der Pfarrer und Künstler auf die Frage, wie er das Thema "Berufung" auf die Leinwand bringen würde. Berufung ist für Sieger Köder kein abstrakter Begriff, sondern eine Entwicklung, die mit dem Menschen verbunden ist: "Die schönsten Bilder haben eine lange Geschichte. Ich müsste die Berufungsgeschichte eines Menschen malen."Auch seine eigene Berufungsgeschichte beschreibt Sieger Köder als einen langsam wachsenden Prozess. "Ich habe Glück gehabt und habe selbst nicht immer gewusst, warum ich dieses Glück hatte", sagt der mittlerweile 86-Jährige, wenn er auf sein Leben zurückblickt.
Weit über seine Heimat im Osten Württembergs bekannt wurde der Pfarrer vor allem als Künstler. Seine zumeist biblischen Motive zeigen die Menschen so vielfältig und bunt, wie sie auch in Wirklichkeit sind. Sieger Köder malt handfeste Menschen mit Ecken und Kanten. In seinen Bildern wird Glaubensgeschichte lebendig und greifbar. Wenn man sich in seiner Heimat, dem Ostalbkreis, umsieht, entdeckt man sie wieder, diese Gesichter, die geprägt sind von der erdigen Landschaft und dem für Baden-Württemberg doch eher rauen Klima. Der Kontakt zu Menschen ist auch das Verbindende zwischen beiden Berufungen, der des Priesters und der des Malers. Mit seinen Bildern will Sieger Köder den Menschen den Glauben näher bringen. Berühmt werden wollte er eigentlich nie.
Bibel spät entdeckt
Sieger Köder selbst hat erst im Alter von vierzig Jahren die Bibel für sich entdeckt. "Das war eine große Sache", sagt Sieger Köder, der in Wasseralfingen bei Aalen in einem - wie er es nennt - "gut katholischen" Elternhaus aufwuchs.
Doch zu Hause blieb die Bibel weitestgehend geschlossen: "Wr gingen ja regelmäßig in den Gottesdienst und hörten dort die Texte der Bibel und die Schriftauslegung in der Predigt." Schon als Kind und Jugendlicher war Sieger Köder in der katholischen Jugendarbeit aktiv und hatte Kontakt zu jungen Priestern, die ihn sehr prägten. Jedoch selbst in deren Fußstapfen zu treten, dieser Entschluss folgte erst sehr viel später.
Zunächst studiert Sieger Köder Kunst und ist danach einige Jahre in Aalen als Kunsterzieher tätig. Doch seine Erfahrungen, die er im Zweiten Weltkrieg als Soldat gemacht hat, lassen ihn nicht mehr los. "Im Krieg hat man Situationen erlebt, die einen ernster gemacht haben", beschreibt er seine damalige Situation. "Ich war dankbar, dass ich gesund aus dem Krieg kam." Zudem fällt sein Wunsch, Theologie zu studieren, in die Aufbruchstimmung der sechziger Jahre. "Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ging ein Wind des Aufbruchs durch die Kirche", so Sieger Köder. Der Konzils-Papst Johannes XXIII. wird zur Schlüsselfigur für den jungen Kunsterzieher.
Motivation für den Neuaufbruch
Sieger Köder beschließt, Theologie zu studieren. "Ich wollte zunächst einfach Religionslehrer werden, um so die Kunst und die Theologie zu verbinden", beschreibt er seine Motivation für den Neuaufbruch. "Sie können jederzeit zurückkommen", gibt ihm der Rektor seines Gymnasiums mit auf den Weg, als er sich zum Studium nach Tübingen aufmacht. Durch sein Studium wird sein Gottesverhältnis bewusster. "Der Glaube kann schon wackeln, wenn man ihn von der theologischen Wissenschaft her sieht. Aus der Bahn geworfen hat er mich jedoch nie", erzählt der Ruhestandsgeistliche, wenn er auf seine Zeit als Theologiestudent zurückblickt.
Seiner Berufung als Maler bleibt Sieger Köder über die Jahre treu. "Meine Motive male ich mit Hilfe der Theologie. Ich wollte aber nie ein großer Künstler werden, sondern habe es einfach ausgenutzt, dass ich malen kann, so wie vielleicht ein anderer Pfarrer als Fußballvirtuose begeistert oder gut Gitarre spielt", sagt Sieger Köder, der seine beiden Berufungen nicht trennen kann. Seinen Schwerpunkt sieht er aber immer in seiner seelsorgerischen Tätigkeit: "Wenn etwas vom Pfarrer gefordert wurde, dann habe ich den Maler an den Nagel gehängt." Er ist immer ansprechbar für die Menschen seiner Gemeinde, auch wenn er gemalt hat.
Noch heute ist Sieger Köder als Priester aktiv. Er feiert in den umliegenden Gemeinden Eucharistie und unterstützt seine Amtskollegen. Und natürlich kann der Geistliche in seinem Ruhestand seiner Leidenschaft, dem Malen, wieder verstärkt nachgehen. "Ich male zur Zeit ein Bild der Berufung des heiligen Paulus. Der ist vom Pferd gefallen. Das habe ich nie erlebt."
aus: Heinrich-Maria Burkhard/ Dieter Eckmann/ Eckhard Raabe/ Karin Schieszl-Rathgeb: Gott will mehr von dir. Berufen in den kirchlichen Dienst, (C) Schwabenverlag, Ostfildern 2007
